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Das jüdische Echo · 1931-03-06 · 10 (6.3.1931) · p. Seite 148

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
10 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 Das Jüdische Echo Nr. 10 Volk besser kennt als die Redakteure der großen „Judenblätter“, schildert das Wesen und die Entwicklung des Nationalsozialismus. Er untersuchte, welche Programmpunkte die Nazis mutmaßlich aufgeben würden, um zur Macht, die sie so inbrünstig erstreben, zu gelangen. Hierbei kommt er zu Schlüssen, die von jüdischer Seite, das heißt, um genauer zu sein, von positiv-jüdischer Seite, also von Zionisten, seit jeher als einzig bündig bezeichnet wurden. Friedrich von Unruh sagt, daß die Nazis mit sich, sowohl außenpolitisch, wie auch wirtschaftspolitisch werden reden lassen, wenn die Frage ihrer Regierungsbeteiligung akut werden sollte. In der Judenfrage aber gibt es für die Nazis keinerlei Umkehr. Denn das ist Herzenssache und das ist eines der Hauptmittel, mit denen sie ihren Parteiaufstieg bewerkstelligt haben. Man könnte auch hinzufügen, daß in dieser Hinsicht weder ihre Regierungspartner in der Zukunft, noch das Ausland eine conditio sine qua non erblicken werden. Man wird den Nazis ihr außenpolitisches Programm und ihre wirtschaftlichen Phantastereien nicht durchgehen lassen, wenn man sie als Partner oder als Förderer eines neuen Regierungskurses aufnehmen wird. Ihren Antisemitismus aber wird man mit dem Schleier milden Erbarmens bedecken und aus der Rassentheorie keinen Casus belli machen. Warum das so ist, warum das so kommen kann? Weil das Judenproblem in Deutschland nur für die Juden das zentrale Problem, für die Nichtjuden jedoch eine mehr oder weniger wichtige, zumeist aber eine unwichtige Nebensache ist. Wer sich in Deutschland als Antisemit betätigt, bewegt sich auf der Linie des geringsten Widerstandes. Kein Wunder! Denn bei aller Würdigung der Bedeutung der Juden, sie bilden doch nur ein Prozent der Bevölkerung. Und es ist ein Unglück, eine verschwindende, einerlei durch welche Merkmale immer unterscheidbare Minderheit zu sein. m.w. * * * Der Ausfall der Braunschweiger Kommunalwahlen, die am letzten Sonntag stattgefunden haben, hat erneut mit aller Klarheit gezeigt, daß es zunächst vergeblich ist, auf den Rückgang oder gar den Zerfall der Nationalsozialistischen Partei zu hoffen. Ihre Stimmen haben sogar noch zugenommen; die bürgerlichen Parteien sind nahezu vollständig aufgerieben worden. Die Tatsache allein, daß die Nationalsozialisten an der Macht sind, hat ihnen sicherlich viele neue Wähler zugeführt, die bei den Nationalsozialisten den Erfolg wittern, allerdings ist es ihnen nicht gelungen, die sozialistischen Parteien entscheidend zu schlagen; was immerhin auch für die Zukunft eine gewisse Gewähr dafür bietet, daß es im Reich zum Schlimmsten nicht kommen wird. Simpsons Boden-Bericht unter der Lupe Die Tatsache, daß das Paßfieldsche Weißbbuch und der Bericht von Sir John Hoppe-Simpson zu gleicher Zeit veröffentlicht wurden und dem zuerst genannten Dokument unmittelbar eingreifende Wirkungen zukommen, hat dazu geführt, daß die an Palästina interessierte jüdische Öffentlichkeit dem Bericht von Simpson vielleicht nicht diejenige Beachtung geschenkt hat, die diesem Dokument zukommt. Nicht um seines Inhaltes und seiner Resultate wegen verdient Simpsons Bericht eine größere Beachtung, sondern lediglich deshalb, weil hier ein von der Regierung offiziell nach Palästina entsandter Sachverständiger seine Ansichten ausgesprochen hat und weil auch jede zukünftige englische Regierung solange mit diesem Dokument wird rechnen müssen, als es unangefochten dasteht und den Anspruch erhebt, eine unvoreingenommene und gerechte Würdigung der palästinensischen Möglichkeiten zu sein. Es war Dr. Granowsky Vorbehalten, als erster das Gedankengebäude untersucht zu haben, das Simpson errichtet hat und die Brüchigkeit der Fundamente aufzuzeigen, auf denen er errichtet wurde. Granowskys Buch behandelt nicht den gesamten von Simpson behandelten Problemkomplex, sondern nur die Bodenfrage, aber die ausführliche Untersuchung dieses Problems trifft so sehr den Kern von Simpsons Argumentation, daß die anderen Teile seines Berichtes dahinter notwendigerweise zurücktreten. Das wichtigste und überraschendste Ergebnis, zu dem Simpson in seinem Bericht gelangt, ist bekanntlich die Feststellung, daß Palästina keinen Platz mehr für weitere jüdische Siedler hat, ja daß die im Lande ansässige arabische Bevölkerung schon heute nicht genügenden Boden für ihre eigenen Bedürfnisse besitzt. Dieses Urteil, das, wenn es richtig wäre, die Aussichten der jüdischen Kolonisation in Palästina vernichten würde, unterzieht Granowsky in dem ersten Kapitel seines Buches einer Kritik, bei der von Simpsons Gedankengang nicht mehr viel übrig bleibt. Simpson hielt Flugzeugaufnahmen für ausreichend, um zu dem Resultat zu gelangen, daß, nicht wie man bisher angenommen hatte, 66,7 Prozent, sondern nur 40 Prozent des Hügellandes kultivierbar sind. Damit nicht zufrieden, beging er den schwerwiegenden Rechenfehler, von der Gesamtfläche von etwa 8 800 000 Dunam, die das gesamte Hügelland ausmacht, zunächst 2.75 Millionen Dunam als Wüste in Abzug zu bringen, um dann vom Rest 40 Prozent als kultivierbar zu bezeichnen, während natürlich die 40 Prozent von dem gesamten Hügelland hätten berechnet werden müssen. Simpson hat in seiner Berechnung in Wahrheit nicht 40 Prozent, sondern 28 Prozent des Hügellandes für kultivierbar erklärt. Auf diese Weise sind allein mehr als 1 Million Dunam kultivierbaren Bodens als unkultivierbar erklärt worden. Und auf Grund von Rechenfehlern derart elementarer Art soll über das Schicksal unseres Palästinawerkes entschieden werden! Als kultvierbar betrachtet Simpson solche Ländereien, die mit den Arbeitsmethoden und finanziellen Mitteln des durchschnittlichen palästinensischen Bauern, also des Fellachen, erschlossen werden können. Diesem Prinzip getreu erklärt Simpson Sumpfland für unkultivierbar. Hätte er in Betracht gezogen, daß, wie Granowsky genau darlegt, die Juden bisher in Palästina 391.000 Dunam Sumpfland kultiviert haben, die heute von mehr als 12 000 Menschen bewohnt werden, so hätte er niemals seinen Begriff von kulturfähigem Lande aufgestellt, der, wie überhaupt sein Bericht, nur mit der primitiven arabischen Landwirtschaft rechnet und nicht mit den modernen Methoden jüdischer Kolonisation. Ebenso ungerechtfertigt ist die Ausschaltung des gesamten Berseba-Bezirkes, zumal Simpson selbst zugibt, daß auch heute dort schon 1.5 Millionen Dunam kultivierbar sind. Aber es galt ja eben, die kultivierbare Fläche als möglichst klein darzustellen! Granowsky zeigt dann in sehr interessanter Weise, daß die Berechnung der Zahl der landwirtschaftlichen Familien

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