Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 8 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- Seite 122 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Das Jüdische Echo Nr. 8 in dieser Frage Schwierigkeiten machten, kam schließlich eine Vereinbarung zustande, wonach die Frage der Teilnahme des Jischuws an den Verhandlungen der Jewish Agency mit der britischen Regierung durch den Waad Leumi nur mit Zustimmung von mindestens zwei der kleinen Fraktionen (Allgemeine Zionisten, Misrachi und Sephardim) positiv entschieden werden darf. Ben Gurion gab der Versammlung bekannt, daß die Arbeiterpartei gegen den PI a n der Einsetzung eines Legislative Council sei, und schlug vor, den Antrag der Permanenzkommission anzunehmen, der dahin geht, die Resolution des früheren Waad Leumi vom 23. Oktober 1930 neu zu bekräftigen. Die damals gefaßte und vom Präsidenten Pinchas Ruthenberg dem High Commissioner Sir John Chancellor mit der Bitte um Weiterleitung an die Londoner Regierung überreichte Resolution lautet: Der Waad Leumi wird sich an dem in der Erklärung der britischen Regierung vorgesehenen Legislative Council nicht beteiligen und verweigert jeder parlamentarischen Institution, die darauf abzielt, der Errichtung des Jüdischen Nationalheims Hindernisse in den Weg zu legen, seine Anerkennung. Bei den am Schlüsse der Tagung vorgenommenen Wahlen zum Waad Leumi wurden elf Mitglieder der Arbeiterpartei, vier Sephardim, drei Misrachisten, drei Vertreter der allgemeinen Zionisten, ein Yemenite und eine Vertreterin der Frauenpartei gewählt. Es stehen somit elf Arbeitervertretern 12 Vertreter der anderen Parteien gegenüber. Fünf Sitze wurden außerdem noch den Revisionisten reserviert. Die bayerischen Bischöfe gegen den Nationalsozialismus München, 13. Februar. Die Verordnungsblätter der acht bayerischen Diözesen veröffentlichen einen längeren Artikel, in dem es u. a. heißt: Der Nationalsozialismus enthält in seinem kulturgeschichtlichen Programm eine Irrlehre, weil er darin wesentliche Lehrpunkte des katholischen Glaubens ablehnt oder schief auffaßt, und weil er nach Erklärung seiner Führer eine neue Weltanschauung anstelle des christlichen Glaubens setzen will. Führende Vertreter des Nationalsozialismus stellen die Rasse höher als die Religion. Sie lehnen die Offenbarungen des Alten Testaments und sogar die mosaischen Zehn Gebote ab. Sie lassen den Primat des Papstes nicht gelten und spielen mit dem Gedanken einer dogmenlosen deutschen Nationalkirche. Was der Nationalsozialismus Christentum nennt, ist nicht mehr Christentum Christi. Den katholischen Geistlichen ist streng verboten, an der nationalsozialistischen Bewegung in irgendeiner Weise mitzuarbeiten. Die Teilnahme von Nationalsozialisten an gottesdienstlichen Veranstaltungen in geschlossenen Kolonnen in Uniform ist und bleibt verboten. Gründung einer Ortsgruppe des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus in München. München, 9. Februar. Namhafte Persönlichkeiten Münchens haben sich zu einer Ortsgruppe des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus vereinigt. In der ersten Versammlung legte der Vorsitzende, Konsul Freiherr v. Falckenhausen, in programmatischer Rede die kommenden Aufgaben dar, die sich nicht allein aus christlicher Nächstenliebe und Sozialethik, sondern vor allem aus der Gefährdung des Bestandes von Volk und Vaterland ergäben. Mit opferwilliger Tatkraft werde die neue Ortsgruppe gegen jedes unduldsame Verhalten des Antisemitismus angehen, gleichviel ob es sich bei Behörden, in der Presse, im Schulwesen, in wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Boykottierung usw. zeige. Aus der jüdischen Welt Die Verhandlungen zwischen Jewish Agency und Agudas Jisroel. Wien, 13. Februar. (JTA.) Von leitender agudistischer Seite wird der „Jüdischen Presse“ zu den Berliner Verhandlungen zwischen Vertretern der Jewish Agency und der Agudas Jisroel geschrieben: Daß das Ergebnis der Verhandlungen über die Frage des Eintritts der Agudali in die Agency besonders ermutigend wäre, wird man bei objektiver Beurteilung nicht behaupten können. Eine Ausschaltung des Kulturwerkes, insbesondere des Schulwerkes, aus dem Aufgabenkreis der Agency und der Übergang dieses Schulwerkes auf die Knesseth Israel sei angesichts der geringen Geneigtheit der palästinensischen Bevölkerung zum Steuerzahlen im höchsten Grade unwahrscheinlich. Wir halten uns für verpflichtet, die öffentliche Meinung vor irgendwelchem Optimismus hinsichtlich eines Erfolges der Verhandlungen über den Eintritt der Agudali in die Agency zu warnen. Auf der anderen Seite können die namentlich in der agudistischen Jugend verbreiteten Befürchtungen, daß die Agudali durch eine Zusammenarbeit mit zionistischen Instanzen in der Reinheit ihrer Prinzipien und der Entschiedenheit ihrer religiösen Stellungnahme Not leiden könnte, in keiner Weise als aktuell bezeichnet werden. Im zweiten Abschnitt der Berliner Verhandlungen ist über die Möglichkeit eines Zusammenwirkens von Agudah und Agency auf politischem Gebiete gesprochen worden. Dieses Zusammenwirken hat sich in den letzten eineinhalb Jahren insbesonders in Erez Israel wiederholt vollzogen, soweit die politische Leitung der Agudah mit Zustimmung der rabbinischen Führer eine solche Zusammenarbeit angesichts der krisenhaften politischen Lage als geboten betrachtete. Um so merkwürdiger erscheint es den Agudahführern, daß die Vertreter der Agency in der Berliner Verhandlung offenbar in einer etwas gereizten Stimmung sich befanden, weil die Leitung der Agudah es für nötig erachtet hatte, durch ein der Öffentlichkeit inzwischen übergebenes Memorandum der englischen Regierung ihre Stellungnahme zur gegenwärtigen Lage mitzuteilen. Zu einer solchen Gereiztheit lag ein objektiver Anlaß nicht vor. Denn es ist doch selbstverständlich, daß Agudas Jisroel als selbständige und in einem weltanschaulichen Gegensatz zum Zionismus stehende Organisation verpflichtet ist, ihre Wünsche und Anschauungen in einem für die Gestaltung der Palästinapolitik entscheidenden Augenblick in die Wagschale zu werfen. Wenn die Vertreter der Agency in den Berliner Verhandlungen den lebhaften Wunsch äußerten, die Agudah möge sich in außerpolitischer Hinsicht Bindungen auferlegen lassen, so ist dieses Verlangen von den agudistischen Vertretern in aller Entschiedenheit abgelehnt worden. Was die Kommission — bisher ohne Zustimmung der politischen Leitung der Agudah — konzedierte, war lediglich die Übernahme der Verpflichtung, daß Agudah Jisroel im Hinblick auf die noch immer schwierige politische Lage bis auf weiteres keine selbständigen außenpolitischen Aktionen unternehmen werde, ohne vorher den