Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 13/14 (31.3.1931)
- Date
- 1931-03-31
- Page
- Seite 211 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13/14 Das Jüdische Echo 211 Geschichte, und damit ist ihre Musik im selben Sinne jüdisch oder unjüdisch wie die lustigen S’miroth der deutschen und die seufzenden Weisen der russischen Juden, von denen auch niemand mit Sicherheit sagen kann, was an den einen deutsch und den andern russisch ist und was jüdisch. Frau Jacob gab alsdann mit beträchtlichem Können noch einige Proben von Klavierstücken jüdischer moderner Musiker. Bei dem einen davon sagte sie: „Jüdisch daran ist die Behandlung der Melodie.“ Wie sagt Karl Valentin? „Leicht! Die Frage nach dem Wesen der jüdischen Musik wird zumeist mit dem Wunsche gestellt, man möge ein einheitliches Merkmal für die jüdische Musik finden, d. h. man solle die wichtige Vorfrage: Gibt es eine jüdische Musik? mit Ja beantworten. Der Wunsch ist verständlich, aber er reicht nicht hin, eine wissenschaftlich nicht eindeutige Antwort zu rechtfertigen. Bei uns in Deutschland pflegt man gern als jüdisch das zu bezeichnen, was 1. eine sachliche Beziehung zu jüdischen Dingen (hebräischen Text) hat und 2. uns fremdartig anmutet. Was daran russisch, arabisch, spanisch u. drgl. ist, das können nur gründliche Kenner beurteilen; deren Arbeit kann dann vielleicht zur Auffindung gemeinsamer sehr alter, vielleicht ur- Personalia Ludwig Rosenzweig Allseitige Beliebtheit ist oft das Zeichen einer mehr verbindlichen als ausgeprägten Persönlichkeit. Wenn Herrn Kommerzienrat Ludwig Rosenzweig (Nürnberg) am 25. März 1931 zu seinem 70. Geburtstag, alle Gruppen der Nürnberger jüdischen Gemeinde — man kann sogar wohl sagen des bayerischen Judentums — ihre aufrichtige Sympathie und Verehrung ausgedrückt haben, so ist er sicherlich trotzdem nicht dem Verdacht ausgesetzt, dies einem zwar liebenswürdigen, aber farblosen Charakter zu verdanken. Im Gegenteil sind Festigkeit und Zielklarheit eine der Eigenschaften, die ihn besonders auszeichnen. Jeder, der mit ihm länger zusammenarbeitet, wird merken, daß es nicht leicht ist, den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Nürnberg von einer Meinung abzubringen, die er sich nach reiflicher Überlegung gebildet hat. Das bedeutet nicht, daß er, einem bekannten deutschen Parteiführer folgend, die Meinung vertritt „stur“ sein zu müssen — man kann ihn nicht leicht überreden, wohl aber überzeugen. Daß Herr Rosenzweig sich durch gute Gründe und durch die historische Entwicklung belehren läßt, beweist am besten seine Stellung zum Keren-Hajessod, den er — obwohl aus der alten jüdisch-liberalen Schule hervorgegangen — von Anfang an wirksam gefördert hat, besonders auch dadurch, daß er sich erfolgreich für die Bewilligung eines Betrages für den Keren-Hajessod durch die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg einsetzte. Als Vorsitzender dieser Gemeinde wie auch als Finanzreferent im Verband Bayerischer Israelitischen Gemeinden, dessen Rat er angehört, hat er stets eine vorbildliche Objektivität bewiesen, die wesentlich zu der guten Zusammenarbeit in der Verwaltung der Nürnberger jüdischen Gemeinde beigetragen hat. In der Gemeindeverwaltung sind es besonders die Finanzen, die von ihm mit größter Sparsamkeit betreut werden. Nun ist bei einer jüdischen Gemeinde, für welche die Ausgaben nicht annähernd jüdischer Bestandteile führen. Ein Gang durch die jüdische Musik ist aber auch, abgesehen von dieser peinlichen Fachmannsarbeit, lobenswert, denn er zeigt eine Mannigfaltigkeit, die an sicn fesselnd sein kann und aus der der eine oder andere etwas Gemeinsames herauszuhören vermag. Das Verdienst von Frau Jacob war, uns diesen Gang dargeboten zu haben; allerdings hätten wir uns reichere, treffendere und weniger bearbeitete Beispiele gewünscht. Die verbindenden Worte sollen, wenn sie nicht auf exakte Forschungsergebnisse aufbauen können, bei einem solchen Gang rein beschreibend sein und den Anschein vermeiden, daß sie ein Lösungsversuch der so überaus schwierigen Frage der jüdischen Musik sein wollen; gerade weil diese Frage gewisse kulturpolitische Konsequenzen hat, muß man sich davor hüten, sie mit leichter Hand lösen zu wollen. Es ist besser, verzichtend zu finden, wir können das Wesen der vermuteten jüdischen Musik nicht oder noch nicht angeben, als eine Lösung zu geben, die bei analytischer Betrachtung zeigt, daß der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Dies gilt sowohl für einen wissenschaftlichen Vortrag wie für einen „populären“. Das Publikum muß auch in geistigen Dingen verzichten lernen, um so mehr, als es ihm hier leichter fällt, als in anderen. Heinrich L a m m. in dem Maße etwa wie in einer Stadtgemeinde zwangsläufig bestimmt sind, Sparsamkeit allein kein Verdienst, da sie einfach eine Folge geringer positiver Leistungen sein kann. Wirklich verdienstvoll ist eine sparsame Finanzwirtschaft nur dann, wenn trotzdem alle einer jüdischen Gemeinde obliegenden Aufgaben erfüllt werden. Man muß Herrn Rosenzweig Dank dafür wissen, daß er niemals geneigt war, unter einer fiskalischen Einstellung die soziale und kulturelle Betätigung der jüdischen Gemeinde in Nürnberg leiden zu lassen. In den zehn Jahren, in denen er der Vorstandschaft der jüdischen Gemeinde angehört — seit 1926 als deren 1. Vorsitzender und vorher als Stellvertreter des verstorbenen Geheimrats Dr. Sigmund Held —, ist auf diesen Gebieten Wichtiges geschehen und früher Versäumtes nachgeholt worden. Die Fähigkeiten des Herrn Rosenzweig haben auch außerhalb des jüdischen Bereichs dadurch Anerkennung gefunden, daß er zum 1. Vorsitzenden seines Berufsverbandes gewählt wurde. Der Reichsverband Deutscher Juden, wenn er erst einmal gegründet ist, wird sich gewiß nicht die Gelegenheit entgehen lassen, diese hervorragende Arbeitskraft in seinen Dienst zu stellen. Daß Herr Kommerzienrat Rosenzweig, dem man seine siebzig Jahre kaum glauben möchte, noch lange zu seiner Arbeit imstande sein wird, darf man bei seiner außergewöhnlichen körperlichen und geistigen Frische erwarten. Wir wünschen dem verehrten Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Nürnberg von Herzen Glück und weiteren Erfolg. Dr. M. N u ß b a u m. * Zionistisch© Ortsgruppe Nürnberg Wir haben innerhalb kurzer Zeit besonders tragische Todesfälle zu beklagen. Frau Rosl L ö b, die Gattin unseres bewährten Freundes Dr. Albert Löb, und Dr. Agulnik, sind beide in jugendlichem Alter allzu früh aus unserer Mitte gerissen worden. Frau Dr. Löb hat in bescheidener Weise niemals nach außen hervorzutreten gesucht, war aber stets zur Hilfe in unserer Arbeit be-