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Das jüdische Echo · 1931-03-06 · 10 (6.3.1931) · p. Seite 151

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
10 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 151 oder in die Exekutive der Zionistischen Organisation sind ohne Grundlage. Die Misrachi-Vertreter haben mit ihrem Austritt aus der Exekutive jede Verantwortung für die politische Arbeit derselben von sich getan. Es sei auch die herrschende Meinung in den Kreisen des polnischen Misrachi, daß Dr. Weizmann kein Recht gehabt hat, den Brief MacDonalds zu akzeptieren; dieser Brief enthalte, — außer einigen Zutaten — nichts, was die Gemüter beruhigen oder die Arbeit in Palästina erleichtern könnte. Berlin, 1. März. (JTA.) Dr. Oskar Wolfsberg berichtet in der „Jüdischen Rundschau“ abermals über die energischen Bemühungen des deutschen Misrachi, Lazarus Barths Verbleiben in der Exekutive durchzusetzen und die Wiederherstellung der Koalition, d. h. den Wiedereintritt des Misrachi, herbeizuführen. Dem deutschen Misrachi kam es darauf an, in so entscheidenden Momenten die Mitverantwortung eines so großen und bedeutenden Teils der zionistischen Welt, wie es der Misrachi ist,- und die Mitarbeit seiner Vertreter in der Exekutive zu sichern. Diese Bemühungen führten dazu, daß Herr Farbstein, der Vorsitzende der Misrachi-Fraktion, für den 8. Februar eine Konferenz der misracliistischen AC.-Mitgliede'r, die in Europa weilten, einberief, zu der die Landeszentrale des deutschen Misrachi eingeladen war. Diese entsandte die Herren Max J. Kober und Dr. 0. Wolfsberg nach Warschau. Das Ergebnis der Sitzung in Warschau war völlig negativ, das Resultat niederschmetternd. Die Argumente des deutschen Misrachi fanden kaum die Beachtung, die sie beanspruchen durften. So blieb nichts anderes als die endgültige Demission auch Lazarus Barths übrig. Blutbeschuldigung in Palästina „Felestin“ eröffnet die Hetzkampagne — Colonel Kisch fordert behördliches Einschreiten — Untersuchung eingeleitet Jerusalem, 2. März. (JTA.) Die arabische Zeitung „Felestin“ veröffentlicht unter dem Titel „Arabische Kinder von einem jüdischen Verbrecher gestohlen. Wurde die Tat zum Zwecke der Blutentnahme verübt?“ eine Notiz, durch die zum ersten Male in Palästina und zum ersten Male im vorderen Orient seit der Ritualmordaffäre von Damaskus öffentlich die Blutbeschuldigung gegen die Juden erhoben wird. In der Notiz wird mitgeteilt, ein arabischer Gemüsehändler namens Mahmud Ahmed al Sayed habe, als er am Sonnabend, den 28. Februar, abends, nach Jaffa kam, in der Nähe der Regierungsschule den Juden Omar Levi getroffen, der einen weiten Mantel trug, unter dem er anscheinend einen größeren Gegenstand verbarg. Sayed habe Verdacht geschöpft und habe, als er sich dem Juden näherte, die Stimmen schreiender Kinder gehört. Auf Sayeds Aufforderung gab der Jude einen Knaben und ein Mädchen, Kinder von Said Almadhoun, frei. Er war sehr erschrocken und behauptete, er habe die Kinder bloß zu seinem Vergnügen spazierengeführt. Al Sayed veranlaßte die Verhaftung Omar Levis. „Felestin ‘ knüpfte an diesen Bericht, der angeblich seinem Herausgeber von dem arabischen Gemüsehändler persönlich übergeben wurde, die Vermutung, daß Levi die Kinder, die in letzter Zeit in Haifa und in anderen Orten verschwunden si.id, gestohlen hat. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Golonel Kisch, beim Chefsekretär Young vorgesprochen und ein behördliches Einschreiten gegen die arabische Zeitung wegen Verbreitung dieser gefährlichen Verleumdung gefordert. Die Frage wird vermutlich vom High Commissioner selbst im Executivrat der Regierung zur Sprache gebracht werden. Inzwischen hat Chefsekretär Young die Jaffaer Behörden angewiesen, Nachforschungen über den in der Notiz des „Felestin“ behaupteten Vorfall einzuleiten und insbesondere festzustellen, ob tatsächlich ein Mann namens Omar Levi verhaftet wurde. Blutbeschuldigung auch in Oran Paris, 27. Februar. (JTA.) Vor einiger Zeit wurde in der algerischen Stadt Oran, dem Zentrum der antisemitischen Bewegung in Algier, wo es infolge der andauernden Hetzkampagne des von dem verstorbenen Bürgermeister von Oran, Abg. Molle, begründeten Blattes „Le Petit Oranais“ schon wiederholt zu antisemitischen Unruhen gekommen ist, der Jude Teboul, seine Gattin und seine Schwiegermutter unmittelbar nach dem Tode seiner Schwägerin Juliette Torjman verhaftet. Gegen Teboul wird die Beschuldigung des Ritualmordes erhoben. Die Untersuchung wird von den Behörden durchaus im Sinne dieser Beschuldigung geführt. Das Gericht ist bemüht, Beweismaterial gegen den angeblichen Ritualmörder zu ei langen. Während Tebouls Gattin und seine Schwiegermutter bereits auf freien Fuß gesetzt wurden, ist Teboul, wie die lokale Presse meldet, im Gefängnis schwersten Mißhandlungen ausgesetzt. Er wurde wiederholt bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. Als er sich nach einer Mißhandlung krank meldete, wurde ihm die Aufnahme ins Spital vom diensthabenden Arzt mit der Erklärung, es fehle ihm nichts, verweigert. Die nichtantisemitischen algerischen Zeitungen machen den Behörden den Vorwurf, daß sie sich von mittelalterlichen Vorurteilen leiten lassen und sich in diesem Falle über den Grundsatz menschlicher Behandlung der Gefangenen völlig hinwegsetzen, obwohl keinerlei Beweise gegen Teboul vorliegen. Die Blutbeschuldigung gegen Teboul und das eigenartige Verhalten der Behörden haben in der jüdischen Bevölkerung von Oran tiefe Beunruhigung hervorgerufen. Sitzung der Repräsentanten Versammlung der jüdischen Gemeinde Berlin Berlin, 20. Februar. (JTA.) Am Donnerstag, den 19. Februar, trat die Repräsentantenversammlnng der Jüdischen Gemeinde Berlin zu einer Sitzung zusammen, die der stellvertretende Vorsitzende Herr Dr. Alfred Klee an Stelle des erkrankten Vorsitzenden Herrn Geheimrat Dr. J. Stern eröffnete. Vor Eingang in die Tagesordnung sprach Dr. Klee warme Worte des Gedenkens für die in letzter Zeit verstorbenen hervorragenden Mitglieder der Gemeinde, den ehemaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Kommerzienrat Gerson Simon, den Vorsitzenden des Wohlfahrts- und Jugendamtes und früheren langjährigen Vorsitzenden der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden Eugen Caspary und Frau Lucie Prinz, die Gattin des Rabbiners Dr. Joachim Prinz.

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