Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 10 (6.3.1931)
- Date
- 1931-03-06
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 149 bei Simpson und die Zahl des durchschn. Mitgliederbestandes einer Familie in vollem Widerspruche zu den offiziellen Angaben der Palästinaregierung (Jolmson-Crosbie-Bericht usw.) stehen. Granowsky kommt zu dem höchst wichtigen Ergebnis, daß die Gesamtzahl der arabischen Bauernfamilien, die Simpson seiner Berechnung des im Durchschnitt auf jede Familie entfallenden Landbesitzes zugrunde legt, um 8468 Familien zu hoch angenommen ist! Nach derselben Methode sind die anderen Ziffern Simpsons errechnet: während er selbst angibt, daß bei nicht bewässerbarem Lande 100 bis 130 Dunam für eine Familie erforderlich sind, daß, wenn die Hälfte des Bodens bewässerbar ist, 40 Dunam erforderlich sind und bei ganz bewässerbaren Terrains 15—20 Dunam nötig sind, geht er bei seiner Berechnung davon aus, daß sämtliche Familien 130 Dunam zum Leben brauchen, in welchem Bezirke sie auch wohnen. Ohne die Einzelheiten von Granowskys sehr interessanten Ausführungen hier wiedergeben zu wollen, verzeichnen wir nur das Resultat, wonach für die palästinensischen Araber statt der von Simpson berechneten 8 000 000 Dunam nur 5 686 405 Dunam erforderlich sind und schon daraus sich für 48 000 bis 55 000 jüdische Lamilen Ansiedlungsmöglichkeiten ergeben. Wir haben den Inhalt der ersten drei Kapitel von Dr. Granowskys Buch mit etwas größerer Ausführlichkeit wiedergegeben, weil es sich hier um die Kerngedanken des Simpsonschen Berichtes handelt, die widerlegt werden. Wir wollen aus dem weiteren Inhalt seines Buches nur noch auf einige Gedankengänge besonders aufmerksam machen. Das 8. und 9. Kapitel ist den beiden Vorwürfen gewidmet, die Simpson gegen die Prinzipien des Keren Kajemeth erhoben hat, nämlich der Unveräußerlichkeit seines Landes und dem Prinzip der jüdischen Arbeit. Granowsky zeigt, wie falsch es ist, die berechtigten Bedenken, die man gegen den Besitz der Toten Hand hat, auf das Keren-Kajemeth-Prinzip anzuwenden, das im Gegenteil in vollem Einklang mit den Anschauungen steht, die heute in den forgeschrittensten Ländern bestehen: man gibt dem Bodenbebauer das volle Recht zur Benutzung und zum Fruchtertrag, behält aber dem Staat ein Obereigentum vor, um spekulativen Mißbrauch des Landes zu verhüten. Charakteristisch für Simpson ist, daß er das mohammedanische Wakf-Land, gegen das sehr ernste Bedenken hätten geltend gemacht werden können, nicht erwähnt. Granowsky zeigt, daß, während man etwa im englischen Australien mit allen Mitteln die billigere ostasiatische Arbeit bekämpft, man es in Palästina den Juden verübeln will, daß sie auf ihrem eigenen Boden und mit ihren eigenen Mitteln Juden beschäftigen wollen. Von großer Wichtigkeit ist das 6. Kapitel des Buches, worin der bekannte Vorwurf der Schaffung einer arabischen landlosen Klasse durch die jüdische Kolonisation ziffernmäßig beleuchtet wird. Hier findet sich die genaue Zahl der durch die jüdische Kolonisation im Ernek „vertriebenen“ Pächter, die Entschädigungsbeträge, die ihnen vom Keren Kajemeth bezahlt wurden, sowie der genaue Nachweis, wras aus ihnen geworden ist, wobei sich ergibt, daß der weitaus größte Teil auch heute landwirtschaftlich tätig ist und die im Durchschnitt pro Familie gezahlte Entschädigungssumme von 39 pal. Pfund fast vollkommen ausreicht, um einen Fellachen neu anzusiedeln. Mit Recht betont Granowsky, daß der Bodenkäufer nicht für das Schicksal der Pächter verantwortlich gemacht werden kann, sondern daß dieses die Aufgabe der Landesregierung — oder, möchten wir hinzufügen, des bisherigen Bodenbesitzers — ist. Im Schlußkapitel des ersten Teiles bespricht Granowsky den von Simpson angedeuteten „Development Scheme“, zeigt die Schwierigkeiten, die sich dem Plan in der Simpsonschen Auffassung entgegenstellen würden und gibt Mittel an, wie der Notlage der Fellachen in einer ganz anderen Weise gesteuert werden könnte, wobei zugleich die jüdischen Kolonisationsinteressen geschützt werden würden. Mit diesem Kapitel steht der zweite Teil des Buches im Zusammenhang, worin Granowsky den Gedanken kritisiert, in Palästina durch ein Gesetz die Unverkäuflichkeit des Fallachenbodens festzulegen, wie angeblich von der Regierung beabsichtigt wird. Durch Vergleich mit Indien zeigt der Verfasser, daß Gesetze dieser Art niemals in der Wirklichkeit durchgeführt werden können und daß ihr bloßes Bestehen dem Fellachen jede Möglichkeit, Kredit zu erhalten, nehmen würde. Auch hier beschränkt sich Granowsky nicht auf die bloße Kritik, sondern er zeigt, wie etwa das ägyptische 5-Fedan- Gesetz, das den Zwangsverkauf eines bestimmten Bodenminimus verbietet, sinngemäß auf Palästina angewandt, dem Fellachen weit eher helfen würde. Er erörtert zugleich, sich hierbei mit den Vorschlägen Stricklands berührend, andere Möglichkeiten, wie die Fellachen aus der Hand der Wucherer befreit und zur Intensivierung ihrer Wirtschaft angehalten werden können. Wir haben uns damit begnügen müssen, einen kleinen Teil der zugleich kritischen und konstruktiven Gedankengänge Granowskys dem Leser vorzuführen. Hoffentlich wird dieses Buch dazu beitragen, die unheilvolle Wirkung des Simpson- Berichtes aufzuheben und in der öffentlichen Meinung, bei Nichtjuden und Juden, den Glauben an die Möglichkeit und an die Gerechtigkeit des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina zu bestärken. Dr. Lritz Löwenstein. Wirkungen des Macdonald-Briefs Ein Statement der Zionistischen Organisation Amerikas N e u y o r k , 2. März. (JTA.) Das Administrative Committee der Zionistischen Organisation Amerikas hat am Montag, dem 16. Februar, zur neuen englischen Regierungserklärung Stellung genommen und nach längerer Debatte ein Komitee eingesetzt, das gemeinsam mit dem amerikanischen Komitee der Jewish Agency eine Resolution über die Regierungserklärung ausarbeiten sollte. Dieses Komitee hat nunmehr seine Arbeiten abgeschlossen. Die Ergebnisse seiner Beratungen liegen in einem vom Administrative Committee veröffentlichten Statement vor. In dem Statement wird erklärt, der Brief des Ministerpräsidenten Mac Donald stelle hinsichtlich seines gesamten Tones und der in ihm enthaltenen Würdigung für die Leistungen der Juden in Palästina, sowie durch die Anerkennung der Verbundenheit des gesamten jüdischen Volkes mit Palästina einen Fortschritt gegenüber dem Weißbuch vom Oktober 1930 dar. Vieles jedoch, was einer Erklärung bedarf, werde in dem Briefe vermißt, so daß ein endgültiges Urteil über dieses Dokument erst möglich sein wird, wenn die Konklusionen bezüglich anderer Phasen der britischen Po-