Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 7 (13.2.1931)
- Date
- 1931-02-13
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9103087-9176159--11510-9083581- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
108 Das Jüdische Echo Nr. 7 gut eingerichtetes Heimatmuseum ihr eigen nennen, wie das Städtchen Uffenheim. Und dieses Heimatmuseum ist in erster Linie sein Werk. Wieviel Liebe und wieviel Kunst- und Sachverständnis steckte nur in der jüdischen Abteilung dieses Kunsttempels! Mit welcher Unverdrossenheit und Arbeitsfreudigkeit hat Strauß in den Dachböden der jüdischen Häuser der weiteren Umgebung seiner Wirkungsgemeinde diese alten jüdischen Schätze gesammelt! So hat sich Strauß die Liebe und Zuneigung der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung durch Arbeit, intensive Arbeit in Beruf, Gemeinde und Kommune in reichstem Maße verdient. Aber so reich und gesegnet auch dieser Teil seiner Lebensarbeit war, noch sichtbarer und durchgreifender war seine 'Tätigkeit als Lehrerführer. Man müßte eine Geschichte der Lehrerbewegung der letzten fünfzig Jahre schreiben, wenn man die liebevolle und begeisterte, aber auch die tapfere und unerschrockene Tätigkeit des Heimgegangenen voll und ganz würdigen wollte. Der Versuch hierzu wird an anderer Stelle gemacht werden. Hier sei nur erwähnt, daß die dankbare Lehrerschaft ihren treuen Kämpfer im Jahre 1903 in die Verwaltung des Lehrervereins berief, wo er neben Dingfelder, seinem unvergeßlichen Freunde, und anderen Treuen, die fast alle schon der kühle Rasen deckt, unablässig für die Befreiung des Lehrerstandes tätig war. Nun ist er, 73jährig, von uns gegangen. Wir werden seiner nie vergessen. Die Lücke, die sein Scheiden gerissen hat, wird schwer zu füllen sein. Aber unsere Aufgabe, die Aufgabe seiner Freunde, wird es sein, in seinem Sinne weiterzuwirken. Das Grab ist geschlossen. Es beginne die Arbeit! Adler. Gemeinden- und Vereins.Echo München. (Sitzung der gemeindlichen Körperschaften.) Am 5. Februar fand eine gemeinsame Sitzung des Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung statt, auf deren Tagesordnung Etatberatung, Gehaltskürzungen und Festsetzung von Sch ächtgebühren stand. Die beiden letzten Punkte wurden vorweggenommen. Bezüglich der Sch ächtgebühren wurde beschlossen, einen Antrag der Metzgermeister, die Gebühren für Geflügelschächtungen außerhalb der Schächtbank zu ermäßigen, abzulehnen. Uber den Punkt Gehaltskürzungen referierte Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer. Gemäß Entschließung des Bayerischen Kultusministeriums zur Notverordnung des Reichspräsidenten bezieht sich die öprozentige Gehaltskürzung für Beamte und Angestellte bzw. die Erhebung einer Ausgleichsabgabe in gleicher Höhe auch auf die Beamten- und Angestellten der Religionsgemeinschaften. Eine Reihe von Beamten, hauptsächlich Lehrer und Kantoren, habe unter Hinweis auf ihre wohlerworbenen Rechte Rechtsverwahrung eingelegt, ein anderer Teil der Beamten und sämtliche Angestellten habe dies unterlassen. Es sei nicht wahrscheinlich, daß die Rechtsverwahrung der einzelnen Beamten einen Erfolg haben werde. Sollte das jedoch der Eall sein, so wird im Interesse der Gerechtigkeit die gehaltliche Behandlung aller Beamten und Angestellten eine einheitliche sein. — Das Hauptinteresse der Sitzung war auf die Beratung des Haushaltsplanes für 1931 gerichtet. Der Finanzreferent der Gemeinde, Herr Justizrat Dr. Elias Straus, besprach an Hand der Beschlüsse des Finanzauschusses eingehend die einzelnen Posten des Etats, dessen Schlußziffern mit 572 910 RM. um 73 400 RM. niedriger als der Voranschlag für 1930 und um 78 700 RM. niedriger als die effektiven Ausgaben des vergangenen Jahres sind. Die Einnahmen aus Umlagen, die für 1930 auf 519 320 RM. veranschlagt waren, betrugen nur 476 212.51 RM. und zeigen einen prozentualen Steueriickgang von über 20 Prozent gegenüber 1929. Da für 1931 infolge der katastrophalen Wirtschaftslage, durch die weite Kreise der Gemeinde aufs Schwerste betroffen sind, mit einem neuerlichen erheblichen Rückgang der Steuereingänge gerechnet werden muß, war es erforderlich, den Etat, soweit nur irgend angängig, zu „drosseln“. Nachdem bereits in der ersten Sitzung des Finanzausschusses eine Herabsetzung aller Ausgabenposten, die eine Reduktion zuließen, beschlossen worden war, wurde durch 5 „Sparkommissionen“, die vom Vorstand aus der Mitte des Finanzausschusses unter Zuziehung von weiteren Mitgliedern der gemeindlichen Körperschaften gebildet wurden, der gesamte Etat und seine einzelnen Abteilungen nochmals einer Prüfung an Hand der Bücher und Belege unterzogen. Der Finanzausschuß hat dann nochmals in zweiter Lesung an Hand der Berichte der Sparkommissionen den Etat durchberaten. Es konnten allerdings nennenswerte Einsparungen gegenüber den zuerst gefaßten Beschlüssen nicht mehr vorgenommen werden. Wie der Referent betonte, liegen die wesentlichen Ausgaben der Gemeinde ziffernmäßig fest, so daß hieran nichts gekürzt werden kann. Die nicht festliegenden Ausgaben sind vor allem die des Wohlfahrtsetats. Diese können aber gerade in den jetzigen schweren Zeiten nicht allzusehr eingeschränkt werden. Die Ausbalanzierung des Etats sei nach den Beschlüssen des Finanzausschusses dadurch vorgenommen, daß die freien Mittel des außerordentlichen Etats, die eine gewisse Reserve für die Gemeinde bedeutet hätten, in den ordentlichen Etat herübergenommen worden seien, aber im übrigen eine mäßige Erhöhung des Umlagensatzes beantragt werde. — An den allgemeinen Überblick des Finanzreferenten schloß sich eine Generaldebatte an, in der die Vertreter der Fraktionen, K.-R. Dr. Wassermann (Lib.), Dr. Siegel (Zion.), Rosenthaler (Orth.), den Standpunkt ihrer Parteien kurz darlegten und in den wesentlichsten Punkten ihre Zustimmung zu den Ausführungen des Referenten erklärten. — Man trat sodann in die Beratung der einzelnen Einnahmen- und Ausgabenposten ein. Aus den vorgesehenen Ausgabenposten seien hier nur folgende genannt: Synagoge 14 500 RM., Friedhöfe 6500 RM., Bibliothek 2000 RM., Besoldungen und Pensionen 269 860 RM., Anstaltsfürsorge 44 750 RM., offene Fürsorge 96 800 RM., kulturelle und allgemeine jüdische Zwecke 13 500 RM. (hiervon 2500 RM. für den Central-Verein und 1000 RM. für^den Keren Hajessod), hebräische Sprachkurse 1800 RM„ Ostjüdischer Synagogenverband 10 300 RM„ Talmud Thora 7800 RM., Ohel Jakob 13 000 RM. (gegen 14 500 RM., die der Verein Ohel Jakob beantragt hatte). Um den nach dem Voranschlag durch Steuern zu deckenden Betrag von 466 932.92 RM. aufzubringen, erschien eine Erhöhung des Umlagensatzes — derzeit 7 Prozent neben 3 Prozent Verbandsumlagen — unvermeidlich, so schwer sich auch die Gemeinde dazu entschließt, damit ihren Mitgliedern erhöhte Lasten aufzuerlegen. Über das Maß der Umlagenerhöhung kann man natürlich verschiedener Meinung sein. Der Finanzausschuß hatte eine Erhöhung um