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Das jüdische Echo · 1931-02-20 · 8 (20.2.1931) · p. Seite 120

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
8 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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120 Das Jüdische Echo Nr. 8 wirklichung dieses Planes hat man also zu rechnen und es wird nun außerordentlich viel davon abhängen, welchen Zeitpunkt die Mandatsregierung für die Einführung des Legislative Council als geeignet erachtet; daß auch in Palästina der Bevölkerung ein Anteil an Verwaltung und Regierung zugestanden werden soll, werden prinzipiell selbst diejenigen nicht leugnen, die heute mit aller Energie den Aufschub solcher Pläne fordern, weil sie ihre Verwirklichung in der nächsten Zeit für den denkbar schwersten Schlag gegen die Idee des jüdischen Nationalheims halten würden. An dieser Frage werden sich im zionistischen Lager die Geister scheiden und es wird zweifellos sehr harte Auseinandersetzungen geben. Schon jetzt hat die neugewählte Assefath Elaniwcharim ihrer ablehnenden Stellung sehr entschieden Ausdruck gegeben. Es ist darum zu hoffen, daß im zweiten Teil der Verhandlungen, die ja mit der englischen Regierung weitergeführt werden, eine authentische, unseren Bestrebungen Rechnung tragende Interpretation auch dieser Abschnitte des Weißbuches gefunden werden kann. Unter dieser Voraussetzung wird man allgemein mit dem Urteil Weizmanns einverstanden sein können, der in einer Kundgebung nach Veröffentlichung des Briefes erklärt hat, daß damit die Basis für eine Kooperation der J e - wish Agency mit der Mandatarmacht wieder hergestellt sei. Politisch und moralisch bedeutet dieser Brief unzweifelhaft einen großen Fortschritt; trotzdem wäre es verfehlt, darnach nun schon die grundsätzliche. Stellungnahme zur englischen Regierung endgültig zu bestimmen. Zu viele Fragen müssen, wie bereits ausgeführt, erst noch geklärt werden; die Richtlinien der neuen Kolonisationspolitik, die die Regierung auf Grund einer Anleihe von zweieinhalb Millionen Pfund einzuleiten beabsichtigt, sind erst noch festzulegen, insbesondere ist auch die Einbeziehung Transjordaniens in sie eine zionistische Forderung, auf die nicht verzichtet werden kann. Der Brief Macdonalds ist so ein Teilerfolg, erzielt durch angestrengteste und langwierige politische Bemühungen auf Grund der kämpferischen und entschlossenen Haltung der jüdischen öffentlichen Meinung, die offenbar ihren Eindruck auf die englische Regierung nicht verfehlt hat; in der Gesamtentwicklung ist er aber nicht mehr als eine neue Chance, die uns gegeben wird und die richtig auszunützen ganz Sache einer neuen innerzionistischen Politik und vor allem einer neuen zionistischen Wirtschaft sein wird. Gewiß, auch das Problem der Herstellung friedlicher Beziehungen zur arabischen Bevölkerung ist außerordentlich wichtig, und muß bald in Angriff genommen werden. Im Augenblick scheint diese Frage aber schon deshalb sekundär zu sein gegenüber der großen Aufgabe der Reorganisierung der zionistischen Finanzen und der Planung und Durchführung einer jüdischen Kolonisationswirtschaft, die billiger ist als die bisherige und eine Massenansiedlung in kurzer Zeit ermöglicht, weil nur eine starke zionistische Organisation und die Aussicht auf große jüdische Neueinwanderung die Voraussetzungen für eine erträgliche Lösung des Araberproblems schaffen. I. E. Äuf diese Welse werden Sie keinen Erfolg haben Der Sejm der polnischen Republik verhandelt gegenwärtig den Etat für das Jahr 1931. Und da Pilsudski, der Marschall-Diktator Polens, im Auslande weilt, vernimmt man im polnischen Sejm Worte der Kritik und des Protestes, die bei Anwesenheit Pilsudskis im Lande wahrscheinlich kein Abgeordneter sich trauen würde auszusprechen. Denn die Erfahrungen, die die oppositionellen Abgeordneten in den Kasematten von Brest Litowsk gemacht haben, Vorkommnisse, die die ganze Welt in Aufruhr versetzten, schrecken vor einer allzu aufrichtigen Sprache gegenüber der Obersten Regierung in Polen ab. Pilsudski ist weit und darum traut man sich in Warschau manch offenes Wort zu sagen. Unter den vielen Klagen, die an die Adresse der polnischen Regierung in den letzten Tagen gerichtet wurden, befanden isch auch herzzerreißende Feststellungen der jüdischen Vertreter. Die Wahlpraktiken der Regierung haben es zwar zuwege gebracht, daß der größte Teil der jüdischen Wähler vergeblich zur Urne gegangen ist und daß die Zahl der jüdischen Abgeordneten auf die Hälfte zusammenschmolz, sie haben aber nicht vermocht, den Ernst und das Pflichtbewußtsein der wenigen Vertreter, deren Wahl die Regierung trotz aller verwerflichen Mittel nicht verhindern konnte, zu mindern. So haben denn Abgeordneter Dr. Osias Thon, der Vorsitzende des zusammengeschrumpften jüdischen Sejm-Klubs, und dann Ageordneter Dr. Rosmarin in wohlüberlegten Erklärungen die Forderungen der jüdischen Massen gegenüber der polnischen Regierung vorgebracht. Es ist ein altes Lied. Trotz der zahlreichen Erklärungen der polnischen Regierung und der polnischen Vertreter im Auslande, trotz der vielen Versprechungen, die im Laufe der Jahre an die Adresse der Juden gemacht wurden, trotz des seinerzeit vom verstorbenen Abgeordneten Dr. Leon Reich mit der polnischen Regierung feierlich geschlossenen Friedenspaktes, der sog. „Ugoda“, hat sich die Situation der polnischen Judenheit nicht gebessert. Und zwar lag das nicht nur an den allgemeinen Wirtschaftsverhältnissen und an der unglückseligen Schichtung der jüdischen Massen im neu entstandenen polnischen Reich, sondern zum sehr großen Teile an der Regierungspraxis, die, einerlei, ob an der Spitze des Staates eine rechte, linke oder Diktaturregierung stand, im Wesen immer gleich blieb. Die Juden werden in Polen durch Steuerdruck ausgepreßt, durch Monopolmaßnahmen aus altgewohnten Berufen verdrängt, durch Fernhaltung von allen staatlichen Beschäftigungen und Lieferungen in ihrem Lebensraume eingeengt. Die jüdischen Schulen werden trotz der feierlich beschworenen Minoritätsrechte nicht subventioniert, dem jüdischen Kultus werden als einzigem von allen Konfessionen in Polen keine Zuwendungen gemacht, die jüdisch-sozialen Institutionen werden nicht gefördert, die Tätigkeit der jüdischen Gemeinden wird begrenzt — systematisch wird ein Vernichtungsfeldzug gegen die jüdische Bevölkerung geführt, und das alles mit liebenswürdigem Lächeln, feierlichen Deklarationen und ewigen Berufungen auf die polnische Verfassung, die keinen Unterschied zwischen den einzelnen Staatsbürgern, einerlei welcher Nationalität und welchen Bekenntnisses sie sind, macht. Dieser Sachlage gab Dr. Thon beredten Ausdruck. Allerdings hatte man für die Forderungen der jüdischen Vertreter während der tagelang dauernden Generaldebatte nur einen Zeitraum von zehn Minuten bewilligt. Das ist viel zu wenig, um ausführlich all die schrecklichen Leiden und alle Schäden, die der jüdischen Bevölkerung durch die Verwaltung zugefügt werden, ausführlich zu schildern. Aber genug, um namens der drei Millionen Juden Polens einen Seufzer auszustoßen, einen Seufzer des Schmerzes und einen Schrei nach Gerechtigkeit. Das hat denn auch Dr. Thon in würdiger Form getan.

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