Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 12 (20.3.1931)
- Date
- 1931-03-20
- Page
- Seite 189 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 189 Dr. Strauß nicht ganz entgangen. So konnte es nicht ausbleiben, daß man, so überzeugend die Charakteristik mancher jüdischer Dichter und ihrer Schöpfungen wirkte, bei der Deutung anderer nicht ganz befriedigt war. Solche Einwände aber müssen notwendigerweise jeden Versuch treffen, ein derart großes Gebiet unter einem gegebenen Gesichtspunkt zu betrachten Obwohl Gemeinden- und Vereins-Echo Die nächste Nummer des Jüdischen Echos erscheint wegen der Feiertage als Doppelnunimer in verstärktem Umfang Dienstag 31. März. Redaktionsschluß: Freitag, 27. März. Noch einmal: Schalom Hsch-Feier Zur Richtigstellung“ des Perez-Vereins schreibt uns unser Referent: Bei kühlerer und sachlicher Betrachtung meiner Besprechung wäre dem Perez Verein vielleicht aufgefallen, daß ich Schalom Asch weder lyrisches Temperament absprach, noch ihn (wie es der Festredner tat) in eine enge Literaturrichtung einreihte. Ich habe einzig die einseitige Klassifizierung Aschs als Romantiker und Lyriker als unsinnig abgelehnt, eine lyrische Erzählung macht den Autor noch nicht zum Lyriker. Asch hat sich zur Zeit der Entstehung des „Städtel“ (um 1904) mit mehr oder weniger Erfolg in ziemlich allen Zweigen der Literatur versucht, ohne sich auf einen von ihnen festzulegen. Die Werke, durch die Asch in Rußland, in Deutschland, in Amerika bekannt und berühmt wurde, sind aber jene Bücher, die er nach Kriegsausbruch in Amerika, Paris und Deutschland schrieb. Es sind das sehr realistische Schilderungen, historische Novellen und vor allem das große epische Werk „Sintflut“. Diese ganze Schaffensperiode, vor allem die neueren Romane, hat der Festredner mit keinem Wort erwähnt, obwohl man sie, wenn man sie kennt, bei einer Würdigung der dichterischen Persönlichkeit Asch unmöglich übergehen kann. Die Berichtigung macht sich die Sache leicht, indem sie einfach den Spieß umdreht und mir vorwirft, ich kenne eben Asch nicht. Hätten die Verfasser der „Richtigstellung“ nicht nur die diversen Jubiläumsartikel über Asch, sondern auch Asch selber gründlich gelesen, so wären sie wohl mit ihrem Vorwurf vorsichtiger gewesen. Sie hätten dann vielleicht in Schalom Aschs Autobiographie jene Stelle entdeckt, wo es heißt: „... diese Form (er spricht von der Lyrik) war mir fremd und unbegreiflich.“ Was meine Beherrschung der jiddischen Sprache anlangt, so stand nicht diese, sondern diejenige des Festredners zur Diskussion. Man kann über Sprachbeherrschung geteilter Meinung sein. Meine und die Meinung wohl sämtlicher Zuhörer.! mit Ausnahme der Mitglieder des Vereins Perez vielleicht (was ich aber nicht ohne weiteres annehme) ist es jedenfalls, daß der Redner kein schönes, sondern ein hartes, unharmonisches, ausdrucksarmes Jiddisch sprach, das eine Qual für die Ohren war. Eben dadurch, daß ich die jiddische Sprache vor dem Festredner in Schutz nahm, habe ich wohl zur Genüge meinen Respekt vor ihr bewiesen. Es handelt sich aber hier um einiges mehr als um eine mißglückte Festrede. Es handelt sich^darurn, daß eiti Verein, der sich die Pflege jiidis’cher also diese prinzipiellen Schwierigkeiten jede Darstellung des spezifisch jüdischen Anteils an der modernen Literatur von vornherein zu einem zweifelhaften Unternehmen machen, so kann die Auseinandersetzung mit solchen Versuchen doch nur von fruchtbarster Wirkung sein, wenn sie in so geistvoller und sachkundiger Weise unternommen werden, wie Dr. Strauß es getan hat. R. E. Kultur und Sprache zur Aufgabe gestellt hat, dieser Sache und sich selbst durch ungenügend vorbereitete öffentliche Veranstaltungen schadet, zu denen man gern und mit großen Hoffnungen hingeht und die man enttäuscht verläßt. Wenn man bedenkt, welche großen Möglichkeiten ein jüdischer Kulturverein in München hat, so erscheint es unverzeihlich, wie wenig diese Möglichkeiten, die vor allem in dem ganz ausgezeichneten schauspielerischen Kräften des Perez Vereines liegen, genutzt werden. Wer die unzweifelhaft bühnenreifen Leistungen der Damen Sufrin und Ertischek und die verschiedenen hervorragenden Darstellungen von Vaterrollen durch Herrn Stechler gesehen hat, weiß, daß der Perez-Verein ruhig an die Aufführung guter und schwieriger Stücke gehen kann. Dann werden wir mit Vergnügen nicht nur vor der jüdischen Kultur, sondern auch vor dem jüdischen Kulturverein den gewünschten Respekt empfinden. Ignaz Gidalewitsch. Wir glauben, daß mit diesen Ausführungen unser Referent zur Genüge bewiesen hat, daß nur verletzte Eitelkeit ihm mangelnden Respekt vor dem jiddischen Dichter Asch oder vor der jiddischen Literatur vorwerfen kann. Die persönlichen Angriffe, die man gegen ihn erheben zu müssen glaubte, richten sich von selbst. Im übrigen muß allerdings zugegeben werden,, daß ein bedauerlicher Druckfehler in der Besprechung einen ganz falschen Eindruck hervorrufeii' mußte. Es hieß im Manuskript, daß Herr Bronstein aus der an sich tragischen Gestalt des „Dowid“ einen lächerlichen Schreier gemacht habe, im gedruckten Bericht dagegen ganz falsch, aus der an sich lächerlichen Gestalt. Die Herren des Perez Vereins konnten sich von dieser Tatsache selbst überzeugen. Mit den Darlegungen unseres Referenten schließen wir diese Debatte: wir werden indessen in einer der nächsten Nummern eine Würdigung des Werks und der Persönlichkeit Schalom Aschs bringen und unseren Lesern damit ein eigenes und unbefangenes Urteil ermöglichen. Die Redaktion des Jüdischen Echos. Redewettbewerb im Jungzionistischen Arbeitskreis. Einen neuartigen Versuch der Auseinandersetzung und Beteiligung möglichst zahlreicher Menschen an seiner Arbeit unternimmt der Jungzionistische Arbeitskreis mit der Veranstaltung eines Rede-Wettbewerbs. Die Beteiligung steht prinzipiell allen jüdischen Jugendlichen offen, da Referate von nur 5 bis 10 Minuten Dauer erwartet werden, sollte es wirklich Vielen leicht fallen, sich zum Wettbewerb anzumelden. Die gestellten Themata 1. Palästina im Jahre 1941, 2. Die deutschen Juden im Jahre 1941, 3. Die Weltjudenheit im Jahre 1941, erfordern zwar eine Kenntnis der Gegenwart, geben jedoch auch schöpferischer Phantasie Raum und sind deshalb, wie zu hoffen steht, jugendlicher Geisteshaltung angemessen. Die Zionistische Ortsgruppe, Herzog-Rudolf- Straße 1, gibt gerne weitere Auskunft. Tel. 2 97 4 49.