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Das jüdische Echo · 1931-03-06 · 10 (6.3.1931) · p. Seite 152

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
10 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 Bas Jüdische Echo Nr. 10 Die Repräsenlantenversammlung erledigte ein ungemein reichhaltiges Arbeitspensum. Bei einzelnen Punkten der Tagesordnung kam es zu lebhaften Erörterungen grundsätzlicher Art. Lebhaftem Interesse begegnete ein von der Fraktion der Jüdischen Volkspartei eingebrachter Antrag, der Vorstand der Jüdischen Gemeinde möge nach dem Muster der von der Essener Gemeinde für nicht jüdische Kreise veranstalteten Aufklärungsvorlräge noch in diesem Winter einen ähnlichen Aufklärimgszyklus für Berlin abhalten. Einladungen zu diesen Vorträgen sollen an weite nichtjüdische Bevölkerungskreise, u. a. an das Reichsbanner, die freien und christlichen Gewerkschaften gehen, darüber hinaus auch an rechtsstehende Gruppen. Zweck der Vorträge soll sein, darzulegen, daß Geheimlehren im Judentum ebensowenig bestehen wie — nach allgemein ethischen Begriffen — unmoralische Gebote des Talmud. Darüber hinaus könnte ein Grundriß der jüdischen Lehre und ihrer Auswirkungen auf die Menschheitskultur unter Berücksichtigung insbesondere der Wirtschaflsethik des Judentums gegeben werden. Der Antrag wurde von Ministerialrat Hans Goslar (Volksp.) begründet, der u. a. auch auf die Bedeutung des Rundfunks für die Aufklärung über jüdische Probleme hinwies. Dr. Kurt Fleischer (lib.) erinnerte daran, daß die liberale Fraktion am 12. Dezember einen ähnlich lautenden Antrag eingebracht habe. Die angeregte Aufklärung dürfe sich nur auf rein religiöse Themen erstrecken, während die politische Abwehr anderen Faktoren überlassen bleiben müsse. Als Ort für die Aufklärungsvorlräge, die tunlichst an Sonntagen gehalten werden sollen, kämen nur die großen Synagogen in Betracht. Auf Vorschlag von Dr. Klee wurden die Herren Ministerialrat Goslar und Dr. Fleischer beauftragt, sich zum Zwecke der Vorbereitung dieser Aufklärungsaktion mit dem Gemeindevorstand ins Benehmen zu setzen. Auf Anfragen der liberalen Fraktion bezüglich des Etats für 1931 und der Vorlage einer gemeindlichen Vermögensaufstellung gab Dr. Elbogen eine Reihe von Ersparungsmaßnahmen bekannt, die vom Gemeindevorstand getroffen werden sollen. Hierzu regte Herr Moritz Rosenthal (lib.) die Gründung eines Vereins der Freunde der Anstalten der Jüdischen Gemeinde an, dessen Ziel es sein soll, eine Steigerung der Eingänge herbeizuführen. Ferner trat er für Reduktion des hebräischen Sprachunterrichts und Übernahme der jüdischen Volksschulen durch die Berliner Sladtgemeinde ein. Namens des Gemeindevorstandes erklärte Direktor Ivareski, die Gemeinde sei bemüht, Ersparnisse durch stärkere Heranziehung der verpflichteten Lastenlräger für Waisenpflege und Altersfürsorge zu erzielen. Die Ausgaben für den hebräischen Unterricht seien nur ganz unwesentlich gestiegen. Bei aktiver Unterstützung durch die Vertreter der Liberalen hätten auch die Verhandlungen bezüglich Gewährung eines Beitrages für die Schulen der Jüdischen Gemeinde seitens der Stadtgemeinde Berlin einem Abschlüsse näher gebracht werden können. Schließlich sagte Direktor Kareski die Vorlage einer Aufstellung des Vermögens der Jüdischen Gemeinde bei der Sitzung der nächsten Repräsenlantenversammlung zu. Über die Schulfragen entwickelte sich nun eine längere Debatte, in der Rosenthal den Standpunkt vertrat, es müsse nicht auf die Gewährung eines Zuschusses seitens der Gemeinde, sondern auf eine Übernahme der Schulanslallen durch diese hingewirkt werden. Die vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Erwägung gezogene Umwandlung der Mittelschulen der Jüdischen Gemeinde in höhere Schulen sei, abgesehen vom prinzipiellen Bedenken, schon deswegen nicht möglich, weil der jetzige Lehrkörper bei Umwandlung der Schulen in höhere Schulen nicht mitübernommen werden könnte. Rechtsanwalt Dr. Kollenscher (Vorstand) erklärte, die Stadl habe es bisher strikte abgelehnt, die Schulen zu übernehmen, es sei auch nicht zu erwarten, daß sie sich späterhin dazu bereit erklären wird, da sie gesetzlich hierzu nicht verpflichtet ist. Wohl aber bestehe die Möglichkeit, für die Schulen das Öffentlichkeilsrecht und entsprechende Beiträge seitens der Gemeinde zu erlangen. — An der Aussprache beteiligten sich noch Ministerialrat Goslar, Direktor Gutlmann u. a. m. Neben Beihilfen für verschiedene Zwecke wurde der Zentralwohlfahrlsstelle der deutschen Juden eine Subvention von 15 000 RM. bewilligt. Ferner wurde der Kostenanschlag für die innere Einrichtung und die Terrain- und Gartenanlagen des Altersheims in Schmargendorf zur Kenntnis genommen. Am Schluß der Sitzung gab es anläßlich einer Anfrage der liberalen Fraktion über den Stand der eingebrachten Walilproleste eine lebhafte Auseinandersetzung, in der von liberaler Seite der Jüdischen Volkspartei der Vorwurf gemacht wurde, daß sie nach der letzten Wahl Wahlproteste eingebracht habe, obwohl Dr. Klee im Jahre 1922 es als unvereinbar mit dem jüdischen Sclbslbewußtsein bezeichnet habe, in jüdischen Angelegenheiten die Intervention Außenstehender in Anspruch zu nehmen. Demgegenüber erklärte Dr. Klee, daß die Wahlproteste nicht von der Jüdischen Volkspartei ausgegangen seien. Während der zeitweilig äußerst stürmisch verlaufenen Debatte kam auch die Frage der Finanzierung eines Lehrstuhls an der Hebräischen Universität in Jerusalem durch die Jüdische Gemeinde zur Sprache. Die Liberalen kündigten an, daß sie in der kommenden Periode die Einschränkung des Schulwerks und die Streichung der Ausgaben finden LelirstuhJ an der Hebräischen Universität durchsetzen würden, während von Seiten der Vertreter der Jüdischen Volkspar lei darauf hingewiesen wurde, daß die Finanzierung des Lehrstuhls an der Universität Jerusalem auf Grund einer Parteienvereinbarung vom Gemeindevorstand einstimmig beschlossen wurde und keinesfalls bloß für eine einzige Legislaturperiode gedacht war. Die wirtschaftliche Krise der deutschen Juden Unter diesem Titel erscheint in einigen Tagen im Verlage von Georg Stilke, Berlin NW 7, ein Buch von Dr. Alfred Marcus. Marcus hat sich durch eine Anzahl größerer Veröffentlichungen auf volkswirtschaftlichen Fachgebieten bereits einen Namen gemacht und geht nun jetzt daran, an Hand einer sehr eingehenden Untersuchung die Gründe für den besonders krisenhaften ökonomischen Zustand des jüdischen Bürgertums in Deutschland darzulegen, hieraus aber auch die entsprechenden Folgerurgen zu ziehen. Die Untersuchung stützt sich auf ein sehr umfangreiches Zahlenmaterial, welcnes die Verhältnisse bis in das Jahr 1930 hinein berücksichtigt und eingehend genug ist, um den Grad and aas Tempo der Herausdrängung des selbständigen jüdischen Kaufmanns und Gewerbetreibenden aus den wichtigsten Wirtschaftsgruppen erKennen zu lassen. AD solche betrachtet Marcus den Metall handel, das B a n k g e w e r b e, die T e x t i 1 w i r t s c ha f t und den Getreide handel. Die Berliner Verhältnisse, die ja für annähernd den dritten Teil des deutschen Gesamtjudentums maßgebend sind,

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