Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 8 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Das Jüdische Echo Nr. 8 rechtzuerlialten. Aber es muß betont werden, daß, wenn als Folge dieser Politik arabische Arbeiter verdrängt oder bestehende Arbeitslosigkeit verschärft wird, dies ein Faktor in der Situation ist, auf den die Mandatarmacht ihr Augenmerk richten muß. (18) Die Regierung wünscht endlich noch auszusprechen, wie sie mehrmals und in unzweideutiger Weise versichert hat, daß die Verpflichtungen, die die Mandatarmacht durch die Annahme des Mandates auf sich genommen hat, feierliche internationale Verpflichtungen sind, denen sie sich weder jetzt entziehen will, noch irgendeiner früheren Zeit hat entziehen wollen. Der Durchführung der Aufgaben, die ihr durch das Mandat a.uferleg: worden sind, hat die Regierung ihre Fland gelieiien und wird sie nicht zurückziehen. Aber wenn ihre Bemühungen erfolgreich sein sollen, ist Zusammenarbeit, Vertrauen, Bereitwilligkeit von allen Seiten notwendig, um die Schwierigkeiten und die Kompliziertheit des Problems einzusehen, und vor allem muß und soll unbedingt anerkannt werden, daß keine Lösung zufriedenstellend oder von Dauer sein kann, die nicht auf Gerechtigkeit gegenüber dem jüdischen Volke .und den nichtiüdischen Gemeinschaften in Palästina beruht. Hochachtungsvoll J. Ramsay MacDonald. Dr. Weizmann’s Erklärung zum neuen Paläslina<"Statement der englischen Regierung London, 16. Februar. (JTA.) Die Erklärung, die der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Professor Dr. Chaim Weizmann, nach Erhalt des an ihn gerichteten Briefes des britischen Premiers, Ramsay Macdonald, der Öffentlichkeit übergab, lautet in deutscher Übertragung wörtlich: „Es war für mich eine Freude, den Brief des Premierministers zu erhalten, der, wie ich höre, morgen veröffentlicht werden soll. Wenn ich mich zu diesem Briefe äußere, so kann ich lediglich für meine eigene Person sprechen. Obwohl ich diesen Vorbehalt machen muß, glaube ich dennoch sicher zu sein, daß ich den Meinungen und Empfindungen eines wesentlichen Teiles der öffentlichen jüdischen Meinung Ausdruck gebe. Wir haben die uns von dem Premierminister und dem Kabinett gebotene Gelegenheit, unsere Sache mit dem Kabinettskomitee zu diskutieren, begrüßt. Wir erhielten die Möglichkeit zu einer vollen Aussprache und haben bezüglich einer Anzahl fundamentaler, in dem Weißbuch vom Oktober 1930 aufgeworfener Fragen Klarheit erlangt. Wir kämpften nicht für die Erlangung von Vorteilen, sondern für Rechte — die Rechte, die uns nach dem Mandat zustehen, und die durch das Weißbuch vom Oktober 1930 nach unserer Ansicht ernstlich verletzt worden waren. Der Premierminister hat am Donnerstag im Unterhaus ausgeführt, daß der Brief, den er freundlicherweise an mich gerichtet hat, zu lesen ist als die autoritative Interpretation des Weißbuches bezüglich der Angelegenheiten, mit denen sich der Brief beschäftigt, daß er dem Völkerbunde als ein offizielles Dokument übermittelt werden wird, und daß er als eine Instruktion an den High Commissioner für Palästina in eine an diesen gerichtete Mitteilung aufgenommen werden würde. Nachdem die jetzt erfolgte Darlegung der Regierungspolitik in dieser Weise zur offiziellen Regierungsdirektive geworden ist, hat sie nach meiner Ansicht die Basis für jene Kooperation mit der Mandatarmacht wiederhergestellt, auf der unsere Politik aufgebaut ist. Die Verluste, die das vergangene Jahr einer schweren politischen Krisis unserem Werke zugefügt hat, sind ernst. Palästina litt unter einer wirtschaftlichen Depression, die zwar zu einem gewissen Grade mit der wirtschaftlichen Weltkrise zusammenhing, die aber doch durch die politische Lage noch sehr erheblich verschlechtert worden ist. Das Vertrauen, das die Voraussetzung wirtschaftlicher Initiative und Entfaltung bildet, war nicht vorhanden. Nachdem eine Basis für Kooperation wieder hergestellt ist, sollte das Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft Palästinas wieder aufleben und müssen die Juden der ganzen Welt ihr Wirtschaftswerk in Palästina mit verdoppelter Energie fortführen. Unsere Arbeit am Aufbau des jüdischen Nationalheims nutzt notwendigerweise Palästina in seiner Gesamtheit. Sie wird den Arabern zum Segen gereichen, die ebenfalls unter der Wirtschaftskrise und der Unterbrechung unserer wirtschaftlichen Arbeiten ernstlich gelitten haben, und deren Gedeihen naturgemäß mit dem Gedeihen des ganzen Landes verknüpft ist. Unsere Arbeit wird auch die Lage der Palästinaregierung erleichtern, die zum ersten Mal seit vielen Jahren unter einem ernsten Defizit in ihrem Budget zu leiden hat. Ich bin voller Hoffnung, daß die drei Parteien, die Mandatsregierung, die Araber und wir selbst jetzt Zusammenkommen werden und einen konstruktiven Plan für das künftige Wohl und die Entwicklung von Palästina usarbeiten werden. Ch. Weizmann.“ Das neue Statement die „autoritative Interpretation“ des Weißbuchs. Eine Erklärung Macdonalds im Unterhaus. London, 13. Februar. (JTA.) Im Unterhause gab Ministerpräsident Ramsay Macdonald auf die Frage des Labour-Abgeordneten D. Hopkin, welchen Charakter das neue Statement der englischen Regierung über ihre Palästina-Politik trage, die Erklärung ab, aus dem Texte des Briefes an den Präsidenten der Jewish Agency, Professor Dr. Chaim Weizmann, werde zu entnehmen sein, daß dieser Brief als „autoritative Interpretation“ des Weißbuches in den von der Regierung berührten Belangen aufzufassen ist. Der offizielle Charakter des Briefes stehe unanzweifelbar fest. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, sind seitens der Jewish Agency weiterhin Bemühungen im Gange, die Vorlage des vollen Textes der neuen Regierungserklärung über Palästina im Unterhause durchzusetzen. Hierdurch bekäme der Brief Macdonalds an Weizmann den Charakter eines parlamentarischen Dokuments. Die Jewish Agency bereitet sich auf den zweiten Teil der Verhandlungen mit der Regierung vor. An dem zweiten Teil der Verhandlungen wird auch Abg. J. Grünbaum teilnehmen. Weizmann konferiert mit Simpson. London, 13. Februar. (JTA.) Unmittelbar nach der am Donnerstag, den 12. Februar vom Ministerpräsidenten Macdonald im Unterhaus abgegebenen Erklärung über das neue Regierungsstatement wurde seitens der Jewish Agency intensiv mit den Vorbereitungen für den zweiten Teil der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung begonnen. An den Beratungen nahmen