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Das jüdische Echo · 1931-03-20 · 12 (20.3.1931) · p. Seite 180

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
12 (20.3.1931)
Date
1931-03-20
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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180 Das Jüdische Echo Nr. 12 den Antisemitismus, oder eine Art von Edelantisemitismus, vertreten. Es handelt sich hierbei um Kreise, die persönlich hoch gebildet und kultiviert das Bestreben haben, sich von allem zu distanzieren. was auf Straßen und Plätzen gang und gäbe ist. Diese Kreise sind überhaupt in keiner Hinsicht Partei. Sie sind stets und bei allen Völkern Kommentatoren des Geschehens. Es sind Menschen, die sich einbilden, am anderen Ufer zu stehen und den Ablauf der Dinge überlegen und unbewegt vor ihren Augen vorüberziehen zu lassen. ln Momenten allgemeiner Erregung und übermächtigen Druckes der Straße aber können sich auch diese Menschen den von ihnen gemiedenen Bewegungen nicht entziehen und alsdann schwimmen sie etwa nicht nur mit, sondern sie pflegen gewöhnlich an die Spitze der Strömung zu gelangen. Wir weisen auf diesen Sachverhalt hin, weil in jüdischen Kreisen leicht die Neigung allgemein werden könnte, in der praktischen Politik und in der Bewertung des Alltags einen Unterschied zwischen anständigen und unanständigen Antisemiten zu machen. Solange die Zeiten in Deutschland doch einigermaßen ruhig sind und der Judenhaß noch nicht die Macht im Staate erlangt hat, so lange werden die Edelantisemiten in ihren Redaktionsstuben und Studierzimmern feingedrechselte, kultivierte Worte über die Juden gebrauchen und sich hüten, den Radauton des Straßenmobs nachzuahmen. Wenn aber auf trockenem Wege ohne Blutvergießen die Grundsätze des Nationalsozialismus in Kunst und Literatur, auf Hochschulen und in Laboratorien, in Stadt und Staat erfolgreich geworden sind, dann werden sich diese Salon-Antisemiten keineswegs genieren, in der Praxis genau so zu handeln wie Hitler und Goebbels. Diese Salon-Antisemiten sind in gewisser Hinsicht noch viel gefährlicher als die Radaubrüder unter dem Hakenkreuz. Denn sie sind es, die der antisemitischen Roheitswelle das Öl entschuldbarer geistig fundierter Betätigung geben. Sie sind im wahren Sinne des Wortes intellektuelle Urheber in einem weit schlimmeren Sinne als die Artikelschreiber der nationalsozialistischen Hetzpresse, deren Schuld an einzelnen Ausschreitungen viel durchsichtiger ist als die Schuld der vornehmen Kunstkritiker und Disputanten gegenüber jüdischer Zersetzung, gegenüber Psychoanalyse und gegenüber angeblichem jüdischem Antigermanismus. Wenn es sich bei dem Spiele, das im internationalen Judenhaß gegen und um die Juden gespielt wird, um akademische Unterhaltungen handeln würde, so wäre gegen die öffentlichen Disputationen von Juden und Salon-Antisemiten weniger einzuwenden. Es handelt sich aber liier um ein Spiel, dessen Einsatz Leben und Existenz der Juden ist. Darum halten wir es für durchaus abwegig, von jüdischer Seite aus gefühlsmäßig und im Gedanken Unterschiede zwischen guten und bösen Antisemiten zu machen. Womit nicht gesagt ist, daß auf jüdischer Seite verkannt werden soll, wie groß die menschlichen Differenzen zwischen Salon- und Radau-Antisemiten sein können. Es sind aber letzten Endes nur Differenzen innerhalb des großen antijüdischen Lagers, das in Momenten der Entscheidung sich einheitlich verhalten wird und zwar geschlossen gegen die jüdische Gemeinschaft. Ob nun einer Krypto-Antisemit ist oder Salon-Antisemit oder sich offen zu einem Radau-Antisemitismus bekennt, ist für die praktische Auswirkung dieser Bewegung uns gegenüber einerlei. Wir dürfen Bundesgenossen in der nichtjüdischen Welt im Kampfe gegen den Judenhaß nicht in jenen Kreisen suchen, die von vornherein von einem antijüdischen Affekt bestimmt sind. Es gibt in der Welt außer diesen affektbestimmten Judenhassern Klassen und Schichten, welche wegen der Vorherrschaft ganz anderer Interessen in ihrem Gefühls- und Gedankenkreise als Bundesgenossen menschlicher und jüdischer Gleichberechtigung weit eher in Frage kommen und mehr Verständnis für die Tatsache der vorhandenen jüdischen Art aufbringen als Menschen, die eigentlich nur durch Bildung und Kultur verhinderte Radauantisemiten sind. s. n. Vom Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden Soeben erscheint der amtliche Bericht über die Sitzung des Rats und der Tagung sowie des Ständigen Ausschusses der Tagung und des Finanzausschusses vom 15. Februar, den wir im folgenden gekürzt wiedergeben. Rat und Tagung waren einberufen, um einen gemeinschaftlichen Antrag der Fraktionen auf Verlängerung der laufenden Wahlperiode zu Vorbescheiden. Da es sich um eine Änderung der Verfassung handelt, zu der nach den Satzungen die Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des Rats und zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder der Tagung erforderlich sind, waren die Parteien übereingekommen, daß zur Ersparung der Kosten nur die aus Anlaß der Sitzung des Ständigen Ausschusses der Tagung und des Finanzausschusses einberufeneu Mitglieder der Tagung an der Versammlung teilnehmen sollen. Die in dieser Weise zusammengesetzten Verbandskörperschaften haben nun mit der erforderlichen Mehrheit auf Grund des gemeinschaftlichen Antrags der Parteien beschlossen: „ln Abänderung der §§ 5 und 15 der Verbandsverfassung wird der gegenwärtige Wahlabschnitt für die Mitglieder der Tagung und des Rats bis zum 1. April 1932 erstreckt.“ Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Damit ist dem Wunsche Rechnung getragen, in der gegenwärtigen politisch und wirtschaftlich überaus ernsten Zeit von Neuwahlen abzusehen. ln der Sitzung des Rats und des Ständigen Ausschusses der Tagung wurde im Anschluß an die Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 und die Verordnung des bayerischen Gesamtministeriums vom 31. Dezember 1930 die Kürzung der Gehälter der Beamten und Angestellten beschlossen. Alsdann wurde außerhalb der Tagesordnung ein von Kommerzienrat Weil (München) gestellter Antrag als Dringlichkeitsantrag bekanntgegeben, nach dem der Ständige Ausschuß sich heute bereits mit dem Etat befassen und ihn endgültig verbescheiden solle, da die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse eine offizielle Tagung, die in Nürnberg stattfinden sollte, nicht zweckdienlich erscheinen ließen. In der Aussprache wird allgemein anerkannt, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse eine Tagung in der hergebrachten Form mit Eröffnungsakt und Festabend nicht gestatten würden, daß man allenfalls zu einer rein geschäftlichen Tagung nochmals Zusammenkommen könne, daß es aber zweckmäßiger sei, wenn der Ständige Ausschuß heute schon in die Beratung des Etats eintrete und ihn wenn möglich, verabschiede. Je-

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