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Das jüdische Echo · 1931-04-17 · 16 (17.4.1931) · p. Seite 243

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
16 (17.4.1931)
Date
1931-04-17
Page
Seite 243 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 243 Allzuviel Einzelheiten aus den 348 Seiten im Großformat umfassenden Werke zu bringen, ist im Rahmen dieses Aufsatzes weder möglich noch wünschenswert. Das mag dem Studium des interessierten Lesers überlassen bleiben. Hier seien nur mit möglichst wenig Zahlen viel charakteristische Ergebnisse herausgearbeitet. I. Inländische und ausländische Juden Im eigenen Kreis, aber auch in der großen Politik, spielt das Ostjudenproblem eine erhebliche Rolle. Die Bedeutung der Ausländer unter uns war schwer abzuschätzen. Die Silbergleitschen Feststellungen 'überraschen: Von rund 400 000 Juden in Preußen waren immerhin über 76 000 Nichtdeutsche. Also ein Verhältnis von 4 zu 1 zwischen deutschen Staatsangehörigen und Ausländern bzw. Staatenlosen — ein Verhältnis,, das in manchen außerpreußischen Gebieten (Sachsen!) noch erheblich zu Gunsten der Nichtdeutschen ausfallen dürfte. Ob freilich die Bedeutung der Ausländer seit 1923 die gleiche geblieben ist, scheint zweifelhaft. Dieser erhebliche Anteil — namentlich östlicher Elemente — in unseren Reihen zeigt u. a. besonders eindrucksvoll, wie schnell der sattsam erörterte Auflösungsprozeß unter den alteingesessenen Juden vor sich gehen muß; denn sowohl die Mischehe, wie die Kinderarmut würde fraglos noch ganz anders in Erscheinung treten, wenn die Ostjuden nicht wären: Man kann das aus dem Werke, etwa an dem Verhältnis von Kindern zu Erwachsenen feststellen, das bei den Inländern 1 zu 5, bei den Ausr ländern aber 1 zu 3 betrug. Und die Überalterung, über die später noch zu sprechen ist, ergibt sich aus einem Anteil von 9 Prozent über 65jährigen bei den Inländern, aber nur 3 Prozent bei den Ausländern. Die auch in manchen jüdischen Kreisen kursierende irrige Ansicht von der vorwiegend unproduktiven Tätigkeit gerade der Ostjuden erfährt durch das,Werk eine eindrucksvolle Korrektur. Die Berufszählung, von deren Ergebnis auch noch zu sprechen ist, zeigt nämlich einen unvergleichlich größeren Anteil von Handarbeitern bzw. Arbeiterfamilien unter den Ausländern als unter den Inländern; sie betragen bei den beiden Gruppen 10 bzw. 4 Prozent. Was die Verteilung der ausländischen Juden anbelangt, so war sie innerhalb Preußens recht verschiedenartig. Wesentlich über die Hälfte, nämlich 44 000,, wohnten in der Stadt Berlin; dort waren etwa ein Viertel aller Juden Ausländer, prozentual aber war der Anteil noch wesentlich größer in Schleswig-Holstein, und zwar hauptsächlich in der Stadt Altona mit 36,8 Prozent. II. Unsere Überalterung Nur wer den Altersaufbau eines Volkes oder eines Volksteiles kennt, kann über die voraussichtliche Weiterentwicklung Berechnungen anstellen. Silbergleit gibt nun in ausführlicher Darlegung darüber Auskunft — seine Resultate sind vernichtend: Schon im Jahre 1925 war die Zahl der 0—10 jährigen Kinder in Preußen nur 44 000 gegenüber 56 000 der 10—20jährigen und 69 000 der 20—30 jährigen Menschen, ln der Zwischenzeit hat sich diese gewissermaßen umgekehrte Pyramide nach doppelter Richtung hin verschoben, denn in den fünf seither verflossenen Jahren ist der Nachwuchs noch geringer geworden, und die kräftig besetzten Jahrgänge rücken immer mehr in die höheren Altersklassen. Die Folge davon ist, daß die Zahl der Ehekandidaten ständig zurückgeht und die Zahl der Todesfälle fortwährend steigt. Schon sehen wir in manchen Gemeinden Todesziffern, die fast doppelt so groß sind als die Geburtenziffern, und das wird sich einstweilen immer noch verschärfen. Dabei ist die katastrophale Entwicklung der Mischehen hier noch ganz außer acht gelassen. Auch die Silbergleitsche Arbeit zeigt mehr noch als alle vorangegangenen Untersuchungen die Überalterung und im Zusammenhang damit den Auflösungsprozeß unter den deutschen Juden; besonders scharf tritt das hervor unter den inländischen Juden, bei denen 1925 sich nur ungefähr 1 Prozent Säuglinge befanden gegen fast 2 Prozent bei den ausländischen Juden. III. Was wir tun Liest man die Kapitel über die Stellung im Bes rufe in dem Silbergleitschen Buche, so hat man eigentlich das Gefühl des Katasters aller preußischen Juden; in einer geradezu minutiösen Aufstellung wird uns das mitgeteilt — was wir treiben, womit wir uns ernähren. Man kann nur schwer der Verlockung widerstehen,, hier in Einzelheiten einzugehen. Statt dessen seien die wichtigsten Dinge herausgearbeitet: Die preußischen Juden sind — oder waren mindestens 1925 — noch ein handeltreibendes Volk, denn rund die Hälfte der Erwerbstätigen rechneten sich der Gruppe Handel und Verkehr zu, gegen knapp 15 Prozent bei der Gesamtbevölkerung. Hieraus ergibt sich ja das jüdische Spezialproblem in der gegenwärtigen Krise, nämlich der Notwendigkeit der Umgruppierung, denn darüber kann kein Zweifel sein, daß der Handel neben einer konjunkturellen Belastung auch strukturell, d. h. permanent mit ganz ernsten Sorgen zu rechnen hat und gezwungen ist, sich beruflich umzuschichten (wobei der Referent eindringlich vor der neuerdings häufig empfohlenen Umschichtung in die Landwirtschaft schon deshalb dringend warnt, weil er die Zukunftsaussichten wesentlich schlechter beurteilt als die des Handels). Die zweitwichtigste Gruppe besteht aus Industrie und Handwerk sowie verwandten Gewerben, und zwar mit etwa 23 Prozent gegenüber reichlich 35 Prozent der gesamten Bevölkerung. Ganz in den Hintergrund tritt im Vergleich zu der gesamten Bevölkerung die Landwirtschaft, in der bekanntermaßen nur wenige Juden beschäftigt sind. Weit über den Durchschnitt aber ist der Anteil der Juden im Gesundheitswesen, in dem etwa 8297 Leute, vorwiegend Ärzte, Beschäftigung finden, und in den freien Berufen, in denen 9761 Juden (Männer und Frauen) tätig sind, darunter vor allem Anwälte und dergleichen. Gliedert man nach Selbständigen und Nichtselbständigen, so fällt die große Zahl der Selbständigen auf; sie beträgt nämlich bei den Juden über 48 Prozent, bei der Gesamtbevölkerung nur 16 Prozent. Das wird im wesentlichen beeinflußt durch den starken Anteil im Handel,, in dem verhältnismäßig mehr selbständige Existenzen Vorkommen als in der Industrie. Sehr aufschlußreich ist der Anteil der verschiedenen Untergruppen. Abgesehen von 85 000 Erwerbstätigen, die als allgemein im Waren- und Produktenhandel tätig bezeichnet werden, sind nicht weniger als 13 000 in der Schneiderei und

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