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Das jüdische Echo · 1931-03-31 · 13/14 (31.3.1931) · p. Seite 199

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
13/14 (31.3.1931)
Date
1931-03-31
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13/14 Das Jüdische Echo 199 sprechung ihren Ausdruck gefunden. Wirtschaftlich sei das deutsche Judentum um 60—80 Jahre zurückgeworfen worden. Angesichts dieser Notlage erscheine ein Abbau des Verwaltungsapparates des Landesverbandes dringend erforderlich. Dr. Nahum G o 1 d m a n n (Volksp.) erklärte im Gegensatz zu Dr. Peyser, eine Auffassung von deutschem Volksbewußtsein, die es einem deutschen Juden unmöglich mache, sich frei zu seinem jüdischen Wesen zu bekennen, verstoße nicht nur gegen die jüdischen, sondern auch gegen die besten deutschen Traditionen. Wenn der Verband auf die Abwehrarbeit verzichte, schließe er sich selbst von seiner natürlichen Zentralaufgabe aus. Eine solche Erscheinung wäre in einem anderen Lande, etwa in England, Frankreich oder Amerika, undenkbar. Dort sehen die Repräsentanten der jüdischen Gemeindeverbände ihre Aufgabe sogar darin, die Interessen der ausländischen Juden wahrzunehmen. Wenn der Central-Verein nicht existierte, würden wahrscheinlich auch die Liberalen nicht zögern, dem Verband die jüdische Interessenvertretung auch nach außen anzuvertrauen. Der Central-Verein repräsentiere nicht das gesamte Judentum Deutschlands und gefährde die Gleichberechtigung, weil er nicht für die unbedingte Gleichberechtigung, sondern für eine Gleichberechtigung ä condition eintrete. Rabbiner Dr. H o f f m a n n , Frankfurt a. M., forderte, der Rat solle seine Tätigkeit darauf konzentrieren, eine Beschleunigung der Erledigung des Judengesetzes zu erreichen. In der Frage der Vertretung nach außen stehe er durchaus auf dem Standpunkt der Volkspartei. Dr. F o e d e r , Breslau (Religiöse Mittelpartei), erklärt, eine Resolution gegen den Antisemitismus, die vom Verbandstag nicht einstimmig angenommen würde, würde dem Judentum mehr schaden als gar keine Resolution. Redner übt entschiedene Kritik an den Methoden des Central-Vereins und an der Haltung der Jüdisch-liberalen Zeitung, ist aber der Ansicht, daß der Central-Verein die Abwehrarbeit besser leisten könne als der bürokratische Apparat des Landesverbandes. Justizrat Dr. Brodnitz (liberal) wehrte die Angriffe, die gegen den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erhoben wurden, ab und erklärte, der Landesverband könne sich auf Grund seines Status nur mit der Wahrung religiöser Interessen befassen. Wenn auch der Central-Verein nur Juden bestimmter Anschauung einschließe, so vertrete er doch die Interessen der Gesamtjudenheit. Kurt B 1 u m e n f e 1 d ( (Volksp.) stellte demgegenüber fest, daß der § 3 des Status die Zusammenfassung der Synagogengemeinden zur Wahrung aller ihrer Interessen vorsehe. Jene deutschen Juden, die sich nicht zur Anschauung des Central- Vereins bekennen, müssen es ablehnen, ihre Interessen von ihm vertreten zu lassen. Redner weist darauf hin, daß der Central-Verein sich aus blinder Ablehnung des Nationaljudentums seltsame Inkonsequenzen zuschulden kommen lasse, z. B. in der Beurteilung der Minoritätenfrage in Polen. Es fehlt den Führern der Liberalen der Blick für die allgemeinen Zusammenhänge. Der Antisemitismus macht keine Unterschiede zwischen Juden dieser oder jener Gesinnung. Die Haltung des Central-Vereins ist anachronistisch. In einer so bedrohlichen Zeit sollten alle Juden zusammenstehen und nicht mit kleinlichsten Mißverständnissen gegeneinander kämpfen. Damit war die allgemeine Aussprache beendet. Zu den von der liberalen Fraktion eingebrachten Anträgen über die Einbürgerungs- und Staatenlosenfrage führte R.-A. Dr. Klee (Volksp.) aus, daß sich die Einbürgerungspraxis gegenüber der des Ancien Regime, unter dem die Einbürgerung auch bei Erfüllung der Voraussetzung zwanzigjähriger ununterbrochener Ansässigkeit auf Schwierigkeiten stieß, wesentlich gebessert habe. Der Redner hob die dankenswerte Praxis des preußischen Innenministeriums unter Leitung des Ministers Severing und Grzesinski hervor und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Widerstände gegen die Einbürgerungspraxis, wie sie insbesondere von Thüringen geleistet werden, überwunden werden würden. An der Verzögerung der Erledigung der Einbürgerungsgesuche seien in der Regel nicht die preußischen Staatsbehörden, sondern die früheren Heimatsgemeinden der Einzubürgernden schuld. Ein von Alfred Berger begründeter Antrag der Volkspartei, die Mitgliederzahl des Wohlfahrtsausschusses von neun auf zwölf zu erhöhen, wurde abgelehnt. Die Montags-Sitzung Kareski gibt eine Erklärung der Fraktion der Jüdischen Volkspartei ab und fordert mit Rücksicht auf die durch die gestrigen Beratungen im Haushaltsausschuß geschaffene neue Situation,, die Wiedereröffnung der Generaldebatte. R.-A. Breslauer (liberal) spricht gegen den Antrag Kareski. Der Antrag wird mit den Stimmen der Liberalen gegen Volkspartei, Konservative, Mittelpartei und Überpartei angenommen. Die Wirtschafts-Debatte wird sodann im Namen des Rats von Alfred Klee eingeleitet, er schlägt u. a. die Einberufung einer Wirtschaftskonferenz vor. Justizrat P e i s e r , Breslau (liberal), erkennt die Notwendigkeit einer ernsthaften Mitarbeit des Landesverbandes an einer Aktion zur Stützung der unterhöhlten jüdischen Wirtschaftskraft an. Die Genossenschaftsbewegung sei ein geeigneter Weg. Der Landesverband müßte seine Mittel in höherem Maße für diese Zwecke zur Verfügung stellen. Der Redner erörtert verschiedene Einzelmaßnahmen und beantragt die Einsetzung eines Sonderausschusses. Alfred Berger (Volksp.) stellt fest, daß sich Gedankengänge über das besondere Wirtschaftsproblem des deutschen Judentums, die noch vor kurzem als „zionistische Illusionen“ abgelehnt wurden, bei allen Gruppen durchgesetzt haben. Unter allgemeiner Aufmerksamkeit des Hauses behandelt Berger die einzelnen Momente, die die gegenwärtige Wirtschaftskrise der Juden charakterisieren. Es handelt sich nicht um eine kurze ungünstige Konjunktur., sondern um tiefgreifende Veränderungen im Wirtschaftsleben, die die Juden in Deutschland wie anderswo treffen und uns das gemeinsame jüdische Schicks a 1 auch im Wirtschaftlichen zeigen. Wir können wesentliche Hilfe leisten. Besser als Wohlfahrt ist Arbeitsvermittlung. (Beifall.) Vom Landesverband erwarten wir die Errichtung von Darlehenskassen, insbesondere Provinzialkassen, organisatorische Beihilfe zur Gründung von Kreditgenossenschaften, Gründung von Arbeitsnachweisen, Berufsberatung, politischen Schutz bedrohter Positionen, Stärkung des jüdischen Solidaritätsbewußtseins durch Erziehung in jüdischen Schulen. Oberrabbiner Altmann, Trier (kons.), spricht von der Bedeutung der Stärkung des jüdischen Bewußtseins und der gegenseitigen Hilfe.

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