Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 15 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- Seite 223 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.!5 Das Jüdische Echo 223 Aus der jüdischen Welt Generalversammlung des Reichsbundes für jüdische Siedlung in Deutschland Berlin, 27. März. (JTA.) Am 26. März fand in Berlin die Generalversammlung des Reichsbundes für jüdische Siedlung in Deutschland (R1S) statt. Nach einer Begrüßungsansprache des ersten Vorsitzenden des Bundes, Dr. Leo Loewenstein, erstattete Geschäftsführer Martin Goetz den Rechenschaftsbericht, aus dem hervorging, daß sich dem Reichsbund bereits zahlreiche Synagogengemeinden, Korporationen und Verbände als Mitglieder angeschlossen haben. Auf Vorschlag des zweiten Vorsitzenden Dr. Elkeles wurde eine Reihe von Statutenänderungen vorgenommen. Die Neuwahl des Geschäftsführenden Bundesvorstandes ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Dr. Elkeles, 2. Vorsitzender Chefredakteur Alfred Rosenthal, ferner die Herren Moritz Rosenthal, Landesgerichtsrat Dr. Rau, Dr. Leo Loewenstein, Rechtsanwalt Holländer und Dr. Ludwig Tietz. Dr. Arthur Czellitzer 60 Jahre Berlin, 30. März. (JTA.) Der Augenarzt und Familienforscher Dr. Arthur Czellitzer in Berlin begeht am 5. April seinen 60. Geburtstag. Er hat neben einer ausgedehnten Praxis die Zeit gefunden, sich als Sozialhygieniker, Erbforscher und Genealoge einen Namen zu machen. Im Jahre 1924 begründete Dr. Arthur Czellitzer die „Gesellschaft für jüdische Familienforschung, als deren Vorsitzender er zugleich das Archiv für jüdische Familiendokumente leitet und die Zeitschrift der Gesellschaft redigiert^ die rasch zu einem wissenschaftlichen Mittelpunkt aller jüdischen Genealogen geworden ist. Die ihm eigene Verbindung biologischer und genealogischer Arbeitsmethoden erwies sich als ebenso günstig für das Aufblühen dieser Gesellschaft, wie das heute allenthalben neu erwachende Interesse an Vorfahren und Familiengeschichte. Die von ihm unermüdlich propagierte Familienforschung bedeutet einen Schutzwall gegen die Zersetzung des modernen Judentums und einen Weg zur innerlichen Festigung der Jugend. Eine thüringische Arbeitsgemeinschaft der Jewish Agency Erfurt, 27. März. (JTA.) Auf Einladung der Erfurter Arbeitsgemeinschaft der Jewish Agency fand in Erfurt eine Veranstaltung statt, die von 140 Personen aus ganz Thüringen (Erfurt, Apolda, Arnstadt, Eisenach, Elgersburg, Gotha, Jena, Ilmenau, Langensalza, Mühlhausen, Nordhausen, Waltershausen und Weimar) besucht war. Den Vorsitz führte Rabbiner Dr. Schiiftan (Erfurt). Ministerialdirektor Dr. Badt referierte unter großem Beifall der Versammelten über die Beziehungen der Juden zur Umwelt, über das Verhältnis des deutschen Judentums zur Weltjudenheit und die gegenwärtigen politischen Probleme des Judentums. In der angeregten Diskussion spradien Landgerichtsdirektor Wachtel (Gotha), Wiilli Herrmann (Gotha), Rechtsanwalt Dr. Eichenbronner (Ilmenau), Frau Dr. Lippmann (Erfurt), Martin Grünstein (Elgersburg) und Rechtsanwalt Warburg (Nordhausen). ■— Die Erfurter Arbeitsgemeinschaft wurde zu einer Thüringischen Arbeitsgemeinschaft erweitert, in deren Komitee außer Vertretern der erwähnten Orte noch Persönlichkeiten aus Meiningen und Sondershausen gewählt wurden. Es wurde beschlossen, daß die Mitglieder des thüringischen Komitees für eine verstärkte Arbeit in den einzelnen Orten die Verantwortung übernehmen. Wichtiges Urteil in einer Kollektivbeleidigung Berlin, 1. April. (JTA.) Das Glatzer Schöffengericht verurteilte den Nürnberger Stadträt Franz Gengier „wegen Aufreizung zum Klassenkampf in Tateinheit mit übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 450 Mk. oder zu 45 Tagen Gefängnis. Den beleidigten deutschen Juden wird die Befugnis zuerkannt, das Urteil in der ,Frankensteiner Zeitung4 zu veröffentlichen“. Gengier hatte in einer öffentlichen Versammlung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in Frankenstein (Schlesien), beleidigende Äußerungen gegen die Juden gemacht und sie mit Flöhen und Wanzen verglichen. Bei seiner polizeilichen Vernehmung gab er zu Protokoll4 er habe alle Angehörigen der jüdischen Rasse ohne Ausnahme gemeint. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Der Vertreter zweier als Nebenkläger zugelassener Mitglieder der jüdischen Gemeinde Frankenstein, Rechtsanwalt Förder aus Breslau, führte aus, der Angeklagte habe mit seinen Ausführungen sämtliche deutschen Juden beleidigt. Das Gericht schloß sich diesen Ausfiitn rungen an und verkündete das obige Urteil. Steuerrecht für die hessischen Gemeinden bewilligt Darmstadt, 1. April. (JTA.) In der letzten Sitzung des Hessischen Landtags vor der Ostervertagung gelangte der Entwurf eines zweiten Abänderungsgesetzes zum Besteuerungsrecht der Religionskörperschaften zur Beratung. Der Entwurf, durch den die jüdischen Gemeinden Hessens das Besteuerungsrecht erhalten, wurde einstimmig genehmigt. Ein neues badisches Altersheim Mannheim, 2. April. (JTA.) Die Jüdische Gemeinde Mannheim und die Juden Badens haben am 1. April das jüdische Altersheim in der Golli.ini-Straße seinem Bestimmungszweck übergeben. Das für 50 Insassen berechnete Haus wurde zunächst von 16 bezogen, die schon den ersten Sederabend in den schönen Räumen des Hauses verleben konnten. Besonderer Wert wurde vom Architekten, Regierungsbaumeister Fritz Nathan, dem Erbauer des neuen jüdischen Friedhofs in Frankfurt a. M„ bei der Gestaltung der Räume auf das Eindringen von Licht, Luft und Sonne gelegt. Die Wahlen in die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde Danzig Danzig 1. April. (JTA.) Das Resultat der am letzten Sonntag durchgeführten Wahlen in die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde Danzig liegt nun vor. Die liberal-agudistische Liste hat eine Mehrheit von 64 Stimmen und errang 4 von den 7 Mandaten. Gewählt wurden auf dieser Liste 4 Liberale; der Agudist hatte an 5. Stelle kandidiert und wurde nicht gewählt. Auf der national-jüdischen Liste wurden 3 Mitglieder in die Verwaltung gewählt. Gegenüber den früheren Wahlen haben die nationalen Juden ihre Stimmen um etwa 50 Prozent erhöht. Konflikte im Zusammenhang mit dem neuen Gemeindegesetz in Polen Warschau,” 30. März. (JTA.) Die Warschauer Agudah-Organisation wandte sich an die Gemeindewahlkommission mit dem schriftlichen Er-