Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 11 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nr. 11 HW wird darauf hingewiesen, daß ein Dozent der Hebräischen Universität „aus prinzipiellen Gründen“ sich geweigert habe, dem Anwalt der Juden vor der Internationalen Klagemauer-Kommission das zur Unterstützung der jüdischen Forderungen nötige Material zur Verfügung zu stellen, ßabkoff verlangt Aufklärung darüber, warum die Verweigerung der Mitarbeit seitens des Dozenten bisher verschwiegen wurde, und ob irgend etwas in dieser Angelegenheit veranlaßt worden sei. Es handelt sich um den Dozenten Dr. Gerson Scholem, eine Autorität auf dem Gebiet der kabbalistischen Literatur, der es nach den Angaben Babkoffs abgelehnt hat, ein Verzeichnis jener Stellen aus der Kabbala anzulegen, in denen auf die Klagemauer Bezug genommen wird. Es müsse hier, erklärt Babkoff, zweifellos ein Mißverständnis obwalten. Dr. Yellin, habe sich persönlich als Vorsitzender der Kommission an Dr. Scholem gewendet und von ihm einen kurzen abschlägigen Bescheid erhalten. Dann sprach Ben Zwi abermals namens der Kommission bei Dr. Scholem vor und erhielt von ihm die Auskunft, daß er aus prinzipiellen Gründen gegen die jüdischen Vorstellungen bezüglich der Klagemauer sei. Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen- Agentur bestätigt Herr Ben Zwi die Richtigkeit der in Babkoffs offenem Brief angeführten Tatsachen. Weiters teilt Herr Ben Zwi mit, daß der Anwalt der Araber vor der Klagemauerkommission zum Zwecke der Vorbereitung seines Memorandums Bücher und Dokumente von der jüdischen Nationalbibliothek erhalten habe. Ben Zwi erklärte, es sei zwar nichts dagegen einzuwenden, daß die Bibliotheksverwaltung ihre Sammlungen den Vertretern der mohammedanischen Partei zur zur Verfügung gestellt habe. Dies entspreche den Funktionen der Bibliothek; es sei jedoch unverständlich, warum nicht dasselbe Entgegenkommen der Partei der Juden bewiesen wurde. In einer ebenfalls im „Doar Hayom“ veröffentlichten Antwort auf das offene Schreiben Babkoffs erklärt Dr. Scholem, er habe es stets als ein Unglück für die Judenheit angesehen, daß sich die Juden in ein Verfahren bezüglich der Klagemauer eingelassen haben, und habe sich das elementare Recht Vorbehalten, seinem persönlichen Gewissen gemäß sich der von ihm geforderten aktiven Beteiligung an einem solchen Verfahren, von dessen schädlichen destruktiven Folgen er überzeugt war, zu entziehen. Seiner bescheidenen Meinung nach könne das Klagemauerproblem nicht durch ein Verfahren vor einer dritten Partei gelöst werden. Sein Standpunkt hinsichtlich der Beistellung von Dokumenten zur Klagemauerfrage habe dem des palästinensischen Oberrabbinats, wie er im Bericht der Shaw-Kommission niedergelegt sei, entsprochen. Weiters erklärt Dr. Scholem, man sei niemals an ihn wegen Entlehnung von Büchern aus seiner Privatbibliothek oder aus Beständen der Universitätsbibliothek herangetreten. Dem jüdischen Anwalt habe es freigestanden, Bücher anzufordern, die ihm sicherlich anstandslos zur Verfügung gestellt worden wären. Die Kommission habe sich an ihn nicht in seiner Eigenschaft als Dozent der Hebräischen Universität gewandt, sondern habe ihn als Privatperson aufgefordert, an der wissenschaftlichen Forschungsarbeit für politische und juristische Zwecke teilnehmen. Dies habe er, wie er es seinerzeit Dr. Yellin auseinandergesetzt habe, auf Grund seines ablehnenden Standpunktes gegenüber dem ganzen Verfahren nicht tun können. Aus der jüdischen Welt Die 99. Friedhofschändung. — In Tauberbischofsheim Berlin, 5. März. (JTA.) Am 18. Februar wurden auf dem israelitischen Friedhof in Tauberbischofsheim 6 Grabsteine von den Sockeln gerissen und an die Friedhofsmauer umgelegt. Ein Grabstein war umgeworfen und zerbrochen, von zwei Grabsteinen waren die Spitzen abgeschlagen, ein anderer ist gänzlich mit Schmutz besudelt. Die jüdische Gemeinde hat eine Belohnung von 100 RM. für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Es ist dies die 99. Friedhofschändung seit einer kurzen Reihe von Jahren. Die 98. Friedhofschändung geschah Ende Januar in Klein-Krotzenburg. Eröffnung des Altersheims der Berliner Jüdischen Gemeinde B e r 1 i n , 3. März. (JTA.) Am Dienstag, dem 3. März, fand in Anwesenheit eines zahlreichen geladenen Publikums, darunter der Vertreter der Jüdischen Gemeinde, des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, staatlicher und städtischer Behörden und der Kuratorien der Altersheime die feierliche Eröffnung des neuen Alterheims der Berliner Jüdischen Gemeinde in Schmargendorf statt. An die Feier, die von Darbietungen eines gemischten Chors umrahmt war, schloß sich eine Besichtigung des neuen Hauses unter der Führung des Erbauers, Regierungsbaumeister Beer. Sämtliche Räume, vor allem die in jedem Stockwerk befindlichen Gesellschaftszimmer sind trotz Verwendung einfachsten Materials ungemein geschmackvoll und ansprechend ausgestattet. Der große Betsaal macht mit seinen sechs hohen Rundglasfenstern und der in edlen einfachen Linien gehaltenen Innenausstattung einen feierlichen und doch freundlichen Eindruck. Die technische Ausgestaltung des Hauses steht auf modernster Höhe. Es gibt fließendes kaltes und warmes Wasser in jedem Zimmer, Personen- und Speiseaufzüge, Badezimmer in jedem Stockwerk und eine mit den modernsten Apparaten und Geräten ausgestattete Riesenküche, die in zwei Abteilungen für die Bereitung „milchiger“ und „fleischiger“ Speisen geteilt ist. Neben großen elektrischen Kochherden und Backröhren gibt es hier eine Reihe neuartiger, durchwegs elektrisch betriebener Hilfsvorrichtungen, wie Kartoffelschälmaschinen usw. Besonders zu erwähnen ist ein mir einem Thermostat ausgestattetes Wasserbad, in dem die am Freitag vorgekochten Speisen unbeaufsichtigt warm gehalten werden können. Schließlich ist noch der große Garten sowie der mit einer Liegehalle verbundene Dachgarten zu erwähnen. p , , Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D» Ein Werbemonat beschlossen Berlin, 9. März. (JTA.) Am Sonntag, den 8. März, fand eine gut besuchte Sitzung des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt, an der außer den Mitgliedern und Ersatzmitgliedern des Landesvorstandes die Vertreter zahlreicher Ortsgruppen teilnahmen. Unten den Gästen befanden sich die Direktoren des Keren Hajessod Dr. Arthur Hantke und Leib Jaffe. Die Tagung wurde von Herrn Blumenfeld geleitet. Das Hauptreferat in der Vormittagssitzung hatte Herr Felix Rosenblüth (London), Mitglied der Exekutive übernommen. Herr Rosenblüth hielt an der Hand umfassenden Materials ein ausführ-