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Das jüdische Echo · 1931-02-13 · 7 (13.2.1931) · p. Seite 109

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
7 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 7 Das Jüdische Echo iC9 2 Prozent (auf 9 Prozent) in Aussicht genommen, während der Beschluß des Vorstandes dahin ging, vorläufig nur eine Erhöhung von 1 Prozent vorzunehmen mit der Maßgabe, daß im Mai und September 1931 eine Nachprüfung dieses Satzes an Hand der tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben und je nach dem Ergebnis eine Änderung des Steuersatzes für die folgenden Quartale vorgenommen werden sollte. Die Gemeindevertretung trat dem Beschluß des Vorstandes bei. Zum Schluß der Debatte, die sich auf wenige Einzelpunkte beschränkt hatte, sprach Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer den Dank der Gemeindeleitung dafür aus, daß es durch gemeinschaftliche Zusammenarbeit und, wo es notwendig war, auch durch Resignation gelungen ist, ohne größere Reibungen zu einer Einigung zu kommen. Das jüdische Sprichwort Im Rahmen der gemeindlichen Lehrkurse hielt Herr Dr. Percikowitsch drei Vorträge über das jüdische Sprichwort. An Hand der Betrachtung der Sprichwörter unternahm er einen Gang durch die gesamte jüdische Literaturgeschichte von der biblischen bis zur heutigen Zeit. Im ersten Vortrag untersuchte er einleitend die Entstehungsweise von Sprichwörtern, ihre Verbreitung bei verschiedenen Völkern und die spezifisch jüdischen Eigenschaften, die in diesen Volksschöpfungen ihren Ausdruck gefunden haben. Treffsicherheit, Witz, Humor und, was den Inhalt betrifft, eine auf hoher Stufe stehende Mora! sind die Haupteigenschaften des Maschal, des jüdischen Sprichwortes. Zur Behandlung der einzelnen Literaturepochen, in denen Sprichwörter entstanden sind, übergehend, gab der Redner zunächst eine Übersicht über die nichtjüdischen, orientalischen Schriftwerke, die in Beziehung zur biblischen Chochmaliteratur stehen. Mit diesem Namen Chochma bezeichnet man nämlich die biblischen Bücher, deren Inhalt volkstümliche Philosophie und praktische Lebensweisheit bilden und die die Hauptquelle für die Meschalim dieser Periode darstellen. Der biblischen Chochmaliteratur war der zweite Abend des Zyklus gewidmet, während am dritten, besonders inhaltsreichen Abend der Talmud, die mittelalterliche hebräische Literatur, vor allem die der sogenannten Makamen, und die Werke der Neuzeit in hebräischer und jiddischer Sprache an die Reihe kamen. Jedesmal sprach der Redner zuerst über die Entstehung und den gesamten Inhalt der betreffenden Bücher — für die biblische Epoche vor allem Mischle, Hiob, Kolieleth, Ben Sira, Chochrnat Schlomo — und charakterisierte sie dann durch Heranziehung besonders bezeichnender Sprichwörter aus ihnen. Diese Methode, nicht nur die einzelnen Sprichwörter der verschiedenen Zeiten für sich zu behandeln, sondern immer großen Wert auf die Darstellung des sie enthaltenden literarhistorischen Rahmens zu legen, machte die Vorträge besonders wertvoll und lehrreich. Für die Hörer mit einigen hebräischen Kenntnissen waren die sich an jeden Vortrag anschließenden Arbeitsgemeinschaften eine willkommene, veranschaulichende Ergänzung. Hier wurde eine Masse von Sprichwörtern vorgeführt, die sich auf bestimmte Lebensgebiete wie Ehe, Familie, Recht usw, bezogen. Im ganzen haben diese Abende wieder bewiesen, daß die Veranstaltung der Lehrkurse ein großes Verdienst der Münchener Gemeinde ist. Ein noch weit zahlreicherer Besuch wäre zu wünschen. n. Vorlesung Manfred Sturmann In der Jesaja-Loge las Manfred Sturmann am Dienstag, den 3. Februar, eine Reihe von lyrischen Gedichten (den Zyklus: „Das Jahr“ und die „Rentnerinnen“, die durch Kraft der Sprache, Wucht des Rhythmus besonders tiefen Eindruck machten), ferner eine Kindergeschichte: „Die Frühe“ und eine noch unveröffentlichte Novelle „Ein Knecht sitzt auf dem Baum“. Die Vorzüge der Sturmamischen Lyrik eignen auch seiner Prosa, die, wenn sie auch bisher weder so originell noch so kraftvoll und ausgereift ist wie jene, doch an Eigenart zusehends gewinnt und besonders in der Erzählung von dem Knecht, der auf den Baum gestiegen ist, um dort das Fest im Herrenhaus zu erspähen und von dort aus Rache an denen nimmt, die ihm durch die Inanspruchnahme ihrer Dienste seine Geliebte vorenthalten und sie beleidigen, in einer Erzählung also von sozialem Kontrast, von individueller Auflehnung gegen vorgezeichnetes Klassenschicksal, dramatische Spannung gewinnt und demgemäß auch großen Eindruck macht. Die Kindergeschichte, zarter, mit starkem lyrischem Einschlag, erzählt Geschehnisse aus dem Leben eines Knaben vom Wachwerden seines Bewußtseins bis zu seinem ersten Konflikt mit dem Vater; sie versucht das Geschehen aus den Empfindungen zu kristallisieren und es daran erkennbar zu machen — ein reizvoller Versuch zweifellos, der aber gewisse stilistische Schwierigkeiten mit sich bringt, die doch wohl nicht ganz gemeistert sind. Jedenfalls darf man nach den an diesem Abend gegebenen Proben sowohl dem neuen Gedichtband Sturmann, wie den Kindergeschichten mit besonderen Erwartungen entgegensehen, es ist Grund genug, in diesem Zusammenhang die Hoffnung auszusprechen, daß Sturmann sich auch wieder einmal mit jüdischen Gestalten und Geschehnissen beschäftigen wird. Nach der Vorlesung konzertierten Frau Masser und Herr Kurt Bettsack mit großem Beifall. I. E. Zionistische Ortsgruppe München Der angekündigte Vortragsabend mit Herrn Dr. Gustav Krojanker (Berlin) kann leider nicht stattfinden, da Herr Dr. Krojanker verhindert ist, seine geplante Süddeutschlandreise anzutreten. Hebräischer Klub, München Am Mittwoch, den 18. Februar, abends 8.30 Uhr, findet anläßlich des 100. Geburtstages von Jeliuda Leib Gordon ein Vortrag des Herrn Dr. A. Percikowitsch über das Thema: „Jehuda Leib Gordon und seine Bedeutung" im Klublokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, statt. Gäste herzlich willkommen! Wochenprogramm der V.J.St. „Jordania“ Mittwoch, 20 Uhr Sport, Donnerstag, 20.30 Uhr Burschenkurs, Samstag, 14 Uhr Kaffee Hag. Fuxenkurs und Hebräisch zu den festgesetzten Zeiten. jüdisches Jugendheim. Herr Dr. Franz Roh, der bekannte Kunsthistoriker und Photograph, spricht am Montag, 16. Februar, abend 8.15 Uhr, im Lessingsaal, Jugendheim, Herzog-Rudolf-Straße 1, über die moderne Photographie an Hand von Lichtbildern und unter besonderer Berücksichtigung der Laienphotographie. Eintritt für alle Interessenten frei. Scholem Asch-Feier Anläßlich des 50. Geburtstages von Scholem Asch, des großen jüdischen Dichters, gefeiert von der ganzen Weltliteratur, wird auf Initiative des Jiid. Kulturvereins J. L. Perez zusammen mit dem Jiid. Gesangverein, dem Gesamtausschuß der Ostjuden und der Zionistischen Ortsgruppe ein Festabend im Cherubinsaal (Vier Jahreszeiten) veranstaltet.

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