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Das jüdische Echo · 1931-03-20 · 12 (20.3.1931) · p. Seite 186

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
12 (20.3.1931)
Date
1931-03-20
Page
Seite 186 (sequence 10)
Language
German
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186 Das Jüdische Echo Nr. 12 Ordnung der Bürgerschaft stand, von den Antragstellern selbst zurückgezogen worden. An der Abwehr des Schächtsverbots in Bremen hat sich -— wie das „Israelitische Familienblatt“ erfährt — auch der „Norddeutsche Lloyd“, dessen koschere Küchen an Bord der Amerika-Dampfer von dem Verbote betroffen worden wären, in einer wirksamen Eingabe beteiligt. Auch der Gemeinderat in Ulm hat in einer Vollsitzung den Antrag der inneren Abteilung des Gemeinderates auf Übergang zur Tagesordnung über den seitens der Deutschnationalen gestellten Schächtverbotsantrag mit allen Stimmen gegen diejenigen der Mitglieder der deutschnationalen Fraktion angenommen. Das beantragte Schächtverbot ist somit abgelehnt. Danzig, 13. März. (JTA.) Die nationalsozialistische Fraktion im Danziger Volkstag hat ihren vor kurzem eingebrachten Antrag auf Verbot der jüdischen rituellen Schächtung zurückgezogen, weil sich in den interessierten Wirtschaftskreisen Danzigs eine starke Strömung gegen die Schächtverbotspropaganda bemerkbar machte und ein Schächtverbot der Wirtschaft des Freistaates großen Schaden zugefügt Ijätte. Der Antrag der Nationalsozialisten hatte übrigens keinerlei Chancen, vom Volkstag angenommen zu werden. Zweiter Habima-Prozeß in Würzburg Würzburg, 15. März. (JTA.) Vor der großen Strafkammer des Würzburger Landgerichts fand die Berufungsverhandlung gegen die Nationalsozialisten Dornbusch, Holl und Schaffer statt, die sich an den Demonstrationen gegen das Habima-Gastspiel in Würzburg am 19. November 1930 beteiligt hatten. Dornbusch war in der ersten Instanz freigesprochen, Holl und Schaffer zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. In der Berufungsinstanz unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Keller wurden Dornbusch zu drei Monaten, Holl zu vier Monaten und Schaffer zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Bewährungsfrist wurde allen Verurteilten versagt. Frankfurt a. M., 9. März. (JTA.) Der „Frankfurter Zeitung“ wird aus Würzburg telegraphiert: Die Berliner Zeitung „Der Alarm“ ist ein sehr kräftig, aber durchaus anständig dreinschlagendes Kampforgan gegen Fascismus und Hakenkreuz. Die Verteilung dieses Blattes wurde gestern abend von der Polizei verboten, mit der Begründung, daß am gleichen Abend eine nationalsozialistische Versammlung stattfinde und Störungen sich ergeben könnten. Diese einseitige Stellungnahme des Polizeipräsidenten Eder ruft sein Versagen bei dem Habimaskandal vor dem Würzburger Theater in Erinnerung. Ist solche Rücksichtnahme gegenüber der Hitlerpartei das angemessene Verhalten einer bayerischen Polizeibehörde? Benjamin Segel gestorben Wien, 13. März. (JTA.) In Bad Pistyan, wo er sich zur Kur aufhielt, verstarb heute im Alter von 64 Jahren der bekannte jüdische Schriftsteller und Publizist Benjamin Segel, der viele Jahre lang in Deutschland gelebt und in den letzten Jahren in Wien seinen Wohnsitz gehabt hat. Segel war einer der besten Kenner des Ostjudentums, eine Reihe seiner Arbeiten galt dessen Problemen. Dr. Israel Waldmann 50 Jahre Wien, 10. März. (JTA.) Am 10. März vollendete der bekannte zionistische Führer Dr. Israel Waldmann sein 50. Lebensjahr. Die Wiener Zionisten feierten den Jubilar in einer Massenversammlung, der Studentenverein „Bar-Kochba“ veranstaltete einen Festkonvent. Wirtschaftlicher Niedergang der Juden in Polen Warschau, 9. März. (JTA.) „Gazeta Warszawska“ bringt die alarmierende Nachricht, daß in der letzten Zeit infolge der wirtschaftlichen Deroute etwa 9000 Geschäftsunternehmungen in Warschau, unter ihnen große und angesehene Firmen, in Liquidation getreten sind; in Geschäftskreisen rechnet man mit der baldigen Liquidierung weiterer 15 000 bis 20 000 Geschäftsunternehmungen. Die Mehrzahl der Liquidationen betrifft von Juden geleitete Geschäfte. Alarmierende Nachrichten über Schließung zahlreicher Geschäftsunternehmungen treffen auch aus Krakau und Lemberg ein. Am meisten betroffen sind die Pelz-, Galanterie-, Schuh- und Hutbranchen. Die antijüdischen Zarengesetze in Polen endgültig abgeschafft Warschau, 16. März. (JTA.) Das Plenum des polnischen Sejm hat sich noch einmal mit der Gesetzesvorlage betreffend Abschaffung der noch aus der Zarenzeit und aus der Zeit der auswärtigen militärischen Okkupationen in Polen stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung Polens befaßt und die betreffende Regierungsvorlage mit den vom Senat beschlossenen Abänderungen angenommen. Mit diesem Beschlüsse des Sejm ist die Gesetzesvorlage in Kraft getreten, die antijüdischen Gesetzesbeschränkungen sind somit endgültig abgeschafft. Erste Session des Verwaltungsrates des Nansen- Amtes Genf, 13. März. (JTA.) Der Verwaltungsrat des Internationalen Nansen-Amtes für Flüchtlingswesen hat am 12. März die letzte Sitzung seiner am 10. März unter dem Vorsitz von Professor Huber, dem Präsidenten des Internationalen Roten Kreuzes und ehemaligen Präsidenten des Ständigen Internationalen Gerichtes im Haag, eröffneten ersten Session abgehalten. Der Rat hat sich im Laufe seiner Tagung vor allem mit der Frage der Arbeitsbeschaffung für die bisher in das Wirtschaftsleben noch nicht wiedereingereihten 170 000 Flüchtlinge und der Versorgung der 65 000 arbeitsunfähigen Flüchtlinge (Kriegsinvaliden, Kranke, Kinder usw.) befaßt. In diesem Zusammenhang wurde im Verwaltungsrat auch die Frage der Schaffung eines Fonds erörtert, aus dessen Mitteln die Kosten für die Fortführung des Flüchtlingswerks bestritten werden sollen. Der Fonds soll mit Hilfe eines Komitees einflußreicher Persönlichkeiten aufgebracht werden. Zum Generalsekretär des Internationalen Nansen-Amtes wurde der ehemalige Adjunkt des Hochkommissars für Flüchtlingswesen Johnson ernannt. Numerus Clausus für ausländische Medizin- Studierende in Frankreich Bukarest, 12. März. (JTA.) Das Dekanat der Bukarester medizinischen Fakultät hat gestern von der Pariser medizinischen Fakultät eine Zuschrift erhalten, in welcher es u. a. heißt: Gegenwärtig studieren an der Pariser medizinischen Fakultät 511 rumänische Studenten. Von diesen beanspruchen 436 nach Absolvierung der Studien ein französisches Staatsdiplom zur Ausübung des Ärzteberufes. Dieser Zustand darf nicht mehr weiter andauern, denn von diesen Studenten beabsichtigen wenigstens 400 nach 5 Jahren sich in Frankreich zu installieren.

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