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Das jüdische Echo · 1931-03-31 · 13/14 (31.3.1931) · p. Seite 207

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
13/14 (31.3.1931)
Date
1931-03-31
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 13/14 Das Jüdische Echo 207 Die jüdische Arbeitereinwanderung nach Palästina — Ausgabe von Zertifikaten Jerusalem, 17. März. (JTA.) Auf Grund einer eingehenden Beratung mit Vertretern der Allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas hat die Exekutive der Jewish Agency beschlossen, von den ihr noch zur Verfügung stehenden und bis Ende März gültigen 286 Arbeitereinwanderungszertifikaten sofort 156 an 40 Familien von Chaluzim auszugeben. Shaw in Palästina Jerusalem, 18. März. (JTA.) George Bernard Shaw, der sich gegenwärtig in Palästina aufhält, hat das in Migdal am Ufer des Tiberias-See gelegene Melchett-Gut besucht, wo er von der Tochter des verstorbenen Lord Melchett, Lady Erleigh, bewirtet wurde. Neue jüdische Zeitungen in Palästina Jerusalem, 18. März. (JTA.) Die palästinensischen Revisionisten, die durch die Wiederübernahme des „Doar Hayom“ durch seinen früheren Herausgeber, Ben Awi, ihr Zentralorgan verloren haben, haben vom Distriktskommissar von Jerusalem die Bewilligung erhalten, eine neue Zeitung unter dem Titel „Haam“ herauszugeben. — Der Jerusalemer Advokat Ben Aron hat beim Distriktskommissar um die Bewilligung zur Herausgabe einer neuen hebräischen Wochenschrift unter dem Titel „Zion“ angesucht. 1 Feuilleton Drei Pessach-Legenden Aus dem Abschnitte über das Pessach-Fest im Babylonischen Talmud. Gewählt und berichtet von Fritz Rosenthal. Die Frösche. Im Buche Daniel wird von den drei kühnen Männern: Sadrach, Mesach, Abed- Nego erzählt, die um der Weihe des Namens willen, sich in den glühenden Ofen Nebukadnezars werfen ließen. — Rabbi Jose pflegte im Namen Theodos aus Rom folgendes an dieser Stelle zu erläutern: Der Mensch ist verpflichtet, um der Weihe des Namens willen sein Leben hinzugeben; nicht aber das Tier. Und dennoch berichtet uns die Schrift, daß auch diese ihr Leben zum Ruhme des Allseienden gaben. Denn es steht geschrieben, daß ER den Fröschen gebot, sie sollten heraufkommen „nach Mizrajimland in deine Backöfen und in deine Teigmulden“ (die in der Glut der Öfen sind). Die Frösche taten also und Pharao und seine Knechte und ganz Mizrajim erkannte durch sie die Macht des Herrn und die Mosche’s, seines Gesandten. Dieser Stelle im Buche der Weisungen aber waren Sadrach, Mesach und Abed-Nego eingedenk und sie zogen den Schluß vom Leichten auf das Schwere, von den Fröschen auf sich, und gingen getrost in die Flammen. Der Heilige, er sei gelobt, aber sandte ihnen seinen Engel und zeigte dem König von Babel seine Macht, wie er sie Pharao zeigte, der König war zu Mizrajim. * Die Volkszählung. Der König Agrippa wollte die ganze Menge Israels zählen, aber die Schrift verbietet es, die Menschen abzuzählen, denn darüber waltet der böse Blick. Also gebot Agrippa dem Hohepriester, daß er von jedem Pessachlamm, das zu Jerusalem geopfert würde, die Niere nähme, und siehe: es waren sechzig Myriaden Nierenpaare, das ist das Zwiefache von der Zahl derer, die aus Mizrajimland zogen. Die Unreinen aber, oder die, die sich außerhalb des Landes Israel befanden, waren nicht eingerechnet. Da erkannte der König, daß der Segen des Herrn auf dem Volke lag, solange es IHM das Pessachopfer schlachtete, und man nannte das Fest in diesem Jahre „Das Pessachfest der dichtgedrängten Menge“. + Die Prophetenkinder. Einst wußten die Priester, die den Dienst im Heiligtumc verrichteten, nicht recht Bescheid über die Satzungen des Pessachopfers. So gingen sie zu Hillel dem Babylonier, ihm ihre Fragen vorzulegen, und er, der bei den Weisesten seiner Zeit, bei Schemaja und Ptollin Torah gelernt hatte, deutete ihnen alle. Zuletzt aber fragte einer der Priester den Rabbi: „Sage uns doch, Meister, was ist zu tun, wenn man am Vorabend des Sabbats vergessen hat, das Opfermesser für das Pessachlamm mit in den Vorhof des Tempels zu nehmen?“ Da überkam den Rabbi ein großer Schreck, denn er hatte von seinen Lehrern die Entscheidung in dieser Sache gehört, aber er hatte sie wieder vergessen. Schließlich entgegnete er: „Mir ist die Entscheidung entfallen, aber lasset doch das Volk nach seiner eigenen Erkenntnis handeln, denn sind sie auch nicht selbst Erfüllte vom Geiste des Herrn, so sind sie doch Kinder und Enkeln von Kündern und Gotterfiillten.“ Als nun der Vorabend des Sabbats gekommen war, sah Hillel der Babylonier, wie ein jeder der Männer sein Opfermesser in die Wolle seines Lammes steckte, und wer ein Zicklein darbrachte, steckte es zwischen die Hörner. Da erkannte der Rabbi, daß dies der rechte Brauch war, den ihn seine Lehrer gewiesen hatten, und er dankte dem Herrn der Welt, der seinen Geist nicht von seinem Volke nahm. Die Patriarchin von Eisenstadt Von Otto Abeies Wir entnehmen diese besinnliche Geschichte dem soeben im Verlag Dr. Max Präger (Wien) erschienenen Bändchen: „Zehn Jüdinnen“, in dem die Porträts zehn jüdischer Frauen auf Grund von Chroniken, Briefen und Memoiren, historischer und mündlicher Überlieferung gezeichnet sind, mit warmem Humor und einem wachen Gefühl für die Echtheit jüdischen Lebens. * Habt ihr schon ein heiteres Ghetto gesehen? In Eisenstadt gibt es dieses Wunder. Man müßte hinpilgern. Eine Gasse, den Berghang emporklimmend. Heiter, wie das Schloß des Fürsten Esterhazy, das sie Jahrhunderte schützte, sind die bescheidenen

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