Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 10 (6.3.1931)
- Date
- 1931-03-06
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 155 Rückgang der jüdischen Bevölkerung der Schweiz Genf, 1. März. (JTA.) Nach den soeben erschienenen „Vorläufigen Ergebnissen der eidgenössischen Volkszählung vom 1. Dezember 1930“ gibt es in der Schweiz 18 478 Juden gegen 20 979 im Jahre 1920. Auf die einzelnen Kantone verteilen sie sich wie folgt: Zürich 6189, Bern 1554, Luzern 544, Uri 11, Schwyz 12, Obwalden 2, Nidwalden 6, Glarus 6, Zug 46, Fribourg 113, Solothurn 152, Basel Stadt 2596, Basel Land 197, Schaffhausen 63, Appenzell A.-Rh. 71, Appenzell I.-Rh. 4, St. Gallen 712, Graubünden 348,.Aargau 623, Thurgau 194, Tessin 219, Waadt 1756, Wallis 52, Neuenburg 683, Genf 2335. In den größten Städten beträgt die Anzahl: Zürich 5826, Basel 2586, Genf 2294, Bern 902, Lausanne 835 Juden. Die Abnahme der Juden in der Schweiz ist nach der Meinung des in Zürich erscheinenden „Israelitischen Wochenblatts für die Schweiz“ bedingt durch Abwanderungen nach dem Kriege, sowie durch die geringe Geburtenzahl. Reorganisation des Joint Distribution Committee New Y o r k, 22. Februar. (JTA.) Wie der Vizepräsident des Joint Distribution Committee, James N. Rosenberg, mitteilt, wird demnächst eine Neuorganisation des American Joint Distribution Committee erfolgen. Das American Joint Distribution Committee, dessen Präsident Felix M. Warburg ist, ist bekanntlich die größte jüdische Organisation für Wohlfahrtsarbeit in Europa. Seit dem Kriege hat diese Organisation für Hilfs- und Wiederaufbauarbeit unter den Juden in verschiedenen europäischen Ländern über 80 Millionen Dollar ausgegeben. Die Reorganisation soll nach dem neuen Statut, das von dem unter der Leitung von James N. Rosenberg stehenden Reorganisationskomitee entworfen wurde, in der Weise erfolgen, daß ein aus 250 hervorragenden Persönlichkeiten des jüdischen Lebens in den Vereinigten Staaten und in Kanada gebildeter „National Council“ ins Leben gerufen wird. Aus der Mitte des Councils soll ein 48gliedriger Ausschuß der Direktoren und ein 15gliedriges Executivkomitee gewählt werden. Die erste Tagung des Councils soll für Mitte März anberaumt werden. Aufgabe des neuen Councils wird es sein, das bestehende Programm für das wirtschaftliche und soziale Wiederaufbauwerk für die Juden Ost- und Mitteleuropas auszubauen. Der erste Obmann des Reorganisationskomitee war Louis Marshall, nach dessen Tode James N. Rosenberg zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Zu den Mitgliedern des Reorganisationskomitees gehören: Felix M. Warburg, Dr. Cyrus Adler, James A. Becker, David M. Bressler, David A. Brown und Hugli Grant Straus. Die philanthropischen Leistungen der amerikanischen Judenheit 35 Millionen Dollar Spenden von einer Million Dollar aufwärts im Jahre 1930 Neuyork, 24. Februar. (JTA.) Aus eben veröffentlichten amtlichen Aufstellungen geht hervor, daß von dem Gesamtbeträge von 142 082 670 Dollar, die im Jahre 1930 in den Vereinigten Staaten in Spenden von mindestens einer Million Dollar von Einzelpersonen und Stiftungen philanthropischen Zwecken zugeführt wurde, 35 470 020 Dollar oder 25 Prozent von jüdischen Persönlichkeiten und Institutionen stammen. Auch die drittgrößte und viertgrößte Spende des Jahres wurde von Juden gemacht: Maurice Falk hat 10 Millionen, der verstorbene Conrad Hubert 7 750 000 Dollar im Jahre 1930 philanthropischen Zwecken gewidmet. Nachstehend die Liste der jüdischen Persönlichkeiten, die im Jahre 1930 Spenden von einer Million Dollar und darüber für wohltätige Zwecke gemacht haben: Max Adler (eine Million Dollar für ein Planetarium in Chicago), Louis Bamberger und Frau Felix Fuld (5 Millionen Dollar für ein Institut für höhere Studien in Newark), Max Epstein (eine Million Dollar für ein Kunstmuseum an der Universtät Chicago), Maurice Falk (10 Millionen für die Pittsburgher Wohlfahrtsstiftung), Daniel Guggenheim (l1 A Millionen letzwillig für die Daniel und Florence Guggenheim-Stiftung), Conrad Hubert (8 750 000 Dollar letztwillig für sieben verschiedene Wohlfahrtszwecke), Ralph Jonas (eine Million Dollar für die Vereinigten jüdischen Wohlfahrtsorganisationen von Neuyork und Brooklyn), Jules Mastbaum (2 Millionen für das Rodin-Museum in Philadelphia), Harry H. Meyer (2 470 220 Dollar letztwillig für das Montefiore-Spital in Pittsburgh und das Mount Sinai-Spital in Neuyork), Julius Rosenwald (2 550 000 Dollar für drei Wohlfuhrtszwecke) und Morris Schitiasi (eine Million Dollar letztwillig für ein Spital in Konstantinopel). Die Eröffnung des Jordan-Kraftwerkes verzögert Beschädigung durch Hochwasser Jerusalem, 18. Februar. (JTA.) Infolge von Wolkenbrüchen im Hauran-Gebiet ist im Jarmuk plötzlich Hochwasser cingetreten. Die reißenden Fluten haben den Zuleitungs-Obergraben des Ruthenberg-Kraftwerkes in einer Breite von 30 Metern durchbrochen und den äußeren Transformator der Station beschädigt. Dadurch wird die Eröffnung des Kraftwerkes etwas verzögert werden. Wie das Londoner Büro der Palestine Electric Corporation (Ruthenberg Company) der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitteilt, ist der angerichtete Schaden verhältnismäßig geringfügig. Die Eröffnung des Jordankraftwerkes dürfte keine beträchtliche Verzögerung erleiden. Das Programm der Verwertung der palästinensischen Wasserkräfte zur Erzeugung von elektrischem Strom sieht in seinem ersten Teile die Verwertung des 50 Meter Gefälles zwischen dem Tiberias-See und Jisr el Mejamieh vor. Diese Strecke wird in zwei Teile geteilt, ein Kraftwerk wird bei Jisr, ein zweites bei Abadieh errichtet. Für das erste Jordankraftwerk wurde bei Delhamieh ein Staudamm errichtet, der das Wasser bis zu einer Tiefe von 6 Metern aufstaut. Ein zweiter Staudamm soll bei den Wasserfällen des Jarmuk, des größten Nebenflußes des Jordan errichtet und dadurch ein großes Staubecken mit einer Tiefe von 8 Metern geschaffen werden. Zu diesem Zwecke wurde das provisorische Jarmukreservoir gebaut. Ein etwa zwei Kilometer langer Kanal leitet das Jordan-Wasser in das Druckreservoir von Jisr el Meiamieh. Der erste Teil der Wasserbauten ist so gut wie vollendet. In allernächster Zeit wird bereits Elektrizität nach Haifa geleitet werden. Etwas später wird die Hochspannungsleitung in den Distrikt von Jaffa fertiggestellt. Sobald der Strombedarf annähernd die Höchstgrenze der Leistungsfähigkeit des ersten Kraftwerkes erreicht haben wird, soll das zweite Kraftwerk in Abadieh gebaut werden. Im Bedarfsfälle wird noch ein drittes Kraftwerk nördlich des Tiberial-Sees zur Ausnutzungg des auf der kurzen Strecke zwischen Merom-See und Tiberias-See 200 Meter starken Jordan-Gefälles errichtet werden.