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Das jüdische Echo · 1931-03-20 · 12 (20.3.1931) · p. Seite 188

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
12 (20.3.1931)
Date
1931-03-20
Page
Seite 188 (sequence 12)
Language
German
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188 Das Jüdische Echo Nr. 12 von 70 000 Pfund läßt sicli trotz der größeren Beteiligung des Jiscliuw an den Kosten des Schulwerks nicht herabsetzen, da die Ausgaben mit dem Wachstum des Jischuws gestiegen sind. Ausgrabung von Altertümern Jerusalem, 11. März. (JTA.) Bei den Reparaturen der Geburtskirche in Bethlehem sind Überreste historischer Bauten aus dem XII. Jahrhundert entdeckt worden. Die Ausgrabungen, die von Professor F. Garstang in Alt-Jericho durchgeführt werden, haben neue wertvolle Funde, darunter die Nachbildung eines Wolfkopfes in Elfenbein und tönerne Gefäße zu Tage gebracht. Auch die Ausgrabungen in Ramath Rachel, dem neuen Siedlungspunkte des Keren Hajessod südlich von Jerusalem, die unter Leitung von Dr. Maisler vor sich gehen, haben weiter interessante Ergebnisse gebracht. Außer den bereits gemeldeten Ossuarien sind wertvolle Keramiken, Krüge und die bei Gräberfunden im Orient häufig angetroffenen Glasfläschchen zu Tage gefördert worden. Die Funde werden zurzeit in einem Raum des neuen Siedlungsgebäudes aufbewahrt. llll III 1 lim i iiiiiii Feuilleton II llllll 1 11 llllll IIIIIII Das jüdische Element in der deutschen Literatur der Gegenwart Über dieses Thema sprach auf Einladung der Jesaia-Loge und des Jüdischen Jugendheims Dr. Ludwig Strauß aus Aachen, der als Dozent für Germanistik und als schaffender Dichter zur Behandlung dieser Frage in besonderem Maße berufen ist. Der Redner begann seine Betrachtung bei dem entscheidenden Vorstoß gegen die klassisch-romantischen Formgesetze, den Naturalismus. Wenn diese Bewegung, welche die Wirklichkeit unmittelbar in der Dichtung nachschaffen wollte, sich auch der starken Förderung von Juden erfreute, so ist der Anteil jüdischer Dichter in dieser Epoche doch gering und von nicht entscheidender Bedeutung. Erstrebte der Naturalismus eine Ausschaltung dt‘- subjektiven Elementes, so tritt dieses umso stärker in der dem Naturalismus folgenden und zu ihm in scharfem Gegensatz stehenden Dichtung heivor. Erst jetzt, in der sog. „Neuromantik“ spicien Juden eine starke Rolle in der deutschen Literatur. Das Kennzeichen dieser Epoche ist ein melancholisch-miides, teilnahmsloses Betrachten des Lebens, ein Bestaunen und Genießen seiner Vielfalt und Farbigkeit und die Unfähigkeit zur festen Bindung an Lebendiges, zur Entfaltung eigener kultureller Formen nach der Auflösung der klassisch-romantischen Tradition durch Naturalismus und Impressionismus. Dieses Schicksal der Zeit kulminiert im Juden; herausgerissen aus seiner eigenen ■ Tradition, noch nicht verwurzelt im Boden der deutschen Kultur, verkörpert er am stärksten die Einsamkeit und Bindungslosigkeit dieser Epoche. So kommt es, daß ihre typischen Dichtungen von Juden stammen (Hofmannsthab Schnitzler, Beer-Hoftmann). Ebenso entscheidend ist der Anteil der Juden an der Dichtung des Expressionismus (Werfel!). An dessen Vorläufern, Mombert und Else Lasker- Schüler, versuchte Strauß zu zeigen., was er als das jüdische Element in der neueren Dichtung ansieht. Wurde im 1. Teil des Vortrags der besondere Anteil der Juden aus ihrer zeitlichen Situation heraus erklärt, so enthüllt sich bei diesen Dichtern, deren Sprache eine auffallende Verwandtschaft mit der biblischen Sprache zeigt, ein ursprüngliches, zeitlos-jüdisches Element. Im Anschluß an Bubers Definition des Orientalischen als des Motorischen gegenüber dem Abendländischen als des Sensorischen bezeichnet Strauß als charakteristisch für die Dichtung der Juden das Vorherrschen des zeitlichen vor dem räumlichen Element. Nicht das Wahrnehmen und Nachschaffen einer ruhenden, räumlich faßbaren Welt ist ihre Absicht, sondern das Empfinden und Wiedergeben des Fließenden, Zeitlichen, nicht im Bild, sondern im Wort und in der Musik Faßbaren. Das ist es, was den geringen Anteil der Juden am Naturalismus und ihre große Bedeutung für die Dichtung der Neuromantik und des Expressionismus erkläre und was einen Hofmannsthal, Beer-Hofmann, Moritz Heimann, Mombert von Dichtern wie Hauptmann, George, Stehr unterscheide. Von diesem Gesichtspunkt aus muß es zunächst erstaunlich wirken, daß Juden auch in jener neuen Welle der Wirklichkeitsdichtung eine so große Rolle spielen, die dem Expressionismus folgt und im Gegensatz zu ihm die Wirklichkeit bejaht und sie, wenn auch in anderer Art als der Naturalismus, unmittelbar zu erfassen versucht. An der Erzählungsform von Wassermann und Döblin suchte Strauß nachzuweisen, daß auch innerhalb dieses „neuen Realismus“ sich ein spezifischer Anteil der Juden im erläuterten Sinne feststellen läßt. Als Gegengewicht gegen den inhaltlichen Realismus ist äußerster Subjektivismus der Sprache zu beobachten, der sich in der Übersteigerung des Tempos, in der Auflösung der bildhaften Anschaulichkeit in dem rasenden Fluße der Erzählung äußert. Zum Schluß gab der Redner eine treffende, den tiefsten Gehalt erfaßende Gegenüberstellung von Buber und Kafka. Während Buber in seinen Nachdichtungen chassidischer Legenden eine Welt der Offenbarung zeigt, baut Kafka in seinen Werken (übrigens mit einer in jüdischer Dichtung einzigartigen Konkretheit und Exaktheit) eine Welt der Offenbarungslosigkeit und Sinnlosigkeit auf, aber auch diese in einer ständigen Sehnsucht und Spannung nach der Offenbarung hin lebend. Die geistreichen und in fesselnder Form vorgetragenen Ausführungen haben sicher allen Kennern moderner Literatur reiche Anregungen vermittelt. Ob allerdings der Versuch, die gesamte von Juden stammende neuere Dichtung unter einen gemeinsamen Nenner zu bringen, ganz gelungen ist, kann bezweifelt werden. Bubers Definition gehört gewiß zum Tiefsten, was über das jüdisch-orientalische Wesen gesagt worden ist; ihre Anwendung aber auf das moderne assimilierte Judentum ist nur in sehr beschränktem Maße möglich. Denn hier treffen und überschneiden sich so vielfache Einflüsse soziologischer und psychologischer Art, daß die einseitige Hervorhebung dieses einzelnen Faktors, des jüdischen Erbes, meist etwas Willkürliches und Konstruiertes an sich hat. Dieser Gefahr ist, bei aller Sachkenntnis und Zurückhaltung, vielleicht auch

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