Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 11 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Das Jüdische Echo Nr. 11 ben. Der Sache der jüdischen, der neuen jüdischen Wirklichkeit hat der Traumdeuter Levin, der zwar über Psychoanalyse gesprochen hat, aber alles andere ist als ein Analytiker, sicherlich viele neue Freunde gewonnen. h. Das Leben in zwei Welten Von der Zionistischen Ortsgruppe Nürnberg- Fürth wird uns geschrieben: In einer, von Herrn Dr. Liebstaedter geleiteten, öffentlichen Versammlung unserer Ortsgruppe sprach am Mittwoch, dem 4. März 1931, Herr Dr. Schmarjahu Levin über: „Das Leben in zwei Welten.“ Angesichts der Tatsache, daß die Zionistische Ortsgruppe Dresden in Nr. 16 der Jüdischen Rundschau bereits einen Bericht über den Inhalt dieses Vortrags veröffentlicht hat, glauben wir hierauf Bezug nehmen zu können. Wir wollen aber nicht unterlassen, auch an dieser Stelle festzustellen, daß der Vortrag bei der sehr gut besuchten Versammlung einen außerordentlich tiefen Nachhall gefunden hat. Er war für viele der Anwesenden ein Erlebnis im besten Sinn des Wortes. Charakteristisch ist folgende Besprechung im Achtuhr-Abendblatt: „Das Leben zwischen zwei verschiedenen Welten, so nannte Schmarjahu Lev.in sein Vortragsthema, über das er in der Zionistischen Ortsgruppe sprach. Das Thema hätte auch irgendwie anders heißen können, immer hatte Levin seine Rede zu einer Offenbarung gestaltet. Er ist ein von der Idee, vom Glauben an die Mission seines Volkes, vom Glauben an die zwangsläufige, ethische Entwicklung der Völker überhaupt, Besessener. Der Gedankengang, für den er Glauben und Mitempfinden warb, war etwa folgender: Die Menschen haben sich unter dem Zwang der Entwicklung Gesetze gegeben, die ihr Verhältnis zueinander regelten, und die Ausdruck in den zehn Geboten fanden. Die Völker hingegen leben miteinander noch vor der Offenbarung: sonst müßte auch ihnen Krieg, Mord, Unterdrückung und Ausbeutung anderer Völker Freiheitsberaubung bedeuten. Ein erster Versuch zur Regelung des Rechtes der Völker untereinander seien die 14 Punkte Wilsons und der Völkerbund. Lord Cecil sprach einmal den Satz aus: Vom Krieg sind nur zwei positive Dinge geblieben: der „Völkerbund und die Balfour-Deklaration. Jetzt, wo die Verständigung nicht mehr von Mensch zu Mensch, sondern von Volk zu Volk geschehen soll, gilt es für die Juden, sich durch den Palästinagedanken unter die Völker einzuordnen, und Levins sehnlichster Wunsch ist, eine jüdische Vertretung im Völkerbund zu erhalten. Er sagt: Ein Volk, an dessen Wiege nicht die Gewalt stand, sondern der Geist, ist berufen, in dieser Stunde der Menschheitsentwicklung, wie es einst bei der Gesetzentwicklung von Mensch zu Mensch voranging, auf die Gestaltung der Beziehungen von Volk zu Volk bedeutsam einzuwirken.“ * Herr Dr. Martin Rosenblüth, der gemeinsam mit Herrn Dr. Schmarjahu Levin nach Nürnberg gekommen war, berichtete am Donnerstag, dem 5. März, in einer Vorstandssitzung über den Stand der Keren-Hajessod-Arbeit in Deutschland. Die von ihm gegebenen Anregungen werden zu einer verstärkten Aufnahme der Arbeitstätigkeit in Nürnberg führen. Der Kartell-Tag des K. J. V. in Hamburg Hamburg, 3. März. (JTA.) Am 1. und 2. März fand in Hamburg der 11. Kartell-Tag des Kartells Jüdischer Verbindungen statt. ‘Das Kartell steht heute mit seinen mehr als 2000 Mitgliedern mit an der Spitze der jüdischen Akademiker-Organisationen der Welt. Zur Tagung waren Delegierte aus Berlin, Breslau, Danzig, Königsberg, Frankfurt am Main, Freiburg, Bonn, Köln, Basel, Leipzig, München, Riga, Hamburg, Heidelberg, Köthen erschienen. Die Eröffnung fand am Sonntag Vorabend durch eine öffentliche Kundgebung statt, bei der die Tagung von Rechtsanwalt David im Namen der Hamburger Jüdischen Gemeinde, von Dr. Minden im Namen der drei Bnei Brith-Logen und von Dr. Heppner im Namen der zionistischen Ortsgruppe begrüßt wurde. Das Referat des Abends hielt Dr. Gustav Krojanker über das Thema „Das dritte Reich unter jüdischen Gesichtspunkten“. Der Referent ging von der Entwicklung der parlamentarischen Demokratie und des liberalen Wirtschaftskapitalismus aus, die ihren scheinbaren Höhepunkt nach dem Kriege erreicht haben und die nunmehr in Deutschland durch die nationalsozialistische Welle abgelöst werden. Der Nationalsozialismus sei in erster Linie national eingestellt, bediene sich aber der sozialistischen Strömung der Gegenwart. Die Juden werden als Anhänger des demokratischen Regimes im politischen Leben und als ehemalige Objekte des Wirtschaftskapitalismus unter den Mühlsteinen der neuen Entwicklung zermahlen. Befreiung hiervon könne nicht durch Abwehrarbeit gebracht werden, sondern nur durch die wirtschaftliche und vor allem geistige Stärkung des jüdischen Menschen, der den Maßstab für sein Handeln in sich selbst finden muß. Die eigentliche Tagung eröffnete der Präsident des Kartells Dr. Egon Rosenberg, der den Geschäftsbericht erstattete. Im Anschluß an dieses Referat und zwei anderen Referate über die Aufgabe des Kartells entwickelte sich eine außerordentliche lebhafte Debatte, in deren Verlauf auch der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Herr Kurt Blumenfeld, das Wort ergriff. Im Anschluß daran fand die Neuwahl des Präsidiums statt. Zum Präsiden wurde Dr. Egon Rosenberg, zum Vizepräsiden Heinz Gerling gewählt. Dem Präsidium gehören außerdem an: Franz Brüll, Leon Chitzes, Theo Epstein, Paul Hirsch, Walter Katschke, Hans Klee, Joseph Obstfeld, Rodolf Spiewkowski, Hermann Tumpowsky und Hans Anton Wolf. Der zweite Tag brachte im Anschluß an ein Referat von Dr. Elias Auerbach eine ausgedehnte po- ' litische Debatte über die Lage des Zionismus und Palästinas. Als die wichtigsten Aufgaben für die kommende Zeit wurden die Organisierung der zionistischen Studentinnen, die Gründung von Schülerbünden und die stärkere Verknüpfung des Kartells mit den ausländischen zionistischen Studentenorganisationen bezeichnet. In diesem Sinne wurden auch Beschlüsse gefaßt. Die Tagung zeigte den entschlossenen Willen aller Teilnehmer zu verstärkter zionistischer Arbeit. Ver judungder Rntisemttenpresse Darüber lesen wir in der Wiener „Wahrheit“: Ist das möglich, wird der erstaunte Leser fragen, Verjudung der Antisemitenpresse? Wer’s