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Das jüdische Echo · 1931-02-13 · 7 (13.2.1931) · p. Seite 106

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
7 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 Das Jüdische Echo Nr. 7 läßt sich vorläufig nicht geben — Heimat ins Euphrattal gebracht hatten. Um zu der Schicht zu gelangen, in welcher das Zusammenleben der vorsumerischen und der sumerischen Bewohner festzustellen ist, mußten die Ausgräber durch ein Lehmlager hindurchstoßen, in welchem außer einem, wohl vom Oberlauf hergeführten, versteinerten Knochen keinerlei Funde gemacht wurden. Die Lehmschicht, die zweieinhalb Meter dickt ist, kann nur durch eine Flut von außergewöhnlicher Mächtigkeit hervorgerufen worden sein, wie sie in der Geschichte Mesopotamiens nur einmal verzeichnet ist. Fs ist das die Flut, von welcher die sumerische Chronik sagt „dann kam die Flut und nach der Flut stieg das Königtum zum zweitenmal vom Himmel herab“. Von dieser Flut besitzen wir eine mythologische Darstellung in der elften Tafel des Giigameschepos, und da Woolley in der biblischen Erzählung von Noah in Übereinstimmung mit der Mehrzahl der Forscher eine im Sinne der .monotheistischen Lehre von der göttlichen Gerechtigkeit vorgenommene Umgestaltung dieser Darstellung sieht, so nennt er sein Buch „Ur und die Sintflut“. Die sumerische Kultur hat die Flut überlebt, sie hat sich in der Folgezeit nach Norden verbreitet, ln Ur selbst sind ihre kostbarsten Denkmäler die in den Königsgräbern gefundenen Schätze, welche Woolley in seinem früheren Buche „Vor 5000 Jahren4“ beschrieben hat, denen aber die inzwischen fortgesetzten Grabungen viele neue hinzugefügt haben. Unter diesen neuen Funden hebt Woolley besonders hervor einen (auf dem Buchumschlag farbig reproduzierten) auf seinen Hinterfüßen aufgerichtet vor einem Baum oder Strauch stehenden prachtvollen Widder, dessen Vorderbeine an den Strauch mit silbernen Ketten gebunden sind; der goldene Kopf des Tieres mit Hörnern und Haaren aus Lapislazuli steht zwischen den auf beiden Seiten hoch herausragenden Blättern und Blüten des goldenen Baumes. Dieser Widder, der nach Woolleys (nicht unbestritten gebliebener) Chronologie etwa 1500 Jahre vor Abraham entstanden ist, erinnert den bibelkundigen Verfasser an den Widder, der sich nach Genesis 22, 13 mit seinen Hörnern im Dickicht verfangen hatte und Abraham als Opfertier diente. Ebenso weist Woolley bei Besprechung der Mosaikdarstellungen auf der sogenannten Standarte von Ur auf die eisernen Kriegswagen der Kananäer hin, welche nach Richter 1, 19: 4, 3 den Israeliten bei der Eroberung solche Hindernisse in den Weg legten; sie waren eines der Mittel, mit welchen die Sumerer ihre Eroberungen durchführten und welche die Völker des vorderen Orients, gleich so vielem anderen, ihnen entlehnt haben. Mit den Funden aus der Zeit Sargons I um 2500 gelangen wir in die Periode, in welcher die Oberherrschaft einem Volke semitischer Zunge zufällt, den Akkadern. Sargon nennt sich „König von Sumer und Akkad“, d. i. Süd- und Nordmesopotamien, und ist der erste König der vom bereits semitisierten Norden her den sumerischen Süden erobert. Eine Tochter Sargons hat in Ur gelebt; es haben sich Rollsiegel gefunden, deren Eigentümer im Haushalt dieser Tochter Ämter ausübten, und von ihr selbst ist eine Weihinschrift auf der Rückseite einer eine Opferszene wiedergebenden Darstellung erhalten. Hinter dem Priester ist dort eine Frau in langwallenden Gewändern zu sehen, und nach Analogien aus späterer Zeit ist anzunehmen, daß Sargon seine Tochter, etwa als Hohepriesterin, an den altberühmten Tempel des Mondgottes Nannar nach Ur entsandt hätte. Unterhalb des Stufenturms von Ur liegen die Reste des alten Tempels, des „Hauses des Nannar“. In die Zeit Abrahams führen uns die Überbleibsel aus der Periode Hammurabis, vorausgesetzt daß dieser wirklich, was vielfach bestritten wird, mit dem Amraphel von Genesis 14 identisch ist. Hammurabi hat Ur erobert und ein Siegesdenkmal in einem der Haupttempel der Stadt aufgestellt. Auf Grund der Funde beschreibt Woolley die Einrichtung der Privathäuser, welche der Zeit um 2000 angehören und gibt eines in Rekonstruktion wieder, unter der Bezeichnung „Haus aus der Zeit Abrahams“. In einem dieser Häuser fanden sich auch Tafeln, deren Inschriften neben Hymnen, wie sie beim Gottesdienst in den Tempeln gesungen wurden auch mathematische Tabellen enthalten, darunter solche, welche das Ziehen von Quadrat und Kubikwurzeln lehren. Die Priester von Ur waren also mit solchen Operationen bereits vertraut zur Zeit, da Abraham ihre Stadt verließ. In den Ruinen dieser Häuser finden sich aber auch zahlreiche kleine Tonfiguren, die Götter und ihre Anbeter darstellend: Woolley sieht in ihnen Terapliim, wie sie Rachel ihrem Vater stahl. Etwa 1400 Jahre später, in spätbabylonischer Zeit, hat sich in Ur vor allem Nebukadnezar als Bauherr betätigt. In einem der von ihm restaurierten Tempel nahm er eine bemerkenswerte Neuerung vor: er ließ die Vorderseite öffnen, in der Vorkammer, der Tür gegenüber, den Untersatz für ein Standbild errichten und Raum schaffen für eine große Menge von Zuschauern. Während im alten Tempel der Kultus im Verborgenen stattfand, konnte nun die Menge den Priester beobachten, wie er auf dem Altar unter freiem Himmel opferte und einen Blick auf das Götterbild selbst werfen. Eine Erinnerung an diese Neuerung Nebukadnezars hat sich nach Woolley in Daniel 3 erhalten; während wir sonst nichts davon hören, daß die Juden in der babylonischen Gefangenschaft zur Verehrung einer der Götter gezwungen worden seien, wurde ihnen nach dieser Stelle befohlen, das Bild anzubeten. Das entspricht dem, was Nebukadnezar durch seinen Umbau durchsetzen wollte insofern, als dort die Verehrung durch die Masse zu dem allein von den Priestern zu vollziehenden Kultus hinzutrat. Als denn endlich Kyros, der Perser, das babylonische Reich erobert hatte, hat auch er die Ummauerung des Tempels E nun mach wieder hergestellt. Einen Einblick in die Religionspolitik des Kyros gestattet uns eine dort gefundene Inschrift, in welcher er sagt, „die großen Götter haben alle Länder in meine Hand gegeben“, wenn wie sie mit dem Esra, Kapitel 1, wiedergegebenen Schreiben vergleichen, in welchem Kyros den „Herrn des Himmels“ als Urheber seiner Macht anerkennt. Noch über die Zeit des Kyros hinaus hat die Stadt Ur existiert, es haben sich Tafeln gefunden, die bis in die Mitte des 5. vorchristlichen Jahrhunderts datiert sind. Vielleicht hing es mit dem endgültigen Übertritt der Achämeniden zum zarathustrischen Glauben zusammen, daß die Tempel mit ihren Götterbildern verfielen, bis schließlich sogar der Name der Stadt in Vergessenheit geriet. In diesem Berichte sind aus dem reichen Inhalt des Buches nur einige von den Ergebnissen hervorgehoben, welche auf biblische Nachrichten neues Licht werfen; wer sich über die von den Zeiten Noahs bis in die des Kyros reichende Geschichte der Stadt unterrichten will, sei auf die anschauliche, durch zahlreiche Abbildungen illustrierte Schilderung Woolleys verwiesen. J. H.

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