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Das jüdische Echo · 1931-03-31 · 13/14 (31.3.1931) · p. Seite 200

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
13/14 (31.3.1931)
Date
1931-03-31
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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200 Bas Jüdische Echo Nr. 13/14 Prof. Julius Hirsch (als Sachverständiger): Stärker als andere Gruppen sind die Juden in die Wirtschaftsschwankungen eingestellt. Es gibt eine allgemeine Wirtschaftskrise, die in diesem Ausmaße noch nie erlebt wurde, die bei der internationalen Marktverflechtung die Aufmerksamkeit der Juden verlangt, eine besondere deutsche, die eine Kapitalkrise ist und in der durch die Stärkung des deutschen Kapitalmarkts, z. B. durch den Rückfluß von Auslandskapitalien, und eine spezielle jüdische Wirtschaftsnot in Deutschland. Hirsch weist darauf hin, daß es andererseits auch neue Chancen innerhalb der Wirtschaft gibt, auf die man das jüdische Element hin weisen muß. Man solle die Bedeutung der Darlehenskassen nicht überschätzen, und die Umschichtung in die Landwirtschaft sei nicht von wesentlicher Bedeutung. Er begrüßt die Anregung einer jüdischen Wirtschaftstagung, an der sich allerdings die hervorragenden jüdischen Wirtschaftsführer beteiligen müßten. Rudel bedauert, daß bis heute keine Forschungsstelle für Wirtschaftsfragen vorhanden ist, bezweifelt aber, ob die von Prof. Hirsch vorgeschlagene Aussprache sinnvoll sein wird, da die Kenner der Wirtschaft von jüdischen Dingen sehr wenig wissen. Im Kampf gegen die Erwerbslosigkeit ist der jüdische Arbeitsnachweis die wirkungsvollste Waffe, er erschließt zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten. Man sollte dies von jüdischer Seite nicht erschweren. In der jüdischen Berufsberatung soll man sich vor Dilettantismus hüten, wie er sich in der Propaganda für handwerkliche, insbesondere landwirtschaftliche Berufe äußert. Berlin, 24. März. (JTA.) Als letzte Redner in der Aussprache über die Wirtschaftnot der deutschen Juden ergriffen der Direktor des Central-Vereins, Dr. Ludwig Holländer (liberal), und der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Kurt Blumenfeld (Volksp.), das Wort. Nachdem Frau Paula Ollendorf einen Antrag auf Fürsorgemaßnahmen für die durch die Erwerbslosigkeit gefährdete weibliche Jugend begründet hatte, referierte Justizrat Franken (liberal) über die Vorlage „Beamtenrecht“. Dr. Victor (Volksp.) beantragte Rückverweisung dieser Vorlage, sowie der Mustersatzung für Klein- und Mittelgemeinden an die Rechtskommission des Rate«. Der Vorsitzende des Haushaltausschusses, Dr. C h a r i g (liberal) berichtete über einzelne vorn Haushaltausschuß beschlossene Abänderungen der Etatvorlage, beantragte den Rechnungsabschluß zu genehmigen und dem Rat Entlastung zu erteilen und teilte mit, der Haushaltausschuß habe beschlossen, daß künftighin eine Prüfung des Rechnungsabschlusses durch den Revisor der Jüdischen Gemeinde Berlin vorgenommen werden soll. Das Haus trat nunmehr in die zweite Lesung des Etats ein. Für Beihilfen an Gemeinden sind 441 000 RM., für Beihilfen an Beamte 122 400 RM. und für Bezirksrabbinate 35 000 RM. vorgesehen. Die für das Rabbinerseminar Berlin ursprünglich vorgesehene Subvention von 27 500 RM. wurde nach den Vorschlägen der Haushaltkommission auf 25 000 RM. herabgesetzt, die ursprünglich für die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums vorgesehene Subvention von 25 000 RM. auf 27 500 RM. erhöht, der für das Jüdisch-theologische Seminar Breslau eingesetzte Beitrag von 30 000 auf 27 500 RM. ermäßigt. Zu diesem Punkte sprachen u. a. Dr, Horovitz, Frankfurt a. M. (kons.), der sich für eine Erhöhung der Subventionen an die Hochschulen einsetzte, R.-A. S e 1 i g s o h n (liberal), der eine gleiche Subvention der drei Hochschulen vorschlug, sich aber gegen eine Erhöhung der vorgesehenen Beträge aussprach, ferner Prof. E 1 b o g e n , Rabbiner Rosenthal, Köln (kons.), und Foerder (Rel. Mittelp.). Für die Ausbildung von Lehrern und Kantoren waren ursprünglich 84 500 RM. eingestellt, von denen 80 000 RM. für die Vorbereitungsanstalten und die Präparandie an den Simultananstalten bestimmt waren. Der Haushaltausschuß hatte eine Ermäßigung dieses Betrages auf 70 000 RM. beantragt. Hiervon sollen 35 000 RM. für liberale und 35 000 RM. für konservative Anstalten verwendet werden. Prof. E 1 b o g e n sprach sich für die Gewährung des Zuschusses in der ursprünglichen Höhe von 80 000 RM. aus. Unter Titel 6, „Wissenschaft des Judentums“, waren 19 500 RM. eingesetzt, unter Punkt 6 dieses Titels der Betrag von 3000 RM. für ein Gedenkbuch des R.j.F. vorgesehen. Die bis auf den Zwischenfall bei der Rede des Sanitätsrats Peyser friedlich und harmonisch verlaufene Tagung wurde bei der Beratung der Ziffer für das R.j.F.-Buch durch eine sehr scharfe Szene unterbrochen, die aber bald durch die Anstrengung der Führer aller Fraktionen beigelegt werden konnte. Die Ziffer „Sportbewegung“ war vom Haushaltausschuß mit 6000 RM. in der vorjährigen Höhe wieder eingestellt worden. Der Rat hat diese Position auf 3000 RM. ermäßigt und den freigewordenen Betrag von 3000 RM. als neue Position „Beihilfe zur Herausgabe des Gedenkbuches des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten“ eingestellt. Direktor Kareski (Volksp.) wandte sich sehr scharf gegen die Halbierung der Ziffer „Sportbewegung“ und meinte, daß hier wiederum ein „Fraktionszwang“*obwaltet hat. Unter dem Widerspruch der Liberalen wandte er sich gegen die Form der Propaganda für das R.j.F.-Gedenkbuch und meinte, es entspräche nicht der jüdischen Würde, durch die 12 000 oder mehr Kriegsopfer die Staatstreue erst beweisen und daraus die Gleichberechtigung ableiten zu wollen. Vor allem wandte er sich gegen die Publikation des R.j.F., daß „12 000 Tote“ bereits gesichert seien. R.-A. Dr. E 1 k e 1 e s , der Mitglied des Vorstandes des R.j.F. ist, führte aus, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten sei vollkommen unparteiisch und zähle Personen aller Richtungen zu seinen Mitgliedern. Die Herausgabe des Gedenkbuches sei beschlossen worden, nachdem reaktionäre und antisemitische Kreise behauptet hätten, es seien höchstens 4400 Juden im Kriege gefallen. Das Gedenkbuch soll — schon heute ist festzustellen, daß die jüdische Gefallenenziffer 12 000 übersteigt — antisemitische Verleumdungen abwehren. Als dann der Redner, sich gegen Kareski wendend, die Bemerkung machte, man möge nicht Deutschtum mit nationalsozialistischer Richtung identifizieren, erhob sich auf den Bänken der Volkspartei schärfster Widerspruch, mehrere Abgeordnete stürmten zur Tribüne und forderten, daß der Redner seine Worte in aller Form zurücknehmen solle. Als dann ein Antrag Dr. Wertheims auf Schluß der Debatte mit den Stimmen der Liberalen angenommen wurde, verließen die Abgeordneten der Volkspartei demonstrativ den Saal. Hans Goslar (Volksp.) und Horovitz (kons.) appellierten an die Mehrheit, diese De-

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