Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 11 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 167 nicht glaubt, der nehme die Nummer der „Reichspost“ vom vergangenen Sonntag zur Hand und lese auf Seite 8 den Artikel über „Amerikanische Methoden im Kampfe gegen die Absatzkrise“. Die amerikanische Absatzkrise ist wahrlich keine typisch jüdische, durch sie werden Christen und Juden jenseits des Ozeans in gleicher Weise betroffen. Der launige Artikel der „Reichspost“ enthält auch nichts, wodurch sich unsere Behauptung von der Verjudung der Antisemitenpresse beweisen ließe. Aber jede Sache hat ihren Kopf, und so auch der Aufsatz des christlichsozialen Blattes. „Dalles mit Humor“ ist dieser Artikel betitelt. „Dalles“ mag heute schon interkonfessionell sein, aber diesen Begriff in fettgedruckten Lettern ausgerechnet in der Sonntagsnummer eines christlichsozialen Blattes zu finden, das hätten wir denn doch nicht erwartet. So was muß doch wirklich unsere brave „Dötz“ ärgern, die immer wieder über die Verjudung des christlichen Volkes jammert. Aber sie möge hübsch still sein. Auch für sie findet sich in der gleichen Nummer der „Reichspost“ ein hübsches Stückchen, das von der Verjudung ihres bewährten Münchner Konkurrenz- •organes, des „Völkischen Beobachters“, berichtet, Was da die „Reichspost“ aus der Antisemiten- •schule plaudert, ist so lustig, daß wir es unseren Lesern gerade in diesen ernsten Tagen nicht vorenthalten möchten: Adolf zu Adolf. Wie Budapester Blätter berichten, haben ungarische Journalisten, die jüngst eine Bayernfahrt unternahmen, bei ihren Besuchen in den Redaktionen der bayerischen Presse ausgerechnet im „Völkischen Beobachter“, dem Hauptorgan der Nationalsozialisten, einen „interessanten“ Landsmann vorgefunden, nämlich einen gewissen Adolf Holländer, der vor einem Jahrzehnt durch ein erfundenes Interview mit dem Szegediner Oberrabbiner Dr. Emanuel Löw, Mitglied des Oberhauses, berühmt geworden ist. Holländers Phantasieprodukt trug dem israelitischen Würdenträger wegen der ihm in den Mund gelegten Äußerungen einen Hochverratsprozeß ein. Als der Sachverhalt klargestellt wurde, fand Adolf Holländer es für geraten, den heiß gewordenen Boden Ungarns, zu verlassen. Aber wohin, Nun, Adolf Holländer floh, wie jetzt durch die Bayernfahrt ungarischer Journalisten herausgekommen ist zu — Adolf Hitler und fand Aufnahme beim Hauptorgan der Ultravölkischen. Ob ihn mehr die Namensgleichheit mit Hitler oder mehr das Vertrauen zum Namen Rosenberg des Blattleiters dahin entführt hat? Verhalte es sich wie immer, die Budapester Blätter und ihre auswärtigen Verwandtschaften haben eine Sensation mehr, an der sie lange kauen können. Wie versichert wird, habe sich Holländer, ehe er zu Hitler kam, taufen lassen. Falls sich die „Rassischen“ mit diesem Schnippchen, das ihrem wissenschaftlichen Hauptdogma geschlagen wurde, abgefunden haben sollten, für die ungetauften Zurückgebliebenen dürfte dies erst recht ein Grund sein, dem Ausreißer ihre Wippchen nachzusenden. Die antijüdische Palästina« Verwaltung Noch immer ist die Verwaltung Palästinas anscheinend von Zionistengegnern durchsetzt, die, wo immer sie nur können, zionistische Aktionen durchkreuzen und noch öfters durch Unterlassen notwendiger Maßnahmen das jüdische Aufbauwerk schwer schädigen. Mit aller Klarheit ergibt sich das aus den folgenden Meldungen. Besitzstörung behördlich erlaubt? Jerusalem, 5. März. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, haben auf Grund einer neuen Verwaltungsverordnung die Siedler ohne Rechtstitel und die beduinischen Weidenutzer die Erlaubnis erhalten, bis auf weiteres auf den jüdischen Ländereien in der Haifabucht zu bleiben. Die Polizei hat die Weisung erhalten, nicht einzugreifen, bis das Bodengericht eine Entscheidung bezüglich der von den Beduinen erhobenen Ansprüche gefällt hat. Eine leitende Persönlichkeit der Palästine Ecconomic Corporation, die gemeinsam mit dem Jüdischen Nationalfonds Eigentümerin der Grundstücke an der Haifabucht ist, erklärte dem JTA-Vertreter gegenüber, die neue Verordnung könne nur so aufgefaßt werden, daß es jedermann freistehen soll, sich ungestraft der Besitzstörung schuldig zu machen, und daß die Polizei nur einzugreifen habe, falls es infolge dieser Besitzstörung zu Zusammenstößen kommt. Inzwischen fahren die Araber fort, auf dem in jüdischem Eigentum stehenden Gebiet vandalisch zu hausen. Es wurden bereits mehrere Tausend junge Bäume entwurzelt. Die Verzögerung der Errichtung der Ködoorie- Schule Protest des hebräischen Lehrerverbandes Jerusalem, 5. März. (JTA.) Der hebräische Lehrerverband Palästinas hat dem High Commissioner Sir John Chancellor ein Memorandum überreicht. in dem nachdriicklichst gegen die Verzögerung der Errichtung einer Ackerbauschule für Juden aus dem Legat des südafrikanisch-jüdischen Philanthropen Kadoorie protestiert wird. In dem Memorandum wird u. a. ausgeführt: Für die Araber wurde eine Ackerbauschule errichtet und steht seit langem in Betrieb. Araber, Angehörige eines Volkes, das über eine alte landwirtschaftliche Tradition verfügt, erhalten bereits Unterweisung in einer aus dem Gelde eines jüdischen Philanthropen errichteten Schule, während die eigenen Volksgenossen dieses Philanthropen die landwirtschaftliche Schulung benötigen, noch immer auf die ihnen versprochene Schule warten müssen. Weiters wird in dem Memorandum darauf hingewiesen, daß, abgesehen von der Verzögerung der Errichtung der jüdischen Schule aus der zweiten Hälfte der von Kadoorie für diesen Zweck hinterlassenen Mittel, mehrere 1000 Pfund aus dem jüdischen Anteil für die arabische Schule in Tulkarem verwendet wurden. Schließlich erklärt der Lehrerverband, er müsse, ohne den Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der Palästina- Regierung über diesen Gegenstand vorgreifen zu wollen, auf die baldige Errichtung der Schule und Wiederergänzung des geschmälerten jüdischen Anteils dringen. Die Klagemauerfrage Merkwürdige Haltung Dr. Scholems Jerusalem, 6. März. (JTA.) Im „Doar Hayom“ veröffentlicht A. Babkoff, einer der ältesten aktiven Zionisten von Tel Awiw, einen offenen Brief an Dr. David Yellin und Ben Zwi, die Mitglieder der Kommission, die mit der Abfassung des von jüdischer Seite der Internationalen Klagemauer-Kommission des Völkerbundes vorgelegten Memorandums betraut war. In dem offenen Briefe