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Das jüdische Echo · 1931-04-17 · 16 (17.4.1931) · p. Seite 236

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
16 (17.4.1931)
Date
1931-04-17
Page
Seite 236 (sequence 4)
Language
German
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236 Das Jüdische Echo Nr. 16 Unter diesen Umständen wird die Frage der Umgruppierung und der Führerwahl vielleicht die wichtigste Frage des kommenden Kongreßes. Freilich scheinen sich viele die letzten Konsequenzen nicht klarzumachen. Wie in früheren Jahren findet man auch jetzt im Zionismus die Meinung verbreitet, daß die Opposition gelten Weizmann sich austoben und er selbst auch demissionieren wird, daß aber im letzten Moment infolge der entstandenen Verlegenheit doch wieder irgend ein Ausweg sich finden wird, wobei Weizmann als Führer wiedergewählt werden kann. Wir glauben, daß dieser Ausweg diesmal nicht möglich ist. Diejenigen Kreise, die jetzt seit Monaten ihre Kampagne führen, werden bei dem Kongreß sehen, was sie angerichtet haben, und werden einen anderen Ausweg finden müssen. Wir glauben nicht, daß die Freunde Dr. Weizmanns, unter denen es eigentlich nur eine geschlossene Gruppe gibt, nämlich die Arbeiterschaft, es auf sich nehmen können, Weizmann wiederzuwählen und ihm zuzumuten, in derselben Weise weiterzuarbeiten wie bisher. Man muß der Tatsache ins Auge sehen, daß Weizmann diesmal endgültig zurücktritt, womit nicht gesagt ist, daß er nicht in der Zukunft wieder einmal eine Rolle in der Bewegung spielen wird. In den meisten Ländern, besonders in Amerika, Polen und Rumänien, sowie in der großen Föderation des Misrachi, herrschen oppositionelle Tendenzen. die ihren schärfsten Ausdruck im revisionistischen Lager finden. Angesichts dieser Sachlage kommt den Zionisten in Mitteleuropa auf dem nächsten Kongreß eine große Bedeutung zu. In Mitteleuropa ist noch am meisten zionistische Tradition, theoretische Schulung und Realitätssinn vorhanden. Dem mitteleuropäischen Zionismus kommt also in der nächsten Zeit wahrscheinlich wieder eine besondere Bedeutung zu. In den ersten Nachkriegsjahren, wo nur Quantitäts-Maßstäbe galten, war das relativ judenarme Mitteleuropa im Zionismus hinter den schnell angewachsenen Kolossen Polen und Amerika sowie hinter den Fraktionen zurückgedrängt. Der Zionismus verdankt aber historisch seine Gestalt der Tatsache, daß vor dem Kriege der Zionismus in Rußland (zu dem damals Polen gehörte) illegal war und in Amerika keine Rolle spielte, so daß Mitteleuropa die Führung von selbst zufiel. Heute stehen wir vor dem Phänomen, daß die aufgeblasenen Massengebilde des polnischen und amerikanischen Zionismus aus Führerlosigkeit in einer kritischen Situation zusammenzusinken drohen. Bleibt nur die Frage, ob der mitteleuropäische Zionismus noch die Kraft und Fähigkeit zu einer wirklichen Führei rolle hat. Es handelt sich darum, den Zionismus über eine schwere Übergangszeit hinüberzubringen, eine durchgreifende innere Reform vorzubereiten. Wir brauchen eine Reform des politischen und wirtschaftlichen Systems ebenso wie der erstarrten Ideologie und der überalterten organisatorischen Formen. Die Hoffnung, daß durch die Gründung der Agency eine solche Reform sich vollziehen wird, hat sich bisher nicht erfüllt. Nun gilt es, aus dem Kongreß heraus eine Umgestaltung zu vollziehen. Dann wäre der Weg zu einer neuen Koalition auf breiter Grundlage frei. Wenn der nächste Kongreß dies zustande bringt, wird er von epochaler Bedeutung in der inneren Geschichte des Zionismus sein. proko * * * Nach dem preußischen Verbandstage Von Georg Kareski Wieder einmal hat das preußische Judenparlament seine Jahrestagung hinter sich, und wieder ist es notwendig, festzustellen, was an positiven Ergebnissen diese Tagung gebracht hat. Um es vorweg zu sagen: die Tagung ist genau so unproduktiv geblieben wie die meisten ihrer Vorgänger. Judengesetz und Reichsverband, die nunmehr schon seit Jahren den stereotypen Teil der Tagesordnung des Verbandstages bilden, sind auch diesmal nicht um einen Schritt ihrer Lösung nähergeführt worden, es sei denn, daß man einen Fortschritt etwa in dem Beschluß erblicken will, für die zur Schaffung des Reichsverbandes notwendigen Verhandlungen eine Kommission zu bilden. Wir kennen das Tempo, in denen die Kommissionen des Landesverbandes zu arbeiten pflegen und wissen, daß auch der kommende Verbandstag, wenn nicht ein Wunder geschieht, vor demselben ungelösten Problem stehen wird wie dieser. Die Unzufriedenheit mit der sachlichen Arbeit des Verbandes kam denn auch in den Reden der volksparteilichen Redner in der Generaldebatte mit aller Schärfe zum Ausdruck, und diese Kritik war um so notwendiger, als der Bericht des Rates eine Selbstzufriedenheit atmete, für die weiteste Kreise des preußischen Judentums bestimmt keinerlei Verständnis aufbringen. Man mußte sich an den Kopf fassen und fragen, ob man richtig gehört hätte, als der Präsident des Rates feststellte, daß der Landesverband sich zu einem Schützer aller jüdischen Interessen entwickelt hätte. Es ist notwendig, demgegenüber festzustellen, daß der Landesverband in der Erfüllung seiner gesamtjüdischen Aufgaben nahezu völlig versagt hat, daß die politischen Interessen der preußischen Juden trotz ihrer starken Bedrohung in Politik, Verwaltung und Rechtssprechung durch den Landesverband nicht gewahrt worden sind, und daß auch die Abwehr der wirtschaftlichen Gefahren, die das preußische Judentum bedrohen, nicht darin erblickt werden kann, daß man sich etwa ein Jahr lang mit vorbereitenden Maßnahmen beschäftigt hat. Oder soll man vielleicht eine hohe Befriedigung darüber empfinden, daß beschlossen worden ist, zwei Gesetzentwürfe über das Beamtenrecht und über ein Normalstatut der Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Es handelt sich hier um Vorlagen, auf die auch nicht eine Minute Beratungszeit verwendet worden ist, und es scheint doch mit dem Ernst einer Körperschaft wie der Landesverband nur schwer vereinbar, daß man unfertige Gesetzentwürfe veröffentlicht, bloß um den Eindruck zu erwecken, als ob überhaupt etwas geschehen ist. Einen breiten Raum nahm wie immer die Etatsberatung ein, und es gelang den Vertretern der Volkspartei im Haushaltungsausschuß, die Ratsvorlagen grundlegend umzugestalten. Es wurde erreicht, daß die Notwendigkeit, die Beiträge der Verbandsgemeinden von Hh<> auf 9/io Prozent zu erhöhen, vermieden wurde, ohne daß auf irgendeinem Gebiet lebensnotwendige Aufgaben des Verbandes zu leiden brauchen. Es war im Gegenteil trotzdem sogar möglich, die für die Unterstützung kleiner, leistungsschwacher Gemeinden aus eigenen Mitteln des Landesverbandes zur Verfügung stehenden Beträge gegenüber dem Vorjahre nahezu zu verdoppeln. Um so schärfer gestalten sich diesmal die poli-

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