Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 16 (17.4.1931)
- Date
- 1931-04-17
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 237 Das Jüdische Echo tischen Auseinandersetzungen. Hier wirkte sich offenbar der Umstand aus, daß die Führung innerhalb der Liberalen Partei gewechselt hat und in die Hände des radikalen Reformgemeindeflügels übergegangen ist. Es ist sicher kein Zufall, daß die einzige Position, die eine nennenswerte Kürzung (um volle 50 Prozent) erfahren hat, die bisherige Subvention für die jüdische Sportbewegung gewesen ist, denn „die ganze Richtung“ paßt offenbar den liberalen Radikalinskis nicht in den Kram, und es bedurfte schärfster Proteste, um selbst die neutralen Jugendvereine vor dem Verlust der ihnen seit Jahren gewährten Subvention zu bewahren. Haben sie doch das schreckliche Verbrechen begangen, sich für die Jewish-Agency-Politik auszusprechen. So sieht die sachliche Politik der neuen Mehrheit aus. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß auch die Forderung der Jüdischen Volkspartei nach einem eigenen Unterrichtsausschuß im Sinne einer religiös-nationalen Jugenderziehung brutal niedergestimmt wurde, obwohl man doch sonst immer Respekt vor der Überzeugung anderer und volle Gewissensfreiheit zu pflegen vorgibt, und daß man mit einigen nicht sehr schönen Ausreden versucht hat, die Ansprüche der Jüdischen Volkspartei auf angemessene Vertretung innerhalb der als sogenannte „Kulturträger“ in den Rat zu wählenden Rabbiner und Lehrer abzuspeisen. Natürlich gab es auch die nunmehr schon traditionelle Debatte mit dem Centralverein über die Abwehrarbeit, und die liberale Inkonsequenz feierte auch diesmal wieder ihre Triumphe. Unter dem Vorgeben, sich streng auf religiöse Interessen zu beschränken und jede Volkspolitik durch die Gemeinden und deren Zusammenfassung abzulehnen, beschloß man eine Resolution gegen die Verschlechterung der Einbürgerungsbestimmungen in Preußen und eine weitere Resolution sogar an den Völkerbund in Genf zugunsten der Staatenlosen. Offenbar hat man in dem neuen liberalen Einheitsgebetbuch eine Stelle entdeckt, die diese politischen Maßnahmen rechtfertigt. Es ist wirklich schwer diese Dinge ernst zu behandeln und das krankhafte Bemühen, die Fiktion von der Nur-Religionsgemeinde aufrecht zu erhalten, scheitert täglich und stündlich an den wirklichen jüdischen Notwendigkeiten des Tages. Das einzig Erfreuliche dieser Tagung bestand darin, daß endlich einmal durch die Jüdische Volkspartei eine ausgiebige Erörterung der wirtschaftlichen Probleme erzwungen wurde, und wenn auch das, was an sachlichen wichtigen Maßnahmen dabei herausgekommen ist, irgendeine Bedeutung nicht beanspruchen kann, so ist es doch schon als Fortschritt zu buchen, daß man von liberaler Seite nicht mehr wagt, das Bestehen einer jüdischen Wirtschaftsnot zu leugnen, wie dies noch vor wenigen Monaten geschehen ist, und daß man sich offenbar darüber klarer zu werden beginnt, daß trotz des Dogmas von der Religionsgemeinde auf die Dauer wirtschaftspolitische Maßnahmen nicht vermieden werden können, wenn man nicht einfach tatenlos Zusehen will, wie große Teile des preußischen Judentums zugrunde gehen. Die sachliche Ausbeute der Tagung ist also ganz geringfügig. Die Verschärfung der politischen Gegensätze läßt erkennen, daß wir, ungeachtet der schwierigen Lage unserer Gemeinschaft, kampfreichen Jahren entgegengehen. Das jüdische Volk hat keinen Grund, mit dieser Tagung zufrieden zu sein. Es kann aus ihr immer wieder aufs neue lernen, daß seine Zukunft in seine eigene Hand gegeben ist, und daß die Stellung der Vertreter des jüdischen Volksgedankens innerhalb der preußischen Gemeinden soweit gestärkt werden muß, daß der Landesverband auf diesem Wege zu schöpferischer jüdischer Arbeit fähig wird. Proklamieriing der Gründung einer Lloyd-George-Kolonle in Palästina Festabend zu Ehren Lloyd Georges in London London, 13. April. (JTA.)) Am Sonnabend, dem 11. April, fand im Savoy-Hotel zu London ein von der Zionistischen Organisation veranstalteter Festabend zu Ehren des Führers der Liberalen Partei David Lloyd George, der bekanntlich der Chef des Kabinetts war, das die Balfour-Deklaration erließ, statt. In dem großen Saal des Savoy-Hotels hatten sich über 600 geladene Gäste versammelt, unter ihnen die Führer des politischen und gesellschaftlichen Lebens Englands. Den Vorsitz führte Dr. Chaim Weizmann, der auch die Eröffnungsansprache hielt, auch Sir Herbert Samuel hielt eine Ansprache. Den Höhepunkt des Abends bildete die Rede des Ehrengastes Lloyd George, der u. a. ausführte: Ich kann die Dankbarkeit für die mir durch Verknüpfung meines Namens mit einer Kolonie im Tale Jezreel zuteil gewordene Ehrung kaum durch Worte ausdrücken. Vor 11 Jahren wurde in San Remo das Palästinamandat England übertragen. Damals war Palästina kein Heim für irgendein Volk, sondern eine Ruine, bestenfalls war es der Platz für ein Heim. Ein Land, das einst fünf Millionen reichlich ernährt hatte, konnte nunmehr einer Bevölkerung von weniger als einer Million kaum den ärmlichsten Unterhalt bieten. Der in den 11 Jahren seither gemachte Fortschritt ist unglaublich. Ein befruchtender Strom von Reichtum, Energie, Eifer und geistiger Leistung hat sich nach Kanaan ergossen. Es hat auch Unruhen und Unheil gegeben. Wenn aber das Judentum wegen der jüngsten Enttäuschungen aufhören sollte, mit erneuter Kraft und Opferwilligkeit an seinem Werke zu bauen, wäre es unwürdig seiner großen Vergangenheit. Ein Volk, das mehr Verfolgungen als jedes andere erlitten und seine Zuversicht doch nicht verloren hat, macht wegen eines abscheulichen feigen Aufruhrs nicht kehrt. Auch die Mandatarmacht muß ihre Aufgaben treu und entschlossen erfüllen. Die infolge des Weißbuches entstandenen Zweifel wurden durch den Briefwechsel zwischen dem Ministerpräsidenten und Dr. Weizmann behoben. Das Mandat muß dem Wortlaut und Geist nach durchgeführt werden. In Palästina ist genügend Raum für ein jüdisches Nationalheim, ohne daß irgendeiner seiner jetzigen Bewohner oder dessen Kinder heimatlos gemacht werden müssen. Lange bevor die Wissenschaft die Möglichkeiten der Entwicklung unbegrenzt vermehrt hatte, hat Palästina das Fünffache seiner jetzigen Bevölkerung ernährt. Die Juden haben zweifellos einen besonderen Anspruch auf Kanaan. Sie sind die einzigen, die in dem Lande während der letzten 3000 Jahre erfolgreich gearbeitet haben. Und sie haben als Volk nie eine andere Heimat gehabt. Die Menschen, die der Zionismus in Palästina sammelt, kommen aus allen Teilen der Welt. Sie kommen, bereichert durch die Berührung mit allen nationalen Kulturen der Welt, so daß wir von dem zionistischen Experiment nicht nur für Palästina,