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Das jüdische Echo · 1931-03-31 · 13/14 (31.3.1931) · p. Seite 202

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
13/14 (31.3.1931)
Date
1931-03-31
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 Das Jüdische Echo Nr. 13/14 Leben vergiftet, das Leben der Juden und die Ehre des Judentums in unerträglicher Weise bedroht, bereits vielfach Menschenleben vernichtet hat, und nicht einmal vor den Grabmälern auf jüdischen Friedhöfen Halt macht, erweckt in weiten Kreisen des deutschen Volkes den Eindruck, daß der Jude recht- und schutzlos und kein Vollbürger sei. Es handelt sich nicht mehr um politische, mit geistigen Waffen ausgefochtene Kämpfe, sondern um eine von Tag zu Tag zunehmende Verwilderung der politischen Sitten in Deutschland, die in allen Ländern der Welt aufmerksam beobachtet wird und das Ansehen Deutschlands sichtlich schädigt. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden glaubt, auf die Zustimmung weiter Kreise des deutschen Volkes rechnen zu können, wenn er zum Kampf gegen diese Barbarei aufruft. Er macht die Reichs- und Staatsbehörden auf diese wachsende Gefahr aufmerksam und fordert sie auf, wirksame Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Bevölkerung zu ergreifen. Der Landesverband erwartet von allen Juden eine stolze und aufrechte Verteidigung ihrer Ehre und ihrer Rechte.“ Gegen die Stimmen der volksparteilichen Fraktion wurde dann noch die folgende von der liberalen Fraktion eingebrachte Resolution angenommen, nachdem sich Kurt Blumenfeld gegen und Justizrat Bronitz für dieselbe eingesetzt hatten: „Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden dankt den zur Bekämpfung des Antisemitismus berufenen Organisationen für ihre tatkräftige Arbeit und fordert sie und alle Freunde des Vaterlandes auf, alle moralischen und materiellen Kräfte aufzubieten, um den verbrecherischen Anschlägen auf Ehre, Freiheit, Leben und Bürgerrechte zu begegnen.“ Schlußbestimmungen, Schlußreden. Der Verbandstag nahm einstimmig die folgenden von der liberalen Fraktion eingebrachten Anträge an: Der Verbandstag bittet dafür Sorge zu tragen, daß der Einbürgerung von Personen, die mit der deutschen Kultur durch Jahrzehnte langes Einleben verwurzelt sind, nicht etwa aus Gründen der Judenfeindlichkeit Schwierigkeiten gemacht werden. Der Landesverband möge beim Auswärtigen Amt dahin vorstellig werden, daß das Deutsche Reich im Völkerbund auf eine internationale Regelung des Rechtes der Staatenlosen im Sinne der Beseitigung der teilweisen furchtbaren Rechtlosigkeit der Staatenlosen nachdrücklich vorstellig wird. Es folgten die Wahlen in die liberalen und die konservativen Kultusausschüsse und Unterrichtsausschüsse, wobei einige misrachistische Mitglieder der Volkspartei in den konservativen und zwei zionistische Mitglieder in den liberalen Unterrichtsausschuß mitgewählt wurden. Die von den Liberalen unterbreitete Vorlage betreffend Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Juden wurde nebst den Ergänzungs- bzw. Abänderungsanträgen der Volkspartei und der Konservativen als Material dem zu bildenden Sonderausschuß zur Fertigstellung des Entwurfes überwiesen. Diesem Ausschuß sollen vier Liberale, zwei Volksparteiler und ein Konservativer angehören. Dr. Ismar Freund referierte über die Punkte Normalstatut und Beamtenordnung. Die betreffenden von Dr. Breslauer unterstützten Anträge vaoden angenommen. Nach verschiedenen Schlußworten wurde der Verbandstag geschlossen. Weizmann in Palästina Jerusalem, 23. März. (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Dr. Cliaim Weizmann, ist am 15. März morgens in Jerusalem eingetroffen. Am Dienstag, 17. März besuchte er sechs Kolonien im Emek Jezreel. Nach Nahallal, wo Weizmann mit seiner Reisegesellschaft zuerst eintraf, hatten alle jüdischen Niederlassungen im Emek Delegationen entsandt. Die Vertreter der Arbeiterschaft brachten dem zionistischen Führer lebhafte Ovationen dar und erklärten einhellig, es sei undenkbar, daß er sich von der Bewegung zurückziehen sollte. Sichtlich gerührt erwiderte Weizmann, er habe den stärksten Ansporn, die Arbeit fortzusetzen, von dem tiefen Eindruck empfangen, den ihm die Aufbauarbeit im Emek Jezreel und das große Werk Baron Rothschilds vermittelt haben. Zu gewissen Zeiten habe er sich verlassen gefühlt, insbesondere während der brutalen Angriffe im Jahre 1929 und nach der Veröffentlichung des Paßfieldschen Weißbuches. In diesen Zeiten habe er aus dem Werk des Emek, wo die politische Diskussion hinter die tatsächliche Aufbauarbeit zurücktritt, neuen Mut und neue Kraft geschöpft. Politische Spekulation sei töricht und schlecht gewählte Worte hätten viel Unheil angerichtet. Der Emek aber sei ein Symbol für ausdauerndes Bestreben, Geduld und Zuversicht. Weizmann bestieg sodann einen vor kurzem vom Keren Kajemeth erworbenen Hügel, von dessen Gipfel sich ein weiter Ausblick auf zahlreiche jüdische Siedlungen im Emek eröffnet. Ein von den Vertretern des Keren Hajessod unterbreiteter Plan, die im Jahre 1927 gegründeten und aus je 20 Familien bestehenden Kwuzoth Sarona und Hasaron zu reorganisieren, auszubauen und zu einer neuen Kolonie zu vereinigen, die zu Ehren des großen Förderers des Zionismus David Lloyd Georges, Ramat David genannt werden soll, fand Weizmanns Billigung. Nach Balfouria wird Ramat David die zweite Siedlung in Palästina sein, die nach einem englischen Staatsmann benannt ist. Dr. Weizmann und seine Reisegesellschaft, die von einer Eskorte britischer Polizei begleitet werden, haben am Mittwoch, dem 18. März, das Jordantal besucht und trafen am Donnerstag, dem 19. März, wieder in Jerusalem ein. Über die innerzionistische Situation Jerusalem, 23. März. (JTA.) Anläßlich der Begrüßung des Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, durch die Beamten des Hauptbüros der Jewish Agency in Jerusalem führten mehrere Redner Klage darüber, daß die vergiftete Atmosphäre schwerer zu ertragen sei, als die durch die Nichtauszahlung der Gehälter verursachten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In seiner Antwort auf die Begrüßungsansprachen erklärte Dr. Weizmann, das Wort „Verrat“ sei in letzter Zeit ein Gemeinplatz in zionistischen Reihen geworden. Selbst alte Zionisten bedienen sich dieses Wortes jedesmal, wenn sie die Politik der Führung mißbilligen. Doch werde die Atmosphäre bald gereinigt werden und die Juden würden wieder freudig ihre Pflichten auf sich nehmen. Er selbst werde dadurch, daß er sich

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