Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 10 (6.3.1931)
- Date
- 1931-03-06
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 153 werden gesondert behandelt. Marcus kommt zu dem Ergebnis, daß die Umformungen wirtschaftlicher Art, welchen der Kern des jüdischen Bürgertums in Deutschland gegenwärtig unterliegt, keine Folge von bloßen Konjunkturerscheinungen sind; sie sind vielmehr objektiv und subjektiv bedingt durch den Verlust der „zusätzlichen wirtschaftlichen Leistung“, welche die deutschen Juden in einer Wirtschaftsepoche für sich in Anspruch nehmen konnten, die nicht wie die heutige ihr Ziel in der Organisierung und Kollektivisierung des wirtschaftlichen Geschehens erblickt. Dieser Verlust nun hat auf der anderen Seite zur Folge eine „zusätzliche wirtschaftliche Krise“, die wiederum eine starke Steigerung der Assimilationstendenz auf kulturellem und geistigem Gebiet in sich trägt. Wir werden das Buch nach seinem Erscheinen an dieser Stelle noch eingehend besprechen. Aus der jüdischen Well Hauptversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Berlin, 26. Februar. (JTA.) Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hielt am Mittwoch, dem 25. Februar, im Logenhaus zu Berlin ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Legationsrat Prof. M. Sobernheim, gedachte zunächst der im Berichtsjahre verstorbenen hervorragenden Mitglieder der Gesellschaft und erstattete sodann den Rechenschaftsbericht, aus dem hervorging, daß die Gesellschaft infolge der schwierigen ökonomischen Lage einen Mitgliederabgang von 113 Personen zu verzeichnen hat. Dagegen konnten durch die Werbearbeit 130 neue Mitglieder gewonnen werden, so daß am Ende des Berichtsjahres der Mitgliederstand 1649 betrug. Nach einem Berichte des Revisors, Herrn Siegfried Elle, wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden die bisherigen Ausschußmitglieder wiedergewählt. Im Anschluß an die Hauptversammlung hielt Dozent Dr. Harry Torczyner einen Vortrag über das Thema „Die Bibel und die Literaturen des alten Orients“. Das Schuldbudget der Frankfurter israelitischen Gemeinde Frankfurt, a. M„ 23. Februar. (JTA.) In der letzten Sitzung des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde wurde der etatmäßige Zuschuß für das gesamte Schulwerk für 1931/32 mit 288 000 RM. mit der Maßgabe bewilligt, daß durch die bevorstehende Herabsetzung der Beamtengehälter eine Subventionsverminderung eintreten kann. Die Maßnahme über Abbau des Philanthropins wurden für 1931/32 zurückgestellt. Gegen antisemitische Provokationen in der Staatsbibliothek und in den Museen Berlin, 16. Februar. (JTA.) In einer kleinen Anfrage eines Landtagsabgeordneten wurde darauf hingewiesen, daß in der letzten Zeit wiederholt in der Staatsbibliothek mit Hakenkreuzen versehene Personen die Besucher der Bibliothek belästigt und an der Ausführung ernster Arbeit gehindert hätten. Ähnliche Vorgänge würden aus einigen Museen gemeldet. Das Staatsministerium wurde gebeten, das Verbot des Tragens von Parteiabzeichen in den Schulen und anderen Bildungsanstalten auch auf die Staatsbibliothek und ähnliche Einrichtungen auszudehnen. Das Staatsministerium hat geantwortet, daß die in dem Runderlaß des Ministers des Innern vom 11. Juni 1930 niedergelegten Bestimmungen auch hinsichtlich der in der Anfrage genannten Staatsanstalten ausreichend sind; gegen provokatorisches Verhalten werde eingeschritten werden. Rechtsausschuß des Braunschweigischen Landtages nimmt Schächtverbot an Braunschweig, 23. Februar. (JTA.) Im Rechtsausschuß des Braunschweigischen Landtages wurde der nationalsozialistische Antrag, das betäubungslose Schächten von Schlachttieren zu verbieten, einstimmig angenommen. Der Antrag wurde neu formuliert und lautete: das Staatsministerium wird ersucht: 1. baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den bei der Tötung von Schlachttieren ein möglichst humanes Verfahren zwingend vorgeschrieben und das betäubungslose Schächten von Tieren verboten wird, und 2. die Reichsregierung zu veranlassen, für das ganze Reich geltende Bestimmungen im Sinne der Ziffer 1 zu erlassen. Verfassungsrechtlicher Konflikt zwischen österreichischer Regierung und den jüdischen Gemeinden Wien, 23. Februar. (JTA.) Der latente Konflikt zwischen der österreichischen Bundesregierung und den jüdischen Gemeinden in der Frage der Subventionierung des jüdischen Kultus hat nunmehr dadurch eine Verschärfung erfahren, daß das Parlament das Staatsbudget verabschiedet hat, ohne daß die Bedürfnisse des jüdischen Kultus in dem Budget irgendwie berücksichtigt worden sind. Der Verband der jüdischen Gemeinden Österreichs sandte der Regierung ein Schreiben, in welchem nachhaltiger Protest dagegen erhoben wird, daß das in der Verfassung verankerte Gesetz der konfessionellen Gleichberechtigung gegenüber den jüdischen Gemeinden nicht respektiert wird. In dem Schreiben wird die Einbringung eines speziellen Gesetzes über Subventionierung des jüdischen Kultus gemäß den Staats- und Friedensverträgen sowie nach dem Grundsatz der konfessionellen Gleichberechtigung gefordert. Nach Erhalt dieses Schreibens hat Kultusminister Czermak das Präsidium der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde zu mündlichen Verhandlungen eingeladen, die in diesen Tagen stattfinden werden. Es verlautet, daß sich neue Schwierigkeiten dadurch ergeben haben, daß der Bundeskanzler Ender sich gegen eine Pausclial-Subventionierung des jüdischen Kultus ausgesprochen hat und sich nur zu fallweisen Unterstützungen notleidender Einzelgemeinden verstehen will. Der Verband der Gemeinden lehnt ein solches Angebot entschieden ab, weil das System einer Notunterstützung der Regierung eine Handhabe bieten wird, eine Kontrolle über die Gemeindeverwaltungen auszuüben, was einer Schmälerung der Gemeindeautonomie gleichkommt. Jahreskonferenzen der österreichischen Misrachisten und Revisionisten Wien, 27. Februar. (JTA.) In den ersten Tagen der letzten Februar-Woche wurden in Wien die Jahreskonferenzen der österreichischen Misrachisten und Zionisten-Revisionisten abgehalten. Auf der Misrachi-Tagung, an der auch das Mitglied der Weltleitung, Rabbi Fishman aus Palästina teilnahm, wurde u. a. über die Gründe des