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Das jüdische Echo · 1931-04-10 · 15 (10.4.1931) · p. Seite 221

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
15 (10.4.1931)
Date
1931-04-10
Page
Seite 221 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 221 Drittel der Bevölkerung, ln einer Föderation mit Syrien und Mesopotamien — nur zirka 3 Prozent, wenn Ägypten dazukommt —- 1,5 Prozent usw. 3. Die Araber wollen sich der europäischen Herrschaft entledigen. Das bedeutet, daß England nicht nur Palästina, sondern auch Ägypten, den Sudan und Mesopotamien vollständig räumen, daß Frankreich Syrien, Tunis, Algier und Marokko verlassen, daß Italien Tripolitanien und Kirinaika aufgeben soll. Diese Forderung sprechen die Araber überall (auch in Palästina) ganz offen aus. Ich will diese Forderung hier nicht ihrem Wesen nach beurteilen. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß nach der Ansicht der überwältigenden Mehrheit der Franzosen, Italiener und Engländer, die Liquidation ihrer kolonialen Positionen am Mittelmeer und im nahen Osten für sie eine nationale Katastrophe bedeuten würde. Hier ist noch zu bemerken, daß die dritte Parole mit der zweiten untrennbar verknüpft ist, d. h. die Föderation ist ohne die Ausschaltung Europas undenkbar. Wenn wir den Frieden mit den Arabern jetzt abschließen wollen, müssen wir bereit sein, ihnen in diesen Dingen Zugeständnisse zu machen. Es gibt zwar unter uns Schwärmer, welche glauben, daß man die Araber Palästinas durch Gewährung wirtschaftlicher Vorteile „nachgiebig“ machen könne. Aber ganz abgesehen von der Frage, wo wir wirtschaftliche Vorteile für die Araber hernehmen sollen; diese Schwärmerei entspringt einer bodenlosen Respektlosigkeit gegenüber der arabischen Seele, welche unschön und unberechtigt ist. Einzelne Araber kann man wohl „kaufen“, aber ein ganzes Volk überreden, es möge seine nationalen Ziele für „wirtschaftliche Vorteile“ preisgeben, das kann niemand. Um eine Änderung der Haltung der Araber zu unsern Gunsten zu erreichen, müßten wir ihnen unsere Mitarbeit auf dem Gebiet ihrer eigenen nationalen Bestrebungen antragen, d, h. auf dem Gebiet der oben dargelegten drei Parolen. Sonst ist jede Unterredung nutzlos. Es ist daher interessant, zu hören, welche der drei Parolen unsere geschworenen Friedensstifter zu unterstützen bereit sind. Die erste? Sich damit einverstanden erklären, daß die Bestimmung des Ausmaßes der jüdischen Kolonisation vom Willen unserer arabischen Nachbarn abhängen soll? Oder, sagen wir es gerade heraus, ihnen zu sagen, daß unsere Einwanderung nie eine gewisse Grenze übersteigen werde, daß die Araber in Palästina immer in der Majorität, wir aber in der Minderheit bleiben werden? Oder die zweite? Sich nicht nur mit einer Föderation der arabischen Länder einverstanden erklären (das ist ihre Sache und nicht unsere), sondern mit der Einbeziehung Palästinas in diese Föderation, d. h. mit der Verwandlung unseres „Nationalheimes“ in eines der kleinsten Ghetti der Welt? Oder die dritte? Wir sollen England, Frankreich und Italien den Krieg erklären, die zionistische Bewegung in einen Bund von Propagandisten gegen die kolonialen Positionen dieser Mächte verwandeln, in England, Frankreich. Italien zu Feinden des Staates werden — zu Kampfgenossen der dritten Internationale? Es genügt, diese folgerichtigen Fragen zu stellen, um zu erkennen, daß von einer Verständigung in diesem Zeitpunkte keine Rede sein kann. Das ist traurig; aber es ist eine objektive Tatsache. Und gerade weil die Unmöglichkeit einer Verständigung mit den Arabern Palästinas im jetzigen Zeitpunkte eine objektive Tatsache ist, gerade darum ist sie bisher nicht zustande gekommen. Sieben Jahre und länger wird die zionistische Bewegung ausschließlich von den heißesten Anhängern der jüdisch-arabischen Annäherung geführt. Die Exekutive in London und die Exekutive in Jerusalem, die zionistische Beamtenschaft und die Leitung der „Universität“, die Führerschaft der „Linken“, das sind fast durchweg Leute, die von der „Annäherung“ träumen und sie ersehnen. Es gibt dann noch eine besondere Partei, Brith= Schalom. Die überwiegende Mehrheit dieser Leute lebt in Palästina, Seite an Seite mit den Arabern. Trotz alledem konnten sie sich bisher nicht einmal dazu entschließen,, die Verhandlungen zu beginnen, sich mit den Arabern an den „runden Tisch“ zu setzen. Den einzigen Versuch machten die Führer des Brith-Schalom. Ihnen aber antworteten die Araber in ihrer Zeitung „Falastin“, daß auch der „Zionismus“ der Herren Magues und Lurie unannehmbar sei. Die andern jüdischen Friedensstifter haben sich bisher nicht einmal an einen schüchternen Versuch herangetraut. Warum? — Weil sie doch noch einiges Realitätsgefühl besitzen und einsehen mußten, daß der „runde Tisch“ nichts ergeben wird, bestenfalls eine runde Null. Es besteht die Gefahr, daß das Gerede über den runden Tisch, das jeder Realität entbehrt, schwer zu schänden wird. Die gefährlichste Stelle im Brief des Mr. MacDonald ist die, wo er erklärt, daß „die volle Lösung des Problems ohne jüdischarabische Verständigung unmöglich ist“. Das bedeutet: Wenn die Araber dem Zionismus nicht ihre Zustimmung erteilen, ist England seiner Verpflichtungen frei. Gegen eine solche Interpretation der Mandatspflicht, gegen die Anerkennung eines arabischen Vetorechtes gegen alle Verpflichtungen, die England dem jüdischen Volk gegenüber übernommen hat, muß mit allen Mitteln gekämpft werden. Sonst wird unsere Sache wirklich hoffnungslos. Wir müssen ein für allemal der Mandatarmacht klarmachen, daß im Mandat von den „bürgerlichen und religiösen Rechten“ der Araber, nicht aber von ihrer „Zustimmung“ zum Zionismus die Rede ist, und daß die Verpflichtungen Englands unabhängig von den lokalen Stimmungen bestehen bleiben. Statt dessen (dazu noch in einem Augenblicke, wo es wie eine direkte Antwort auf Mr. Mac Donalds Brief klingt!) sagen wir: „Sie haben recht, Sir, zu Befehl!“ — Und bringen selbst die Frage der Verständigung aufs Tapet, d. h. wir sanktionieren wieder im Namen des Zionismus eine Interpretation des Mandats, die für den Zionismus totbringend ist. Es wird Friede sein in Palästina, aber erst dann, wenn die Juden die Mehrheit bilden, oder wenn die Araber sich von der Unvermeidlichkeit dieses Ausganges überzeugt haben werden, gerade dann, wenn sie erkennen werden, daß „die Lösung des Problems“ nicht von ihrer Zustimmung abhängig ist. Dann werden sie die Initiative zu Verhandlungen ergreifen. Ich zweifle nicht, daß sie dann bei den Zionisten auf volle Bereitwilligkeit stoßen werden, ihnen alle Rechte zu garantieren, außerdem einen Rechte, die jüdische Einwande-

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