Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1931-04-17 · 16 (17.4.1931) · p. Seite 241

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
16 (17.4.1931)
Date
1931-04-17
Page
Seite 241 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103087-9176169--11651-9083722
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 16 241 Das Jüdische Echo in Warschau mit dem Ersuchen gewandt, den Handel der aus Kongreßpolen kommenden Hausierer (die zum überwiegenden Teile Juden sind) zu verbieten. Sollte die Regierung diesem Ansuchen entsprechen, so würde das den wirtschaftlichen Ruin weiterer tausender jüdischer Familien zur Folge haben. In allen Teilen von Posen und Polnisch-Pommern finden Massenversammlungen statt, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, jüdische Handwerker, Kaufleute, Hausierer, Ärzte, Rechtsanwälte usw. zu boykottieren. In großen Mengen gelangen Hetzschriften zur Verteilung. Ein jüdisches Stäjdtchen in Polen durch Feuer vernichtet Warschau, 10. April. (JTA.) Sämtliche jüdischen Häuser des Städtchens Jezod wurden durch einen nächtlichen Brand vernichtet. 30 jüdische Familien sind obdachlos geworden. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hat einen Aufruf an die Juden Polens und des Auslandes zur Hilfeleistung für die Opfer der Katastrophe erlassen, in dem darauf hingewiesen wird, daß die betroffenen Familien bei dem Brande ihre gesamte Habe verloren haben. Chaluztransporte aus Polen nach Palästina Warschau, 10. April. (JTA.) Montag, den 13. April, geht ein Transport von 500 Chaluzim aus Warschau nach Palästina ab. Eine zweite Gruppe von 120 Chaluzim tritt am 22. April die Reise nach Palästina an, der nächste Transport von 100 polnischen Chaluzim geht am 12. Mai ab, weitere 200 folgen im Laufe ides Monats Mai in kleineren Gruppen. Ein Todesopfer des Synagogenattentates in Budapest Budapest, 10. April. (JTA.) Das Attentat, das der für geisteskrank befundene Ingenieur Satloga in der Budapester Synagoge am Abend des zweiten Pessachtages verübt hatte und bei dem mehrere Betende schwer verletzt wurden, hat nun ein Todesopfer gefordert. Der 17jährige Lehrling Eugen Roth ist am 10. April seinen Verletzungen erlegen. Eugen Roth war der Sohn eines in ärmlichen Verhältnissen lebenden Reisenden. Komplott einer antisemitischen Terror- Organisation? Budapest, 12. April. (JTA.) Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Budapest hat eine Reihe anonymer antisemitischer Drohbriefe erhalten. Die Polizei hat daraufhin die Bewachung der Großen Synagoge in der Tabakgasse durch ein besonderes Detachement angeordnet. Wie „Pester Lloyd“ erfährt, hat sich bei der Budapester Polizei ein Mann gemeldet, der bereits am 29. März, also sechs Tage vor dem Attentat, eine vertrauliche Mitteilung erhalten hat, daß in nächster Zeit in einem jüdischen Tempel ein Anschlag werde verübt werden. Der Betreffende hat sich damals in der Annahme, daß es sich um leeres Gerede handle, nicht weiter um diese Mitteilung gekümmert. Er hat nunmehr Namen und Wohnung seines Gewährsmannes der Polizei mitgeteilt, die diesen einem Verhör unterziehen wird. „Pester Lloyd“ gibt der Vermutung Ausdruck, daß der Anschlag auf Veranlassung einer geheimen antisemitischen Terror-Organisation erfolgt ist, und fordert die Behörden auf, den Attentäter Zatloka nochmals auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen und Nachforschungen darüber einzuleiten, ob er keine Komplizen hatte. Das Projekt der Haifa-Bagdad-Bahn Eine Erklärung Dr. Shiels’ im Unterhaus London, 10. April. (JTA.) Im Unterhaus stellte der konservative Abgeordnete Sir Arthur Steel Maitland, der seinerzeit Arbeitsminister und Unterstaatssekretär für die Kolonien war, die Anfrage, wann die Vermessung der Haifa-Bagdad- Bahn beendet sein würde. Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Shiels erwiderte, ein genaues Datum der Beendigung dieser Arbeiten stehe noch nicht fest, doch sei zu erwarten, daß der größte f eil der Arbeiten im Herbst vollendet sein und der Bericht der Vermessungskommission Ende des Jahres vorliegen werde. Konferenz der jiddischen Autoren Amerikas Neuyork, 6. April. (JTA.) In Anwesenheit von 120 Delegierten und etwa 1000 Gästen wurde die vom jiddischen Autorenklub „J. L. Perez“ einberufene Konferenz der jiddischen Literaten Amerikas eröffnet. Den Vorsitz führte das Mitglied des Redaktionsstabes der jiddischen Tageszeitung „Der Tag“ Dr. Koralnik. Der Führer der jiddischistischen Bewegung Dr. Chaim Schitlowsky hielt ein etwa zweistündiges Referat über die nationale Bedeutung der jiddischen Sprache. Dr. Schitlowsky führte u. a. aus, dem Jiddischen sei der Sieg über die Assimilation sicher, da es in den jiddischsprechenden Massen fest verwurzelt sei und das einigende Band für die Juden der ganzen Welt und für die jüdisch-kulturellen Kräfte darstelle. Dr. Koralnik legte der Konferenz einen Plan zur Aufbringung von 50 000 Dollar für die Arbeit der Organisation vor. Die Schlußansprache hielt der berühmte jiddische Dichter Abraham Reisen. Fremdenfeindliche Kundgebungen in Kanada Montreal, 10. April. (JTA.) In Montreal sind in der letzten Zeit fremdenfeindliche Kundgebungen an der Tagesordnung. Vor einigen Tagen zogen etwa 800 arbeitslose Franko-Kanadier vor das Gebäude einer Montrealer Tabakfabriksgesellschaft und forderten die sofortige Entlassung aller ausländischen Arbeiter und die Einstellung von französischen Kanadiern an ihrer Stelle. Es wurden auch Versuche gemacht, die Anstellung von Ausländern in anderen Betrieben zu verhindern. Im Laufe einer dieser Demonstrationen wurde ein ausländischer Arbeiter so schwer verletzt, daß er ins Spital gebracht werden mußte. Unter den fremdenfeindlichen Kundgebungen haben natürlich auch die jüdischen Arbeiter und Angestellten stark zu leiden. Durch Verstärkung der Polizei-Patrouillen ist Vorsorge getroffen worden, damit eine Wiederholung der Ausschreitungen vermieden wird. Die Einwanderungsbeschränkungen in Australien Melbourne, 6. April. (JTA.) Am 4. April sind die anfangs dieses Jahres von der australischen Regierung im Hinblick auf die allgemeine Wirtschaftskrise und die steigende Arbeitslosigkeit verfügten Einwanderungsbeschränkungen in Kraft getreten. Durch die neue Einwanderungsverordnung wird das Quotensystem beseitigt und die Einwanderung von Ausländern, die einer früher nicht unter die Quotennorm fallenden Nationalität angehören, vollständig verhindert. Vom 4. April an darf kein Ausländer in Australien ohne eine vom Außenamt ausgegebene besondere Erlaubnis landen. Pachtvertrag des Jüdischen Nationalfonds Jerusalem, 10. April. (JTA.) Pachtverträge zwischen dem Jüdischen Nationalfonds und den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.