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Das jüdische Echo · 1931-03-20 · 12 (20.3.1931) · p. Seite 185

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
12 (20.3.1931)
Date
1931-03-20
Page
Seite 185 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 185 schwerverletzt zusammen und wurde sofort ins Krankenhaus überführt* wo er einer Operation unterzogen wurde. Es wurde festgestellt, daß die Kugel, die in den Kopf eindrang, nur wenig unterhalb des Herzens den Körper durchschlug, aber nur Fleischteile verletzte, so daß Lebensgefahr für Lassally nicht besteht. Der Attentäter Pohl wurde verhaftet und gestand beim Verhör ein, daß er den festen Vorsatz gehabt hat, seinen Vorgesetzten Lassally zu töten, er sei daran nur durch eine Ladehemmung seines Dienstrevolvers verhindert worden; diese Ladehemmung trat nach dem ersten Schuß ein. Als Grund für die Tat gibt Pohl an, daß er, der, wenn auch nicht Mitglied der nationalsozialistischen Partei, so doch nationalsozialistischer Gesinnung ist, sich nicht von einem Juden habe vernehmen lassen wollen. Die Vernehmung Pohls durch Lassally galt eben der nationalsozialistischen Tätigkeit Pohls, die ihm als Polizeibeamten untersagt ist. Lassally hatte Pohl aufgefordert, neben ihm am Schreibtisch Platz zu nehmen und mit ihm völlig sachlich und ruhig die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen durchzusprechen. Pohl wartete, bis alle anderen Personen das Dienstzimmer des Regierungsrates Lassally verlassen hatten, zog ganz unvermittelt den Dienstrevolver und schoß. Die heimtückische Art und Weise dieses Attentates hat in Hamburg starke Entrüstung hervorgerufen. Lassally gilt als einer der tüchtigsten Polizeibeamten Hamburgs. Den Haß der Nationalsozialisten hat er sich dadurch zugezogen, daß er kürzlich in mehreren vor dem Hamburger Verwaltungsgericht zwischen der Polizeibehörde und den Nationalsozialisten schwebenden Prozessen als Vertreter der Polizei öffentlich hervorgetreten ist. Die nationalsozialistische und deutschnationale Presse Hamburgs richtete aus diesem Anlaß heftige, auch persönlich gehässige Angriffe gegen Regierungsrat Lassally. Polizei und Hamburger Senat haben eine Untersuchung eingeleitet, um festzustellen, in welchen Beziehungen Pohl zu den Nationalsozialisten gestanden hat. Eine offizielle Erklärung des Hamburger Senats wurde angekündigt. Es wird versichert, daß der Fall Pohl innerhalb der Hamburger Polizei einen Einzelfall darstellt, da die Mannschaft als unbedingt zuverlässig gilt. Hakenkreuzler straffrei Berlin, 10. März. (JTA.) In der Wilmersdorfer Sektionszeitung der NSDAP war am 2. September ein Artikel mit der Überschrift „Der Staat“ erschienen. Darin hieß es u. a.: „Der heutige Staat ist ein willkommenes Werkzeug in der Hand gerissener politischer Schieber zur Ausbeutung und Begaunerung jeglicher produktiver Arbeit. An der Spitze des Staates sitzen internationale Börsenjuden und sonstige Schieber, Landesverräter und Kreaturen, die vor Feigheit, Charakterlosigkeit und intellektueller Verbildung triefen.“ Der verantwortliche Schriftleiter und der Herausgeber hatten sich deshalb vor dem Schöffengericht Charlottenburg unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Schmitz wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz zu verantworten. Beide wurden freigesprochen, da das Gericht sich auf den Standpunkt stellte, daß eine Öffentlichkeit im Sinne des Preßgesetzes nicht vorliege. Der Staatsanwalt hatte für jeden der beiden Angeklagten 13 Monate Gefängnis beantragt. * * Aus der jüdischen Welt Schul- und Weltanschauungsdebatte in der Berliner Repräsentantenversammlung Berlin, 13. März. (JTA.) Auf besonderen Antrag der Liberalen Fraktion wurde am Donnerstag, dem 12. März, abends, eine Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin abgehalten, auf der hauptsächlich Schulfragen zur Debatte standen. Der bevorstehende Führungswechsel in der Gemeinde, der durch die Wiedereroberung der Mehrheit seitens der Liberalen bei den letzten Gemeindewahlen bedingt ist, wirft schon jetzt seinen Schatten voraus. Die Liberalen wollen unmißverständlich zu erkennen geben, daß sie willens sind, mit Übernahme der Führung in der Gemeinde auch einen Wechsel in der Gemeindepolitik — namentlich in der Schulfrage — eintreten zu lassen, und daß sie nicht gesonnen sind, die durch die von der gegenwärtigen Vorstandsmehrheit inzwischen gefaßten Beschlüsse und vollzogenen Tatsachen, die nicht im Sinne der Mehrheit der Gemeindemitglieder sind, bestehen zu lassen. Anderseits führen die Führer der Jüdischen Volkspartei ins Treffen, daß die Gemeinde die Bedürfnisse nicht nur der Mehrheit, sondern auch der Minderheit ihrer Mitglieder befriedigen müsse und also auch für die jüdische Schule zu sorgen habe. Abschiedsbankett für Schmarja Levin in Berlin Berlin, 16. März. (JTA.) Am Sonnabend, dem 14. März, abends, fand im Logenhaus Kleiststraße ein Bankett zu Ehren des populären zionistischen Führers und hervorragenden Volksredners Dr. Schmarja Levin aus Anlaß des Abschlusses seiner europäischen Tournee statt. Der großen Saal des Logenhauses und die angrenzenden Räume waren überfüllt, dem Gaste wurde viele Beweise der Sympathie dargebracht. Von der Exekutive der Jewish Agency waren die Herren Dr. Hexter und Dr. Bernhard Kahn anwesend. Der Vorsitzende der Veranstaltung, Herr Kurt Blumenfeld, eröffnete den Abend mit einer längeren Ansprache, in der er die Persönlichkeit des Gastes zeichnete und darlegte, welchen Einfluß Schmarja Levin als Führer und Lehrer auf die jüngere zionistische Generation in Deutschland gehabt hat. Empfang für S. Niger Berlin, 16. März. (JTA.) Zu Ehren des augenblicklich in Berlin weilenden führenden jüdischen Literatur- und Kulturkritikers Samuel Niger veranstaltete der Verband „ORT“ einen Tee- Abend, zu dem eine große Zahl persönlicher Freunde und Verehrer Nigers, sowie die in Berlin lebenden jiddischen Schriftsteller und Gelehrten geladen waren. Widerstände gegen die Schächtverbots-Agitation Berlin, 11. März. (JTA.) ln Schweidnitz wurde ein nationalsozialistischer Antrag auf Schächtverbot vor kurzem abgelehnt. Desgleichen in Rostock am 2. März mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Wirtschaftsparteiler. Ferner wurde in der vorigen Woche in Mannheim ebenfalls ein nationalsozialistischer Schächtverbotsantrag abgelehnt. In Bremen wurde eine schächtgegnerische Anfrage vom Antragsteller zurückgezogen. Der Antrag der Deutschnationalen in der Bremer Bürgerschaft auf Erstattung eines Berichtes darüber, „ob die Voraussetzung eines Schächtverbots im Bremischen Staate gegeben sei“, der seit Beginn dieses Jahres regelmäßig auf der Tages-

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