Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 12 (20.3.1931)
- Date
- 1931-03-20
- Page
- Seite 184 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Das Jüdische Echo Nr. 12 konzedierten, war lediglich die Empfehlung einer Verpflichtung der Agudas Jisroel, im Hinblick auf die noch immer schwierige politische Lage bis auf weiteres selbständige außenpolitische Aktionen nicht zu unternehmen, ohne vorher den loyalen Versuch gemacht zu haben, mit der Agency sich auf eine einheitliche politische Linie zu einigen. Gelingt ein solcher Versuch nicht, so ist auch nach Ansicht der Berliner Kommission, einschließlich der die Agency vertretenden Mitglieder, die politive Exekutive der Agudo selbstverständlich frei, nach ihrem Gutdünken selbständig vorzugehen/ Dem gegenüber steht der Wortlaut des offiziellen. von den Herren Dr. Auerbach und Dr. Barth redigierten Connnuniques, das folgendes berichtet: „Ohne die Frage der grundsätzlichen Stellung der beiden Gruppen zu erörtern, wird es als ein Gebot der Zeit anerkannt, daß außenpolitische Eingaben von seiten der Agudas Jisroel bis auf weiteres nicht eingereicht werden sollen. Die Jewish Agency wird dies dadurch erleichtern, daß sie die Agudas Jisroel über die politischen Vorgänge, soweit nicht Diskretion vorgeschrieben ist, informiert.‘ Diese Formulierung entspricht, wie wir authentisch festgestellt haben, dem Wortlaut der Formulierung, die der Vorsitzende der Kommission, Herr Dr. Baeck, als Ergebnis der Besprechung unter Genehmigung aller Beteiligten niederschreiben ließ im Anschluß an eine nahezu wörtlich übereinstimmende Erklärung., die Herr Dr. P. Kohn seinerseits abgegeben hatte. Im übrigen versucht der Artikel das kurz vor den Verhandlungen von der Agudas Jisroel an die englische Regierung eingereichte Memorandum zu rechtfertigen und spricht seine Verwunderung über die ,etwas gereizte Stimmung1 aus, in der sich die Vertreter der Agency infolge dieses Memorandums befanden. Unsere Leser kennen dieses Memorandum, das wieder einmal im traurigsten Stil der alten schon überholt geglaubten Kampfesweise den Versuch macht, trotz Hebron und Safed der Mandatarmacht einzureden, daß die Araber mit dem religiösen Judentum auf viel besserem Fuße lebten als mit dem nationalen, und wir glauben, daß wir zur Begründung der Entrüstung, in der sich wohl die gesamte nichtagudistische Judenheit auf Grund dieses Memorandums befand, nichts anzuführen brauchen.“ Revisionistischer Delegiertentag in Deutschland Berlin, 16. März. (JTA.) Am 15. März fand in Berlin eine gut besuchte Tagung der Zionisten- Revisionisten statt, zu der die meisten revisionistischen Gruppen aus Deutschland Vertreter entsandt hatten. Als stimmberechtigte Mitglieder nahmen 26 Delegierte teil. Eine große Anzahl von Gästen folgte den Verhandlungen. •In seinem Referat über die politische Lage führte der Vorsitzende, Herr Richard Lichtheim, aus, daß der MacDonald-Brief inhaltlich sehr unbefriedigend sei und daß die Form, in der dieser Brief zu einem Kommentar des Weißbuches gemacht wurde, ebenfalls sehr bedenklich erscheine. Besonders sei auch dagegen zu protestieren, daß Dr. Weizmann auf der voreiligen Veröffentlichung dieses Dokumentes bestanden habe, obwohl sogar in der Politischen Kommission und in der Zionistischen Exekutive starker Widerstand gegen die Veröffentlichung sich geltend machte. Die kommenden Verhandlungen über die wichtigsten Fragen (Transjordanien, Verwaltung, Landcntwicklungsplan und Parlament) seien von solcher Tragweite, daß die Executive ein schweres Unrecht begehe, wenn sie nach der von ihr erzwungenen Kongreßverschiebung darauf hindränge, auch diese Verhandlungen unabhängig von der Willensäußerung des Kongresses zu führen. Die Executive sei diesen Verhandlungen nicht gewachsen und habe zu den wichtigsten Fragen nicht einmal festumrissene Vorschläge. Daher habe das revisionistische Executivkomitee auf seiner letzten Tagung in Paris mit vollem Recht beschlossen, gegen die Fortführung der Verhandlungen durch die jetzige zionistische Leitung zu protestieren. Dabei dürfte es sich allerdings nicht um einen Protest gegen die formelle Zuständigkeit der Executive, bzw. der Jewisli Agency, handeln., sondern um einen sachlichen Protest gegen die Unzulänglichkeit der bisherigen Führung. Die innere Situation im Revisionismus erfordere eine Klärung, da sowohl die Revisionistische Executive als auch sicherlich die überwiegende Mehrheit aller Revisionisten mit der Taktik der Revisionistischen Partei in Palästina, die neuerdings von Dr. von Weisl geführt wird, nicht einverstanden seien. Die von den palästinensischen Revisionisten ausgegebene Parole auf Zurückziehung der revisionistischen Vertreter aus dem A.C., auf Austritt aus der Organisation, auf Verlassen der Assefath Haniwcharim und die hieraus folgenden vorgeschlagenen Sonderaktionen stehen in schroffem Gegensatz zu der bisherigen Haltung der Union. Die oft erörterte Frage unserer zukünftigen Beziehung zur Zionistischen Organisation erfordere keine neuen Beschlüsse, sondern nur die Bestätigung der bereits mehrfach gefaßten. Alles komme für den Revisionismus und damit auch für den Zionismus darauf an, zum 17. Kongreß eine so große Zahl für Mandaten zu erobern, daß der Wille des Revisionismus zu einem entscheidenden Faktor auf dem Kongreß werde. Es folgte eine lebhafte Diskussion. In der Nachmittagssitzung erstatteten die Herren Dr. Pollack und Alexander Reiter Referate über die Jugendarbeit und Dr. Silbert über Organisation und Finanzen. Ein erheblicher Betrag wurde für die Londoner Zentrale aufgebracht und das Budget der Berliner Zentrale wurde gesichert Es wurde ein Zentralkomitee für Deutschland gewählt. Den Landesvorstand bilden folgende Herren: Richard Lichtheim (Vorsitz), Dr. Hans Bloch, Gh. Belilowsky, Dr. Ettisch, Dr. Elias Fischer, Alexander Reiter, Julius Reiter und Dr. Schloß. Das Hamburger Polizistenattentat Von der Tragödie des Deutschen Juden Hamburg, 15. März. (JTA.) Im Hamburger Polizeipräsidium hat der unter dem Einfluß der Nationalsozialisten stehende Polizeioberwachtmeister Friedrich Pohl, Sohn eines Arztes in der Lüneburger Heide, den ihn dienstlich vernehmenden Regierungsrat Lassally, der aus einer sehr angesehenen Hamburger jüdischen Familie stammt und als überzeugter Republikaner ohne parteipolitische Bindung bekannt ist, mit dem Dienstrevolver niedergeschossen. Lassally brach