Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 16 (17.4.1931)
- Date
- 1931-04-17
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Nr. 16 Das Jüdische Echo sondern für alle Länder, nicht nur für die Kinder Israels, sondern für alle Menschenkinder Großes erwarten können. Weiter sprachen der Abgeordnete der Labour- Party Sir Norman Angell, Mrs. Snowden und zum Schluß Vahum Sokolow. Für den Fonds der neuen Kolonie wurden auf dem Bankett 2000 Pfund gezeichnet. Zahlreiche Begrüßungsschreiben jüdischer Organisationen und Persönlichkeiten der ganzen Welt waren eingelaufen. Colonel Kisch hat der Jüdischen Telegraphen- Agentur folgende Botschaft zur Veröffentlichung übergeben, die er namens der palästinensischen Exekutive der Jewish Agency an die Londoner Festversammlung gerichtet hat: Die Exekutive der Jewish Agency vereinigt sich mit den Juden ganz Palästinas zu einer Huldigung für Lloyd George, dessen die palästinensische Judenheit als des Premiers, unter dem die Balfour-Deklaration erlassen wurde, stets dankbar gedenken und dessen Name mit dem wachsenden Leben, das in Ramad David erblühen soll, dauernd verknüpft sein wird. Die Eröffnung des zweiten Teils der Regierungsverhandlungen verschoben Die Regierung wartet die Antwort der zu den Verhandlungen eingeladenen arabischen Exekutive ab Der Plan einer jüdisch-arabischen Round-Table- Konferenz London, 13. April. (JTA.) Der Beginn des zweiten Teils der Verhandlungen zwischen Vertretern der Jewish Agency und der englischen Regierung, der für den 13. oder 14. April angesetzt war, wurde im letzten Augenblick verschoben. Ein genaues Datum für die Eröffnung der Verhandlungen wird erst festgesetzt werden, wenn eine Antwort der arabischen Exekutive auf die Einladung der britischen Regierung, eine Delegation nach London zu entsenden, eingetroffen sein wird. Auch hat die englische Regierung noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob der Plan einer jüdisch-arabischen Round-Table-Konferenz verwirklicht werden soll. Die Araber gegen die Round-Table-Konferenz Jerusalem, 13. April. (JTA.) Die arabischen Zeitungen begrüßen es, daß die arabische Exekutive in ihrer am Dienstag, dem 14. April, stattfindenden Sitzung sich mit der Frage der Entsendung einer Delegation nach London befassen wird. Gleichzeitig berichtet die arabische Presse, daß die arabischen Führer der Regierung mitgeteilt haben, daß sie der Einberufung einer jüdisch-arabischen Round-Table-Konferenz nicht zustimmen. Daraufhin habe die Regierung ihnen gegenüber die Versicherung abgegeben, daß die Verhandlungen nicht auf der Grundlage des MacDonald-Brieies geführt werden würden, und daß die Teilnahme jüdischer Vertreter an ihnen nicht unbedingt notwendig sei. Die arabische Presse bringt die Meinung zum Ausdruck, daß es für die arabische Sache vorteilhafter wäre, die Verhandlungen mit der Regierung in Palästina statt in London zu führen. Der Überfall auf jüdische Arbeiter bei Haifa Trauer und Bestürzung in ganz Palästina Einzelheiten des Überfalls Jerusalem, 7. April. (JTA.) Der am Ostersonntag abends auf. jüdische Arbeiter in der Nähe von Haifa verübte Überfall hat die Judenheit Palästinas in Bestürzung und tiefe Trauer versetzt. Die Erregung ist allgemein. An dem Begräbnis der drei Opfer des Überfalls nahmen über 10 000 Menschen teil. Unübersehbare Menschenmassen folgten den drei Särgen, die durch die jüdische Gartenvorstadt Hadar Hakarmel bei Haifa bis in die Arbeitersiedlung Yadjur getragen wurden, wo die Getöteten ansäßig waren und wo auch die Beerdigung stattfand. Am Grabe sprach der Präsident der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas David Ben Gurion. Er wies darauf hin, daß bereits im ganzen Lande intensive Nachforschungen nach den Tätern im Gange sind. Die Leitung des Jüdischen Nationalrats für Palästina (Waad Leumi) hat beim High Commissioner Sir John Chancellor vorgesprochen, um im Hinblick auf den Überfall bei Yadjur die Probleme der öffentlichen Sicherheit in Palästina zu erörtern. Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency in Palästina Colonel Kisch hat sich im Zusammenhang mit den Arbeiten zur Ausforschung der Mörder nach Haifa begeben. Eine Deputation des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Haifa hat gegenüber dem Distriktsgouverneur von Nordpalästina Colville die Forderung nach energischen Maßnahmen zur Verfolgung der Täter gestellt. Die Deputation gab dem Gouverneur zu bedenken, daß es sich hier um einen offenkundig sorgfältig vorbereiteten Anschlag gehandelt hat und daß mit einer Ausbreitung des Terrors im ganzen Lande gerechnet werden müsse, falls es nicht gelingen sollte, der Täter habhaft zu werden und sie vor Gericht zu stellen. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Polizei hohe Belohnungen für zweckdienliche Mitteilungen zur Ergreifung der Täter ausgesetzt. Die Leitung der Nachforschungsarbeiten hat der Chef der palästinensischen Sicherheitspolizei Colonel Mavrogordato persönlich übernommen. Sämtliche Scheichs und Mukhtars der arabischen Dörfer in der Umgebung von Yadjur wurden einem strengen Verhör unterzogen. Einige Araber und eine Anzahl von Drusen wurden verhaftet. Vorläufig scheinen die Spuren nach dem arabischen Dorfe Schafaram zu führen, wenn es auch der Polizei bisher nicht gelungen ist, hinreichendes belastendes Material gegen bestimmte Personen herbeizuschaffen. Ein Arbeiter der Zementfabrik Nescher gab dem Haifaer JTA-Vertreter folgende Schilderungen des Vorfalls: Unmittelbar nachdem der Wagen mit den jüdischen Arbeitern das Gebiet der Zementwerke verlassen hatte — es war 10 Uhr abends — wurde er von Gewehrsalven empfangen, die von beiden Seiten der Straße kamen. Es war zweifellos ein wohl vorbereiteter und organisierter Überfall. Das Schießen aus dem Hinterhalt setzte auch, als bereits einige Arbeiter verwundet auf dem Boden lagen, nicht aus. Hinda Fishman und Samuel Dishel waren auf der Stelle tot, von den übrigen fünf Verletzten starb der Arbeiter Jacob Zamir bald nach seiner Einlieferung ins Spital. Mit aller Entschiedenheit trat der Gewährsmann des JTA-Vertreters der in gewissen Kreisen verbreiteten Meinung entgegen, daß der Schießerei ein Streit zwischen den jüdischen Arbeitern und den Arabern vorangegangen sei. Der Überfall, erklärte er, erfolgte ohne jegliche Provokation. Wir haben die Angreifer, die im Dunkeln das Weite suchten, gar nicht zu Gesicht bekommen.