Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 15 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- Seite 226 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Das Jüdische Echo Nr. 15 Die Juden in der Türkei Berlin, 25. März. (JTA.) Die türkische Regierung in Angora veröffentlichte vor einiger Zeit die Endergebnisse der im Oktober 1927 in der Türkei stattgefundenen Volkszählung. Auf Grund dieser Veröffentlichung hat die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts das Material über die jüdische Bevölkerung bearbeitet. Die Ergebnisse sind folgende: Es sind in der gesamten Türkei 13 648 270 Seelen gezählt worden, darunter 81 872 (0,6%) jüdischen Religionsbekenntnisses. Die 81 872 Juden setzen sich aus 38 103 Männern und 43 769 Frauen zusammen. Bei der jüdischen Bevölkerung sind die Frauen prozentual in höherem Maße vertreten als bei der Gesamtbevölkerung: auf 100 Männer fallen 107,9 Frauen bei der Gesamtbevölkerung, 114,9 Frauen bei der jüdischen Bevölkerung. Drei Viertel der jüdischen Bevölkerung der Türkei leben in Konstantinopel (46 698) und Smyrna (16 215). Überhaupt sind die Juden der Türkei nur in 6 Vilayets (Stambul, Smyrna, Edirne, Brousse, Canakkale, Tekirdag) konzentriert; in diesen Vilayets leben fast 94% der gesamten jüdischen Bevölkerung der Türkei, sie machen hier 3.5% der Gesamtbevölkerung aus. Im Vilayet Stambul (mit der Stadt Konstantinopel) ist der Prozentsatz der Juden noch höher: 5,9% der Gesamtbevölkerung; dort lebt über die Hälfte der gesamten jüdischen Bevölkerung der Türkei. Der Smyrnaer Vilayet beherbergt fast ein Viertel sämtlicher türkischer Juden. Über die Sprache der türkischen Juden ist zu berichten: Von den 81 872 Juden haben 68 900 (84,2%) Jüdisch (d. h. Spaniolisch) als ihre Muttersprache angegeben. Die Juden der Türkei sind sprachlich nur wenig assimiliert; nur etwa ein Siebtel der türkischen Juden bedienen sich einer nichtspaniolischen Sprache, hauptsächlich natürlich des Französischen und des Türkischen. Den größten Prozentsatz spaniolisch Sprechender unter den Juden der Türkei weist der Vilayet Edirne auf (96,3%). dann folgt die Stadt Smyrna mit 94,1%; in Konstantinopel fällt dieser Prozentsatz auf 83,3%, den geringsten Prozentsatz weist der Vilayet Canakkale auf (70,6%). Die jüdische Not in Neuyork — Das Hilfskomitee gegen die Arbeitslosigkeit verteilt Pessach-Pakete Neuyork, 30. März. (JTA.) Vor den Polizeistationen in den jüdischen Vierteln, wo das von Bürgermeister Walker eingesetzte Hilfskomitee gegen die Arbeitslosigkeit 6000 Pessach-Lebensmittel-Pakete mit Mazzoth, Kartoffeln, Eiern usw. zur Verteilung bringt, herrscht ungeheurer Andrang. Tausende von Juden, darunter viele einstige Angehörige der wohlhabenden Kreise, sind vor den Polizeistationen angereiht und warten auf die Ausgabe der Pakete. Das Hilfskomitee des Bürgermeisters hat als Ergänzung zu den Lebensmittelgaben vor kurzem die Summe von 98 202 Dollar zur Verfügung gestellt, um armen jüdischen Familien in Neuyork die Beobachtung der Pessachvorschriften zu ermöglichen. Wirtschaftsantisemitismus in Mexiko Mexiko City, 29. März. (JTA.) Das Direktorium der antijüdischen und antichinesischen Vereinigung, deren Zentrale sich in Mexiko City befindet, hat an die Subkomitees aller Provinzen die Weisung ausgegeben, gegen „Juden, Chinesen, Syrer und andere Ausländer, die ins Land gekommen sind, um einen heftigen Konkurrenzkampf gegen die mexikanischen Kleinkaufleute zu eröffnen“, eine intensive Kampagne einzuleiten. In den Weisungen wird für den Fall, daß die Regierung der Aufforderung, „der das Elend Tausender mexikanischer Kaufleute verursachenden Tätigkeit dieser Elemente Schranken zu setzen“, nicht entsprechen sollte, die Einleitung einer „direkten Aktion“ empfohlen, worunter man in Mexiko ebensowohl Boykott, wie auch Sabotageakte versteht. Ein folgenschweres Dekret der brasilianischen Regierung Berlin, 29. März. (JTA.) Wie aus Rio de Janeiro telegraphiert wird, hat die brasilianische Regierung durch ein Dekret verfügt, daß zwei Drittel der Angestellten sämtlicher in Brasilien bestehender geschäftlicher Unternehmungen brasilianische Staatsangehörige sein müssen. Eine nur dreimonatige Frist wird für die Umstellung gewährt. Durch dieses Dekret sind besonders die zahlreichen Juden, die im letzten Jahrzehnt eingewandert waren und noch kein Staatsbürgerrecht besitzen, schwer betroffen worden. Die Kolonie Moza schließt mit dem arabischen Nachbardorf Colonia einen Friedenspakt Jerusalem, 26. März. (JTA.) In der jüdischen Kolonie Moza bei Jerusalem fand der feierliche Abschluß eines Dauerfriedens zwischen der Kolonie und den Arabern des Nachbardorfes Colonia statt. Aus Colonia stammten die Aufrührer, die im August 1929 Moza zerstörten und die Mitglieder der jüdischen Familie Macleff lebend verbrannten. Auf Anregung des Kolonisten Broza, der seinerzeit unter der Anklage stand, einen Araber getötet zu haben, aber freigesprochen wurde, wurden von der Jewish Agency Scheik Sultan Abughosh und Abraham Schapiro aus Petach Tikwah mit der Führung der Verhandlungen mit den Arabern betraut. Der feierliche Friedensschluß wurde in traditioneller orientalischer Weise vorgenommen. Als Symbol der Beseitigung der Blutrache, die infolge der bisherigen Nichtbestrafung der Mörder der Familie Macleff bestand, wurde ein Schaf geschlachtet. Baubeginn der Kadorie-Ackerbauschule Jerusalem, 29. März. (JTA.) In einem offiziellen Communiquee wird mitgeteilt, daß die Pläne für die allgemeine Anlage, die Wirtschaftsgebäude und die Molkerei der jüdischen Ackerbauschule, die in der Nähe des Berges Tabor, Nordpalästina, aus den Mitteln des kadorischen Nachlasses errichtet werden soll, fertiggestellt sind. Von der Linie Mescha-Sejera aus wurde in das Gebiet, auf dem die Schule errichtet werden soll, eine Straße geführt. Das Gebiet selbst ist bereits applaniert. Sobald die Straße aus Mesha für Lasttransporte passierbar sein wird, was anfangs April der Fall sein dürfte, wird mit dem Bau der Wirtschaftsgebäude begonnen werden. Gegenwärtig ist der Regierungsarchitekt mit der Ausarbeitung der Pläne für das Schulhaus beschäftigt. Palästina-Einwanderung im Januar und Februar Jerusalem, 30. März. (JTA.) Im Monat Januar sind 104, im Monat Februar 196 Juden nach Palästina eingewandert. Außerdem erhielten in diesen Monaten 43 früher ins Land gekommene Touristen die Erlaubnis zur dauernden Niederlassung. Von den Einwanderern kamen 174 auf Grund von Zertifikaten der Jewish Agency, 89 auf Grund von Anforderungen ihrer palästinensi-