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Das jüdische Echo · 1931-03-06 · 10 (6.3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
10 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 10 6. März 1951 18. Jahrgang Nebensache Das Interesse der in Deutschland lebenden Juden ist aus leicht begreiflichen Gründen mit besonderer Gespanntheit auf die innerpolitische'n Vorgänge konzentriert. Diese „Besonderheit“ des Gespanntseins erklärt sich aus der Tatsache, daß es sich bei den in Deutschland lebenden Juden in viel höherem Grade um Sein oder Nichtsein als bei den anderen Gruppen und Gemeinschaften in der deutschen Republik handelt, wenn die Richtung der Regierungspolitik eine Änderung nach rechts erfahren würde. Denn „recht s“ bedeutet leider in Deutschland — ganz anders als in England oder Frankreich — antisemitisch. Und dadurch wäre eine Rechtsregierung und zumal eine, die bei dem jetzigen Stande der innerdeutschen Entwicklung am> Ruder käme, für alle Juden in Deutschland eine Gefahr, aucii für solche, deren Interessen und Anschauungen sie zweifellos in das Lager rechts führen winden, wenn sie nicht Juden wären. Mit größerer Neugier als sonst ein in Deutschland lebender Mensch greift also der deutsche Jude jeden lag zu seiner Zeitung, um zu erfahren, welche Wendungen und Wandlungen die Innenpolitik genommen hat. Mit einem Gefühl der Erleichterung stellte man bisher fest, daß Reichskanzler Brüning das Heft in der Hand hat und daß er eine Mitwirkung der Nationalsozialisten an der Regelung der Reichsgeschäfte ablehnt. Dadurch ist Brüning in jüdischen Kreisen zu einer Popularität gelangt, die weit über die Anerkennung hinausgeht, welche ihm von anderen Schichten der Bevölkerung zuteil wird. Diese jüdische Anerkennung ist für Brüning ein unbeabsichtigter Erfolg und es soll ununtersucht bleiben, ob diese jüdische Zustimmung für Brüning eine Stützung seiner Position oder eine Belastung bedeutet. Immerhin sei verzeichnet, daß die Unterstützung der „Judenblätter“, Berliner Tageblatt, Vossische Zeitung, Frankfurter Zeitung usw. der Reichsregierung von der „nationalen Opposition“ bis weit in die Kreise solcher Parteiorgane, deren Geldgeber in der Regierungsmehrheit sitzen, hämisch angekreidet wird. Natürlich verfolgen die Juden in Deutschland als Nächstbetroffene die Vorgänge im nationalsozialistischen Lager. Die bis zu den Septemberwahlen 1930 übliche Bagatellisierung und Verhöhnung der Nazis ist in das Gegenteil umgeschlagen. Man hat vor diesen Leuten Angst und Furcht, wenn auch keinen Respekt. Eine Flut von Schriften, Abhandlungen und Biographien der Naziführer ist seit dem September erschienen und man malt entweder den kommenden Naziteufel an die Wand oder versucht sich zu trösten und den Nachweis zu erbringen, daß der Nazispuk bald zerrinnen wird. Hierbei ist es nicht ohne Reiz festzustellen, wie man sich im Zeitungsviertel in Berlin bemüht, bei aller Opposition gegen die Nationalsozialisten einen Übergang zu finden, wofern das als unwahrscheinlich immer wieder Behauptete, daß die Nazis die Regierung übernehmen sollten, doch eines Tages eintreten könnte. Man nennt das mögliche Tatsachen ins Kalkül ziehen, denn bereit sein ist alles. Allerdings findet dieses Beginnen in den Augen der abgelehnt-umworbenen Nationalsozialisten keine Gnade und nicht nur die Radaumacher im „Völkischen Beobachter“ und im Berliner „Angriff“ überschütten die „Jugendblätter“ mit Kübeln von Hohn wegen deren überschlauer Haltung, sondern auch ernstere Nationalsozialisten wie ein Artikelschreiber in dem von Juden gemachten „Literarischen Echo“ in Berlin schreiben, daß diese „Tarnung im Berliner Zeitungsviertel“ ein aussichtsloses Unternehmen sei. Das Rätselraten um die Nazis will kein Ende nehmen. Werden sie legal bleiben, werden sie einen Putsch machen? Wird das Zentrum doch einmal eine Schwenkung vornehmen, wenn die Nationalsozialisten einige ihrer krassesten Dummheiten ablegen werden? Häuten sich die Nazis? Werden sie vernünftig? Werden sie in der Außenpolitik diplomatischer werden und werden sie ihren Propagandastil mäßigen? Das sind so einige Fragen, die man sich allenthalben vorlegt und sehr oft hört man Stimmen und Ansichten, die so lauten, als ob man suggerierend einem unartigen Kinde ein leidliches Benehmen anerziehen wollte, damit das Kind in die gute Stube ohne die Befürchtung eingelassen werden könne, daß es wertvolle Gegenstände zerschlagen, sich beklexen und sich als enfant terrible aufführen wird. Wenn man die Frager und die Fragen in Evidenz hält, so kann man als Jude eine lehrreiche Erfahrung machen. Die jüdischen Rätselrater fragen mit besonderer Intensität, wenn auch aus Überklugheit nicht an erster Stelle, wie sich die Nazis nach einer möglichen Erreichung der Macht als Führende oder Beteiligte zur Judenfrage stellen werden, d. h. wie sie sich die Durchführung ihrer Rassentheorien, das ist ihres schrankenlosen Antisemitismus, denken. Die nicht jüdischen Frager interessieren sich mehr für andere Sachen, als da sind Außenpolitik, soziales Programm usw. Von der Judenfrage reden die nichtjüdischen Stimmen in den meisten Fällen nicht und wenn doch, so an letzter Stelle. Die jüdischen Frager aber pflegen Hitlerzitate zu wiederholen, welche besagen, daß der Nazioberstkommandierende geäußert habe (in einem Interview mit einem arischen Amerikaner), daß er nichts gegen die anständigen Juden habe. Man hört förmlich den Seufzer der Erleichterung dieser jüdischen Frager heraus. Sie halten sich nämlich für die in den Augen Hitlers anständigen Juden, denen Gnade widerfahren wird, sollte, was Brüning verhüten möge, Frick doch deutscher Reichsinnenminister werden. Derartigen Hoffnungen macht eine beachtenswerte Artikelserie ein Ende, welche seit einigen Tagen Friedrich Franz von Unruh in der Frankfurter Zeitung über den Nationalsozialismus veröffentlicht. Der Verfasser, ein nüchterner, illusionsloser Mann, dessen Blickfeld über Deutschlands Gaue reicht, der aber die Nazis und das deutsche

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