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Das jüdische Echo · 1931-02-20 · 8 (20.2.1931) · p. Seite 121

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
8 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
Seite 121 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 121 Auf diese Erklärung erfolgte nicht etwa seitens eines Regierungsvertreters eine Antwort, sondern nur ein Abgeordneter des Regierungsblocks quittierte die Deklaration des Vorsitzenden des jüdischen Sejm-Klubs mit den Worten „Auf diese Weise werden Sie keinen Erfolg haben“. Damit hat jener Abgeordnete negativ zum Ausdruck gebracht, welche Methode nach seiner Meinung unrichtig ist, damit sich die Lage der Juden in Polen bessere und damit die jüdischen Forderungen vor den Augen der Regierung Gnade finden. Es ist klar, daß eine negative Feststellung noch lange keinen Weg anzeigt, der zu einem Erfolge führen kann, und gerade das möchten die Juden in Polen gern wissen. Welche Weise ist eigentlich die richtige? Mit welchen Methoden können die Juden Erfolge erzielen und wie sollen sie sich verhalten, damit ihre Forderungen bei der polnischen Regierung Berücksichtigung finden? Darüber hätte Dr. Thon gern etwas gehört und die Millionen Juden Polens wären dem Abgeordneten des polnischen Regierungsblocks, der fast zwei Drittel aller Sitze im Sejm innehat und absolutistisch die Angelegenheiten des polnischen Staates regelt, dankbar gewesen, wenn er ihnen gezeigt hätte, worin sie bisher gefehlt haben und welche Ungeschicklichkeiten sie in der Zukunft unterlassen sollen. Die Erfahrungen, die die polnischen Juden in den letzten zwölf Jahren gemacht haben — und nicht nur die Juden in Polen, sondern auch die Juden in allen Ländern, und nicht nur in der Zeit nach dem Kriege, sondern im Laufe ihrer achtzehnhundertjährigen Diaspora — haben gelehrt, daß eigentlich kein einziger Weg und keine einzige Weise vorhanden sind, auf der man es den Judengegnern recht machen kann. Die Juden sind im 19. Jahrhundert in den meisten Ländern, in denen sie leben, und auch im ehemaligen zaristischen Rußland, obwohl es im letzten Jahrhundertviertel viele jüdische Revolutionäre gab, unbedingt loyal gewesen. Sie haben geradezu von den Augen der Regierenden deren Wünsche abgelesen, sie haben sich gedemütigt und sind vor jedem Minister und jeder Volksabstimmung auf dem Bauche gekrochen. Es hat ihnen nichts genützt. Als nach dem Kriege die einzelnen Nationalitätenstaaten in Mittel- und Osteuropa neu geschaffen oder durch Zuweisung großer Gebiete vergrößert wurden, haben sich die Juden beeilt, diesen Zustand gutzuheißen und haben ihre Mitarbeit zum Aufbau oder zum Ausbau der neuen Staaten bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Freiheitliche Verfassungen, in Versailles beschworene Minderheitenrechte, Erklärungen vor dem Völkerbunde haben formal die Voraussetzung abgegeben, daß den Juden einigermaßen in diesen neuen Ländern ihr Recht werden könne. Trotzdem schon in den Anfängen dieser neuen oder erweiterten Selbständigkeit der einzelnen Staaten ein rücksichtsloser Kampf gegen die Juden! Besonders in Polen äußerte sich die wiedererwachte polnische Freiheit in Pogromen gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Die Folge war, daß die Juden, mit den anderen nationalen Minderheiten vereinigt, eine oppositionelle Haltung einnahmen. Da diese Politik zu keinem Erfolge führte, kam es einige Jahre später zu Verhandlungen zwischen dem damaligen Obmann der jüdischen Sejmvertretung, Dr. R e i c h, mit der Regierung, und es wurde ein Friedenspakt geschlossen, in dem die Juden noch einmal, und zwar überflüssigerweise, ihre Loyalität gegenüber dem polnischen Staate zum Ausdruck brachten und die polnische Regierung erklärte, daß sie fortan die Juden gerecht behandeln werde. Auch dieser Schritt hat nichts genützt. Enttäuscht und ernüchtert haben die Juden wieder in ihre ursprüngliche oppositionelle Stellung zurückgefunden. Der Erfolg war wiederum eine feindselige, argwöhnische Haltung der polnischen Regierung gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Die Schwierigkeiten des polnischen Staates, die objektiven Hemmnisse für eine Gesundung des jüdischen Lebens in Polen sollen nicht verkannt und in Abrede gestellt werden. Aber das alles zugegeben, bleibt auf seiten der polnischen Regierung noch sehr viel böser Wille gegenüber den drei Millionen Juden, die in Polen leben. Und dieser böse Wille ist es, gegen den sich hauptsächlich die Empörung und der Widerstand der jüdischen Vertreter richtet. Ehrlich gesagt: Es gibt wohl keinen zureichenden Weg, um die Situation der Juden in den Ländern, in denen sie leben, auch nur einigermaßen zu verbessern und ein reibungsloses, harmonisches Zusammenleben mit den anderen Bevölkerungsteilen herbeizuführen. Es kann aber kein Zweifel bestehen, daß der Weg des ewigen Duckens und die Methode der stummen Resignation viel schlimmer sind als der des Protestes und der wahren Darstellung der Sachlage. In der Politik kann man niemals hundertprozentige Erfolge haben. Aber unverrückbar gilt der Satz: Um etwas zu haben, muß man fordern und es bekommen. Darum ist die Weise, welche die jüdischen Vertreter in Polen beobachten, wenn auch nicht sofort und zureichend erfolgversprechend, so doch die einzig mögliche. Gerade die letzten Monate haben uns auf dem Gebiete der großen internationalen jüdischen Politik gezeigt, was mannhaftes Auftreten und Betonung des Rechtes für Wunder zu wirken vermögen. Durch energische Haltung, durch würdigen Protest, durch Festhalten an ewigen Rechtsansprüchen als Menschen und Juden ist es der Jewish Agency gelungen, die englische Regierung zu einer Revision eines im Weißbuch vom Oktober 1930 begangenen Fehlers und einer Ungerechtigkeit zu veranlassen. Allerdings handelte es sich um das große Kulturvolk der Engländer. Vielleicht wird auch das polnische Volk im Laufe seiner inneren Kämpfe zu einer politisch klareren Auffassung gelangen. Und dann wird es einsehen. daß, wenn es eine Methode des Zusammenlebens mit den Juden gibt, diese nur eine der Aufrichtigkeit, der ungeschminkten Wahrheit und des Rechtes sein kann. Solange diese Einsicht in Polen fehlt, bleibt den Juden nur der Weg des Protestes und der Opposition eines Bevölkerungsteiles, der innerhalb der von ihm bejahten Staatsgrenzen gerechte Behandlung verlangt. s. n. Tagung der Hssefath Haniwcharim Exodus der Revisionisten Die Arbeiterpartei gegen Legislative Council Jerusalem, 13. Februar. Vom 9. bis zum 13. Februar fand in Jerusalem die erste Tagung der neugewählten Assefath Haniwscharim statt, in der es zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Parteien kam. Am 13. Februar verließen die 16 Mitglieder der revisionistischen Fraktion geschlossen den Beratungssaal wegen des auf Antrag der Arbeiterpartei gefaßten Beschlusses, nach dem die Entscheidung in der Frage der Beteiligung des palästinensischen Jischuw an den Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung, dem Waad Leumi überlassen werden sollte. Da auch Misrachi und die Sephardim

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