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Das jüdische Echo · 1931-03-31 · 13/14 (31.3.1931) · p. Seite 201

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
13/14 (31.3.1931)
Date
1931-03-31
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13/14 201 Das Jüdische Echo batte nicht so unschön ausklingen zu lassen, um so mehr als es feststeht, daß die beiden letzten Redner einander mißverstanden und von einem Teil des Hauses mißverstanden worden sind. Nachdem auch Dr. S e 1 i g s o h n (liberal) den Antrag auf Wiederaufnahme der Debatte gestellt hatte, wurde dieser Antrag angenommen. Die Volksparteifraktion kehrte in den Saal zurück. Hans Goslar führte aus, Kareski habe nichts gesagt, was das Andenken der Gefallenen auch nur im geringsten angreifen würde. Als Anhänger von Herzls Wort „Aus armen Judenjungen sollen stolze junge Juden werden!“ sei er durch die Verkennung der Bedeutung des Sports erregt gewesen, und seine Äußerung sei darum mißverstanden worden. Er wollte sagen, wir seien erstens gegen die Ideologie, daß man durch die Höhe der Gefallenen-Opfer die Treue erweisen müsse — dies haben wir nicht nötig —, zweitens gegen jene schon in der Schule gezüchtete Ideologie, daß nur derjenige ein Held ist, der auf dem Schlachtfelde sein Leben läßt. Für uns ist jeder ein Held, der irgendwie auf dem Felde der Ehre, z. B. auf dem Felde der Wissenschaft, sein Leben opfert. Auch die Vorkämpfer für die Friedensidee sind Helden. S e 1 i g s o h n (liberal) dankt Goslar für den versöhnlichen Ton. Keiner denkt daran, daß es nötig wäre, durch eine Gefallenenziffer — so hoch sie auch sein möge — die Vaterlandstreue zu beweisen. Aber das R.j.F.-Buch habe auch statistischen und historischen Wert, und wenn es zur Entgiftung des öffentlichen Lebens beiträgt, liegt dies im deutschheimatlichen Interesse. H o r o v i t z (kons.) nannte das Gedenkbuch des R.j.F. eine Art „chesed schel emes“ für die jüdischen Kriegsopfer. Schließlich wurden die 3000 RM. für das R.j.F.- Buch mit übergroßer Mehrheit angenommen, auch die Mehrheit der volksparteilichen Fraktion stimmte für die Ziffer. Nach Erledigung dieses Zwischenfalles setzte das Haus die Lesung des Etats fort. Für gemeinnützige Anstalten und Einrichtungen ist ein Betrag von 26 500 RM. vorgesehen. Davon sind für Jugendpflege 14 000 RM. bestimmt. Von diesem Betrag sollen 11 000 RM. den allgemeinen Zwecken des Reichsausschusses der jüdischen Jugend und 3000 RM. der Jugendpflege in den Kleingemeinden gewidmet werden. Der vom Hauptausschuß ursprünglich vorgesehene Beitrag für die Sportbewegung war vom Rat von 6000 auf 3000 RM. herabgesetzt worden. Ein Antrag der Volkspartei, diese Subvention in der ursprünglich vorgesehenen Höhe zu gewähren, wurde mit 41 gegen 40 Stimmen abgelehnt. Für die Erhaltung von Kunstdenkmälern sind in dem Etat 1000 RM. eingesetzt. Der Beitrag für allgemeine Wohlfahrtspflege wurde vom Haushaltausschuß von 95 000 auf 105 000 RM. erhöht. Für Verwaltung sind 103 000 RM. eingesetzt. Hier wurde der Wunsch geäußert, der Rat möge die Verwaltung ernsthat überprüfen, Überschreitungen dieses Budgetpostens unbedingt vermeiden und womöglich noch Einsparungen erzielen. Für Vorbereitungsarbeiten für den Reichsverband wurden 1000 RM., für Unvorhergesehenes 15 600 RM. veranschlagt. Die Gesamthöhe des Rechmmgsplans für das Jahr 1931/32 beträgt 1 074 000 RM. Es wurde beschlossen, die Subventionen an Organisationen bis Ende Februar 1932 nur bis zur Höhe von 80 Prozent auszuzahlen. Auf der Einnahmenseite des Haushaltplans sind die Staatsbeihilfen mit 330 000 RM., die Beiträge der Mitgliedsgemeinden mit 740 000 RM., unter dem Titel Rückzahlung von Darlehen 3000 RM. und unter Verschiedenes 1000 RM. eingesetzt. Amtsgerichtsrat L i 1 i e n t h a 1 referierte über Wohlfahrtspflege, Victor über Verwaltung und Dr. Ismar Freund über Staatsbeihilfen. Damit war die Etatberatung abgeschlossen und der Gesamtetat wurde einstimmig angenommen. Mehrere in der Wirtschaftdebatte von der Volkspartei und den Liberalen gestellte Anträge wurden dem vom Rat zu wählenden ständigen Ausschuß überwiesen. Gleichzeitig mit der Lesung des Etats wurde die Wahl der nach Art. 21, Äbs. 1, Nr. 3, noch zu wählenden Ratsmitglieder und ihrer Vertreter vorgenommen. Es wurden insgesamt 114 Stimmen abgegeben, von denen auf die Liste der Religiösen Mittelpartei und der Konservativen 14, auf die liberale Liste 64 und auf die Liste der Volkspartei und der überparteilichen Vereinigung 36 Stimmen entfielen. Nach dem Proportionalverfahren wurden der liberalen Liste 3 Mandate, der Liste der Volkspartei 1 Mandat zugesprochen. Es erscheinen somit, da der liberale Listenführer Rabbiner Dr. Hermann Vogelstein, Breslau, in seiner Eigenschaft als Rabbiner in den Rat entsandt wurde, die Liberalen R.-A. Dr. Margarete Behrendt, Berlin, Wilhelm Grätz, Berlin, Dr. Georg Goldstein, Wiesbaden, Louis Wolff, Berlin, und der Listenführer der volksparteilich-überparteilichen Liste, Dr. Ismar Freund, gewählt. Ferner waren nach Art. 21, Abs. 1, Nr. 2, der Verfassung sechs Rabbiner und zwei Lehrer und ihre Vertreter von dem Verbandstag in den Rat gewählt. Da für diese Wahl das Proportionalsystem nicht vorgesehen war, und die interfraktionellen Besprechungen zu keiner Einigung geführt hatten, kam es vor der Vornahme des Wahlaktes zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der verschiedenen Parteien. Namens der Volkspartei forderte R.-A. Kollensclier die Anwendung des Proportionalsystems auch bei dieser Wahl und beanspruchte für die Volkspartei das Recht, zwei Rabbiner und einen Lehrer zu nominieren. Dr. Horovitz (kons.) bedauerte das Scheitern der zwischenparteilichen Verhandlungen und erklärte, die „Kulturträger“ seien bisher nicht als Vertreter der Parteien, sondern als Repräsentanten der Hochschulen und des Rabbinerverbandes in den Rat entsandt worden. Nachdem noch Breslauer (liberal) und Kurt Blumenfeld (Volksp.) gesprochen hatten, wurde mitgeteilt, daß im letzten Augenblick ein gemeinsamer Wahlvorschlag zustandegekommen sei. Auf Grund dieses Vorschlages wurden folgende Herren in den Rat gewählt: Die Rabbiner Horovitz, Frankfurt, Hoffmann, Frankfurt, Emil Levy, Berlin, Baeck, Berlin, Seligmann, Frankfurt, und Vogelstein, Breslau, ferner die Lehrer J. D. Levy und Reinhadt. Als Vertreter im Rat wurden gewählt: Die Rabbiner Hoffmann, Breslau, Blum, Emden, Freund, Hannover, Rosenthal, Köln, Warschauer, Berlin, Seminardirektor Rabin, Breslau, Dr. Weyl, Berlin. Dr. Blumenthal, Berlin, Dr. Wilde, Magdeburg, Lewkowitz, Breslau, und die Lehrer Abraham, Berlin, und Braun, Köln. Beschlüsse Der Verbandstag nahm einstimmig die folgende von Justizrat Brodnitz (liberal), Kurt Blumenfeld (Volksp.) und Dr. Horovitz (Kons.) eingebrachte Resolution an: „Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden erklärt: Die maßlose Hetze gegen Juden und Judentum, die in steigendem Maße die öffentliche

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