Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 12 (20.3.1931)
- Date
- 1931-03-20
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Das Jüdische Echo Nr. 12 Es wurde weiterhin von Rat und Ständigem Ausschuß einstimmig beschlossen, von einer allgemeinen Tagung in diesem Jahre abzusehen. Der Umlagensatz wurde in der bisherigen Höhe von 3 Prozent festgesetzt. Ein Antrag des Justizrats Dr. Hommel auf Erhöhung des Umlagensatzes fand im Ständigen Ausschuß nicht die erforderliche Mehrheit. Der Rat ist dem Beschluß auf Erhebung einer dreiprozentigen Uandesumlage in seiner Eigenschaft als Steuerverbandsvertretung beigetreten. Nach Behandlung mehrerer Rechtsfragen im Rat konnte die Sitzung um 6 Uhr geschlossen werden. * Es ergibt sich aus diesem Bericht, daß alle wesentlichen Beschlüsse einstimmig angenommen wurden. Die Verlängerung der Wahlperiode entspricht dem allgemein gehegten Wunsche, die Durchführung von Wahlen zu vermeiden, die in diesen Wochen hätten stattfinden müssen; man kann nur die Hoffnung aussprechen, daß sie im nächsten Jahre unter günstigeren Umständen von statten gehen können. Eine nochmalige Verschiebung des Termins wird jedenfalls nicht mehr in Frage kommen. Auch die Nichtabhaltung der Tagung wurde einstimmig beschlossen. Wenn dieser Beschluß mit Ersparnisgründen motiviert wird, so kann man angesichts der ständig fallenden Einnahmen und der Unmöglichkeit einer Erhöhung des Steuersatzes gewiß nicht etwa sagen, Sparsamkeit könne auch zu weit getrieben werden. Immerhin: daß die Tagung entfällt, bleibt bedauerlich — es ist ihre Aufgabe die jüdische Öffentlichkeit für die Aufgaben des Verbandes zu interessieren, sie ist das Organ der Kritik und der Auseinandersetzung und keine andere Institution kann diese Funktion übernehmen. Es ist deshalb auch eine offene Frage, ob man gerade in dieser schweren Zeit, nicht doch die Tagung braucht; daß sie immer mit Festlichkeiten verbunden sein und große Kosten verursachen muß, ist allerdings wirklich nicht nötig. Da die Frage indessen bereits entschieden ist. hat es wenig Sinn sie lange zu diskutieren; man kann den Beschluß verstehen, auch wenn man ihn nicht billigt und man kann ihn billigen, ohne ihn in jeder Beziehung gutzuheißen — die nächste, dann bereits neu gewählte Tagung wird im Frühjahr 1932 auf alle Fälle zusammentreten und an ihr wird es dann sein, die Arbeit des Verbandes darzustellen und mit neuen Impulsen weiterzuführen. Die Preußentagung Am 22. März tritt der Verbandstag des Preußischen Uandesverbandes jüdischer Gemeinden zu seiner diesjährigen Tagung in Berlin zusammen. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Eröffnung. 2. Wahl des Präsidenten, der Stellvertreter und der Schriftführer. 3. Tätigkeitsbericht des Rates. 4. Rechnungsabschluß für das Rechnungsjahr 1929/30. 5. Voranschlag für das Rechnungsjahr 1931/32, Festsetzung der Umlage. 6. Wahl der nach Art. 21, Abs. 1 Nr. 2, der Verfassung von dem Verbandstag in den Rat zu wählenden sechs Rabbiner und zwei Uehrer und ihrer Vertreter. 7. Wahl der nach Art. 21, Abs. 1 Nr. 3, der Verfassung von dem Verbandstag noch zu wählenden Ratsmitglieder und ihrer Vertreter. 8. Bildung der Ausschüsse (Art. 20 ff. der Verfassung). 9. Besprechung zur wirtschaftlichen Notlage der jüdischen Gemeinden. 10. Anträge der liberalen Fraktion: a) Schaffung einer Reichsorganisation; b) Gesetzentwurf betr. die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen; c) Verfassungsänderungen; d) Normalstatut für Gemeinden; e) Beamtenrecht; f) Gründung einer Beamten-Pensionskasse; g) Einbürgerungsfragen. Wie man sieht,, steht auch wieder einmal die Schaffung einer Reichsorganisation der deutschen Juden, neben vielen anderen wichtigen Punkten auf der Tagesordnung. Der Beratung zugrunde liegt ein Antrag der liberalen Fraktion, die einen neuen von ihr ausgearbeiteten Verfassungsentwurf vorlegt. Wir werden ausführlich über die Verhandlungen zu dieser Frage berichten und zu dem liberalen Entwurf Stellung nehmen. Ussischkin über den MacDonalcUBrief Paris, 10. März. (JTA.) Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin, ist auf der Durchreise aus Amerika nach Palästina in Paris eingetroffen und hat sich in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter in folgender Weise über die Nationalfondskampagne in den Vereinigten Staaten und die allgemeine zionistische Uage geäußert: Ich bin in die Vereinigten Staaten ein einem für die amerikanischen Juden besonders schwierigen Zeitpunkt gekommen. Die Wirtschaftskrise einerseits und eine Reihe von Enttäuschungen auf politischem Gebiet andererseits hatten den Enthusiasmus der amerikanischen Zionisten stark herabgesetzt. Dennoch glaube ich, daß es mir gelungen ist, ihre Zuversicht wieder zu beleben und sie um das Werk für unsere nationale Wiedergeburt zu sammeln. Die Art des Sondergebiets, auf dem der Keren Kajemeth seine Tätigkeit entfaltet, hat wesentlich dazu beigetragen,( meine Mission erfolgreich zu gestalten. In der Tat stimmen alle zionistischen Parteien dahin überein, daß für einen endgültigen Erfolg der zionistischen Aspirationen der Erwerb großer Bodenflächen in Palästina unerläßliche Voraussetzung ist. Diesbezüglich gibt es keine Meinungsverschiedenheit. Meine Devise war daher: Wir werden immer Juden für Palästina haben, aber wir werden nicht immer Palästina für die Juden haben. Wenn der Boden Palästinas in unseren Händen ist, werden wir auch 20 Paßfields nicht zu fürchten haben, wenn wir aber den Boden nicht haben, werden uns auch 20 Balfours nicht helfen können. Dieser Gedanke leuchtete den Amerikanern ein und darum haben sie meinen Plan eines fünfjährigen Drives mit dem Ziele, eine Summe von 5 Millionen Dollar für den Nationalfonds aufzubringen, gutgeheißen und unterstützt. Ein beträchtlicher Teil dieser Summe wurde während meines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten gezeichnet. Als ich nach Amerika kam, war die amerikanische Judenheit in einem Zustand der Depression; als ich das Land verließ, war diese Depression einem nationalen Enthusiasmus gewichen. Möge der amerikanischen Judenheit dieser Geist erhalten bleiben und ihr helfen, das begonnene Werk zu einem guten Ende zu führen. Während meines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten wurde auch der Brief MacDonalds an Dr. Weizmann veröffentlicht. Ich teile in keiner Weise das Gefühl des Triumphes, das in gewissen Kreisen infolge dieses Briefes vorherrscht. Es ist zwar richtig, daß dieser Brief den durch das Weißbuch ausgelösten Eindruck äußerster Übel-