Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 13/14 (31.3.1931)
- Date
- 1931-03-31
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13/14 203 Das Jüdische Echo Ämter. Dementsprechend müssen diese Fragen mit den zuständigen Beamten des Kolonialamts unter Heranziehung von Sachverständigen (z. B. wird Sir John Hope Simpson als solcher genannt) verhandelt werden, wobei der Wunsch besteht, daß auch arabische Vertreter an den Beratungen teilnehmen. Es ist ohne weiteres klar, daß diese Besprechungen, die sich vielleicht monatelang hinziehen werden, einen ganz anderen Charakter haben, als die Verhandlungen mit der Regierung, und daß daher mit Recht gesagt werden kann, daß diese abgeschlossen sind, ohne daß damit jedoch die künftigen Beratungen präjudiziert würden. Aus der jüdischen Welt Katastrophaler Geburtenrückgang unter den Juden Berlins Berlin, 19. Mäjrz. (JTA.) Im Halbjahr Juli bis Dezember 1930 sind in der Jüdischen Gemeinde Berlin bei 1176 Sterbefällen 582 Geburten zu verzeichnen. Demnach sind also in diesem Halbjahr 594 Personen weniger geboren als gestorben. Rechnet man die in Mischehen geborenen jüdischen Kinder dazu, was man ohne weiteres gewiß nicht kann, dann stehen 1176 Todesfällen 722 Geburten gegenüber, so daß selbst bei dieser Rechnung ein Minus von 454 übrig bleibt. Sind Synagogen nicht mit den christlichen Religionsgesellschaften gleichberechtigt? Das Oberverwaltungsgericht entscheidet, daß der Rabbiner nicht Geistlicher ist Frankfurt a. M... 18. März. (JTA.) Eine Synagogengemeinde, Eigentümerin eines Hauses, in dem sich u. a. die Wohnung des Rabbiners der Synagogengemeinde befindet, begehrte auf Grund des § 3 Abs. 1 des Hauszinssteuergesetzes Freistellung dieser Wohnung von der Hauszinssteuer. Der Antrag wurde im letzten Rechtszuge durch eine erst jetzt veröffentlichte (J.W. 1931, S. 679) Entscheidung des Preußischen Oberverwaltungsgerichtes abgewiesen. Nach dem genannten Paragraphen sind von der Hauszinssteuer befreit die Dienstwohnungen der Geistlichen und Kirchendiener. Ein Rabbiner sei aber im Sinne dieser Bestimmung nicht Geistlicher, da nach Preußischem Landesrecht unter den Geistlichen und Kirchendienern nur die der evangelischen Landeskirchen, der römisch-katholischen und der alt-katholischen Kirche zu verstehen seien. Der Art. 137 der Reichsverfassung, der von den Religionsgemeinschaften im allgemeinen spreche, schaffe kein dem Landesrecht vorgehendes materielles Recht. Es fehle an einem besonderen Preußischen Landesgesetz. Der Staatsrechtslehrer der Universität Frankfurt, Prof. Dr. F. Giese, führte dagegen aus, daß der Rechtsstandpunkt des Oberverwaltungsgerichts dem Rechtsgefühl widerspreche und daß er mit dem in Art. 135 ff. der Reichsverfassung zugrunde gelegten Prinzip der staatsseitigen Gleichbehandlung aller Religionsgesllschaften unvereinbar sei. Der Ausschluß der Staatskirche in Art. 137 I gestatte keine Bevorzugung einzelner Religionsgesellschaften.;Da das Oberverwaltungsgericht für Einsprüche gegen die Hauszinssteuer den letzten Rechtszug bildet, kann also jetzt nur noch durch Gesetz Abhilfe geschaffen werden. Die katholische Kirche gegen das Hakenkreuz Berlin, 22. März. (JTA.) Dem Beispiel der rheinischen und schlesischen Bischöfe folgen nunmehr auch der Erzbischof von Paderborn und die Bischöfe von Fulda und Hildesheim mit Erklärungen, wonach das Programm der nationalsozialistischen Partei im offenen Gegensatz zur katholischen Religion stehe. In der Erklärung heißt es ferner: Der Satz des nationalsozialistischen Programms „Freiheit aller religiösen Bekenntnisse, soweit sie nicht gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoße“, sei direkt gegen die christlichen Grundsätze gerichtet, denn er mache das Gefühl einer Rasse zum Richter über religiöse Wahrheiten. — Dieser Erklärung schließt sich auch, wie „Germaina“ mitteilt, das Bischöfliche Ordinariat in Berlin im Einvernehmen mit dem Bischof von Berlin, Dr. Christian Schreiber, an. Dr. Schreiber stellt sich voll und ganz auf den Standpunkt der Erlasse von Breslau, Köln und Paderborn und der der bayerischen Bischöfe. Professor Samuel Landauer 85 Jahre Augsburg, 17. März. (JTA.) Professor Dr. Samuel Landauer in Augsburg vollendete vor kurzem das 85. Lebensjahr. Der Gelehrte zählt zu den ersten Autoritäten auf dem Gebiete der orientalischen Sprachen, namentlich des Arabischen, Persischen und Aramäischen. Geboren in Hürben bei Krumbach (Schwaben), besuchte er die Universitäten München, Leipzig und Straßburg. In München promovierte er .1872 auf Grund seiner arabischen Dissertation: „Über die Psychologie des Ibn Sinä.“ 1875 wurde der junge Gelehrte Privatdozent für orientalische Sprachen in Straßburg, 1884 Bibliothekar der Universitäts- und Landesbibliothek dortselbst, 1894 Honorarprofessor und 1905 Oberbibliothekar in Straßburg. Seit Ende 1918, wo er als Deutscher über Nacht Straßburg verlassen mußte, hat er sein Domizil in Augsburg. Der Gelehrte war Gegenstand mannigfacher Ehrungen, sowohl lokaler Art als auch ganz besonders seitens seiner vielen heute in höchsten Ämtern und Würden stehenden Schülern und sonstigen Verehrer des In- und Auslandes. Rabbiner Dr. Treitel gestorbeii Berlin, 20. März. (JTA.) Im Alter von 86 Jahren verstarb Anfang März in Laupheim (Württemberg) Rabbiner Dr. Leopold Treitel. Neben seinen talmudischen Studien widmete er sich besonders der Philosophie, sein Hauptinteresse galt der jüdisch-hellenistischen Philosophie. Sein Buch „Gesamte Theologie und Philosophie Philos von Alexandria“ fand die Anerkennung der Fachwelt. Jubiläen jüdischer Persönlichkeiten Österreichs Wien, 19. März. (JTA.) Der international bekannte Kunsthistoriker der Wiener Universität, Prof. Dr. Max Eisler, feiert dieser Tage seinen 50. Geburtstag. Prof. Eisler hat auch der jüdischen Kunst langjährige Studien gewidmet und gehört zu den eifrigsten Förderern junger jüdischer Künstler in Wien. Gesinnungsgemäß steht er im konservativen Judentum und hat vor Jahren das soziale Erziehungswerk der Agudah gefördert. Durch seine Arbeiten über die holländische Malerei, insbesondere über Rembrandt und Joseph Israels, hat er sich eine hervorragende Stellung in der internationalen Kunstforschungsliteratur gesichert. Dieser Tage haben auch zwei Wiener zionistische Führer ihre Jubiläen gefeiert. Dr. Karl Pollak, der wiederholt Präsident des Zionistischen Landeskomitees für Österreich war, wurde 60 Jahre alt. Aus diesem Anlaß veranstalteten die