Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 11 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 171 verstorbene Gattin eröffneten Palästina-Museums gewidmet. Einwanderung und Auswanderung im Monat Januar 1931 Im Monat Januar sind in Palästina 262 Personen, davon 150 Juden, 97 Christen und 15 Mohammedaner eingewandert. In der Gesamtzahl eingeschlossen sind 106 Personen (43 Juden, 55 Christen und 8 Mohammedaner), die als Touristen ins Land kamen und hier die Erlaubnis zum dauernden Aufenthalt erhielten. 39 Immigranten ist die Einreise verweigert worden. Die Zahl der Auswanderer im gleichen Zeitraum betrug 71, davon 42 Juden, 24 Christen und 5 Mohammedaner. (Ziko) Feuilleton Judentum und philosophische Weltanschauung München. Herr Rabbiner D r. H. L e v y (Regensburg) hielt einen Vortragszyklus „Judentum und philosophische Weltanscha u u n g“. 3 moderne Versuche ihrer Auseinandersetzung im Rahmen der Kurse der jüdischen Gemeinde. Der Redner erläuterte sein Thema dahin, daß hier nicht von dem europäischen und innerphilosophischen Problem, dem Gegensatz zwischen jüdischer und heidnischer Geisteshaltung, zwischen Religion (in ihrem jüdischen Ursprung —) und Philosophie (als Produkt griechischen Kultureinflusses) die Rede sei, sondern von der Auseinandersetzung zwischen dem Judentum in seiner historischen Eorm und Formung, als Lehre und Gesetz und einer philosophischen Weltanschauungslehre, wie sie die Grundlage des abendländischen Kulturbewußtseins ist, nämlich einer Philosophie, die primäre Weltanschauung ist, für die die Welt der ursprüngliche Gegenstand ihrer Forschung, Anschauung — Ausgangspunkt ihrer Methode ist und die Philosophie ist, in soweit als die ratio, die menschliche Vernunft die Einheit dieses Weltbildes schafft. — Drei positive Möglichkeiten der Einstellung gibt es für den Referenten: 1. Ablehnung der Philosophie überhaupt, 2. Gleichsetzung von Judentum und Philosophie, 3. Überwindung der abendländischen Weltanschauungslehre aus dem Geist jüdischer Lebenserfassung, durch eine neue Form der Philosophie, die eine dem Urgeist der Religion adäquate Metaphysik schafft. Diese drei Möglichkeiten haben im jüdischen Kreise ihren prägnantesten Niederschlag gefunden in dem Lebenswerk, dreier Persönlichkeiten aus fünf Gene tionen des deutschen Judentums, die drei Typen jüdischer Geisteshaltung und drei Entwicklungsstufen des deutschen Judentums verkörpern: S. R. Hirsch, der große Raw, Publizist, Homiletiker, ganz im Judentum wurzelnd, Führer und Organisator der deutschen Orthodoxie, Hermann Cohen, der deutsche Universitätsprofessor und Philosoph von Weltruf, der im letzten Jahrzehnt seines Lebens zum Theologen und jüdischen Religionsphilosophen reift, und Franz Rosenzweig, der Vertreter einer neuen Zeit und eines neuen Denkens. Der Redner sieht die geniale Leistung S. R. H i r s c h s, in der grundlegenden Erfassung des Problems. Er erkennt die k a t e g o - riale Unterschiedlichkeit des Judentums von der philosophischen Weltanschauungslehre und der gesamten Kulturtendenz Europas. Judentum ist nicht Weltanschauung, sondern Lebensform, dessen geistige Grundlage für die Kultur Europas neu zu entdecken das Werk des Theologen Hirsch war; das Judentum gelte es zu begreifen, nicht rationalistisch zu begründen — als lebenden Organismus, kraft religiöser Intuition, Versenkung und Einfühlung in die eigentümliche Symbolsprache des Gesetzes und der Thora, deren Grundlage ein sozial ethisch und diesseits gerichteter Messianismus ist. Das jüdische Werk Cohens geht von dieser Idee der messianischen Aufgabe des Judentums aus als Grundlage seiner Ethik. Er entdeckt in dem absoluten Monotheismus, wie er im Judentum verkörpert ist, die notwendige Grundlage jedes idealistischen Systems der Philosophie, damit die Möglichkeit zur Systematisierung der Philosophie überhaupt, schließlich entdeckt er bei dem Problem des Judentums die Möglichkeit seiner Realisierung nur im religiösen Erlebnis, in dem grundlegenden Erlebnis der „Teschuwah“, wie sie das Urelement jüdischer Religiosität darstellt und dessen innersten Sinn vermittelt; so daß von hier aus in einem System „der Religion der Vernunft“ alle Werte des Judentums darstellbar werden und entwickelt werden können. Sein Schüler Rosen zweig ebenfalls von der zentralen Bedeutung des religiösen Erlebnisses im Akte der Buße ausgehend, will eine neue Form der Philosophie geben, indem er neben das rationale wissenschaftliche Denken das intentionale Denken des Künstlers und das gleichnishafte Denken des Theologen als gleichberechtigte Faktoren stellt. In den Kultformen des Judentums sieht Rosenzweig die Repräsentanten einer seelenhaften Welt und Lebensdeutung; so gibt er wissenschaftlich eine neue Grundlage für den Sinn eines G’ttesbeweises, dem er Leben verleiht im Kernpunkt seines Werkes der Offenbarungsphilosophie, die wieder mündet in eine Deutung der jüdischen Idee und des jüdischen Gesetzes. Die nicht sehr zahlreichen, aber außerordentlich interessierten Hörer durften aus dem Besuch der Vortragsreihe reichen Gewinn ziehen. Es erwies sich auch bei dieser Gelegenheit, daß sich die Leitung der ..Lehrkurse“ mit Erfolg bemüht hat, wesenhafte Erkenntnis verbreiten zu helfen. Leider steht der Großteil der Münchener Gemeindemitglieder diesem Bestreben verständnislos gegenüber. Theodor Harburger. * * * „Zionismus und Religion“ durch innige Verschmelzung wechselseitig zu stärken, das ist die Forderung, die Rabbiner Dr. Lev.y aus Regensburg in seinem Vortrag am 25. Februar 1931 stellte. Er erkennt bei der älteren zionistischen Generation eine Beschränktheit, die banausisch auf Verbreiterung des Aufbauwerks bedacht ist und die zu einem auch gedanklichen Paktieren mit dem Lager der Assimilanten bereit ist; er erklärt daraus die vielbeklagte Abkehr der Jugend. Tiefer steigend, erklärt er die gesamte „Sterilität“ aus der „Genesis der zionistischen Bewegung“. Er sagt: „Zwei Quellströme treffen sich im Flußbett der Bewegung: Der Zionismus der Heimkehrenden (die vom assimilatorischen Milieu aus eine geistige Heimat im Judentum suchen) 'und der Zionismus der Ausziehenden (die gerade das Ghetto — im gei-