Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 7 (13.2.1931)
- Date
- 1931-02-13
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Das Jüdische Echo Nr. 7 vitz im Alter von 57 Jahren. Der Verstorbene genoß als Orientalist Weltruf. Aktion für Versorgung der Juden Rußlands mit Mazzoth zum kommenden Pessachfest Berlin, 9. Februar. (JTA.) Der vor einigen Jahren aus Rußland nach Riga übersiedelte Rabbi Schneersohn, der unter dem Namen „Lubawitscher Rebbe“ in der orthodoxen Welt große Verehrung genießt, wandte sich an die Jüdische Telegraphen- Agentur mit dem Ersuchen, in seinem Namen die Verwandten und Freunde russischer Juden in den Ländern Europas und in Amerika, sowie überall in der Welt durch die Presse aufzufordern, Mazzoth und Pessachmehl in Paketen an Juden in Rußland zu schicken, da in Rußland selbst den Juden fast keine Möglichkeit gegeben ist, an Ort und Stelle ihren Bedarf an Mazzoth und Pessachmehl zu dekken und große Teile der russischen Judenheit der Gefahr ausgesetzt sind, an den kommenden Pessachtagen ohne Mazzoth zu bleiben und hungern zu müssen. Rabbi Schneersohn weist darauf hin, daß die Sendung von Mazzoth und Mehl in Paketen nach Rußland gesetzlich erlaubt ist. Rabbi Schneersohn teilt in seinem Telegramm an die JTA. weiter mit, daß — um die Mazzothhilfe für die Juden in Rußland auch aus entfernten Ländern zu erleichtern — sich in Berlin ein Komitee mit Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer an der Spitze gebildet hat, welches Geldspenden als Ablösung für Pakete entgegennimmt und die Anschaffung von Mazzoth und Mazzothmehl und die bbersendung der gewünschten Pakete nach Rußland durchführt. Die Adresse des Berliner Komitees ist: Dr. Emil Hirsch (in Firma Aron Hirsch und Sohn), Berlin-Charlottenburg, Hardenbergstraße 43. Wie wir erfahren, ist in Deutschland ein Komitee für Versorgung der Juden in Rußland mit Mazzoth im Entstehen begriffen, dem außer Rabbiner Dr. Hildesheimer und Dr. Emil Hirsch noch Persönlichkeiten wie Rabbiner Dr. Baeck, Hans Goslar, wahrscheinlich auch einer der Führer des Central-Vereins, ferner Herr Jocob Rosenheim und Rabbiner Dr. Jakob Horowitz aus Frankfurt a. M., der Präsident des Bayerischen Gemeindeverbandes Dr. Neumeyer und Justizrat Straus aus München u. a. m. angehören werden. In Österreich besteht bereits ein Mazzoth-Komitee. In Polen wurde ein solches Komitee unter Führung des Chofetz Chaim und Rabbi Ch. O. Grodzenski gebildet. Brand in der Synagoge Dragonerstraße Berlin, 8. Februar. (JTA.) In der Synagoge Dragonerstraße 45, dem Betraum einer orthodoxen jüdischen Religionsgemeinschaft, brach infolge schadhaften Ofens Feuer aus. Die Feuerwehr mußte den Ofen, unter dem die Decke völlig durchgebrannt war, abreißen und die Balken entfernen, um ein Umsichgreifen des Feuers zu verhüten. Wiederum antisemitische Krawalle in der Berliner Universität Berlin, 5. Februar. (JTA.) Vor dem Universitätsgebäude kam es am 4. Februar mittags zu einem antisemitischen Krawall. Ein Zeitungshändler, der das Antifaschistenblatt „Alarm“ verkaufte, wurde von nationalsozialistischen Studenten mit dem Zuruf „Judenknecht“ und anderen Schimpfworten bedacht und schwer bedroht. Von den Studenten verfolgt, flüchtete der Händler in das Universitätsgebäude, wo demokratische Studenten sich seiner annahmen. Kurz darauf herangekommene Polizeibeamten rieten dem Händler, zum Schutze seiner Person den Verkaufsplatz zu räumen. Die demokratische Presse kritisiert das Verhalten der Polizeibeamten und weist daraufhin, daß staatsfeindliche Hetzblätter wie „Angriff“ und „Völkischer Beobachter“ ungestört vor der Universität feilgeboten werden können, während ein Blatt wie „Alarm“, das für Staat und Republik kämpft, nicht hinreichend geschützt wird. Die mehrtägigen antisemitischen Studentenexzesse in Wien W i e n , 5. Februar. (JTA.) Am Donnerstag, dem ersten Wahltag für die Studentenkammern, steigerte sich der nationalsozialistische Terror an den Hochschulen, der seit einigen Tagen ununterbrochen wütet, noch weiter. Gegen 9.30 Uhr kam es zu Schlägereien zwischen völkischen und sozialistischen Studenten, die durch Verteilung von Flugzetteln für Wahlenthaltung Propaganda machten. Mehrere Hochschüler erlitten Verletzungen. Völkische Studenten übten Kontrolle über die Legitimationskarten der Studenten aus und verwehrten den Studenten anderer Gesinnungsart den Eintritt in die Universität. An jeden eintretenden Studenten wurde die Frage gestellt: „Sind Sie Jude?“ Gab der befragte Student eine bejahende Antwort, so wurde er mit den Worten zurückgedrängt: „Hier ist aber eine deutsche Hochschule!“ Auch an der Technischen Hochschule kamen schwere antisemitische Exzesse vor. Nationalsozialistische Studenten blockierten das Hochschulgebäude und verweigerten den jüdischen Studenten den Einlaß. Einige jüdische Studenten wurden mißhandelt. Baron Edmond de Rothschild gibt Dr. Weizmann 30 000 Pfund London, 8. Februar. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur bereits mitgeteilt hat, hat Dr. Weizmann anläßlich seines letzten Aufenthaltes in Paris den Ehrenpräsidenten der Jewish Agency, Baron Edmond de Rothschild, über die finanziellen Schwierigkeiten der Agency in Palästina informiert, woraufhin Baron Edmond einen ansehnlichen Betrag für die Arbeit der Agency in Palästina zur Verfügung gestellt hat. Wie nun verlautet, beträgt die Summe, die Baron Edmond de Rothschild dem Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Weizmann, zur Verfügung gestellt hat, 30 000 Pfund. Hierzu schreibt die „Jüdische Rundschau“: Der alte Baron hat sich wieder als der aufrichtigste und wärmste Freund der jüdischen Palästinasache bewährt. Seit 50 Jahren ist dieser Mann in unverminderter Palästinaliebe den Pionieren des jüdischen Aufbaus ein getreuer Eckart. Mehr noch als das Geld wirkt die Ermutigung, die aus diesem festen Glauben an die Palästinasache strömt. Professor William Hechler gestorben Ein christlicher Freund Theodor Herzls und des Zionismus London, 2. Februar. (JTA.) Im Alter von 86 Jahren verstarb in London der Theologe der Anglikanischen Kirche, Professor William Hechler, einst ein Freund Theodor Herzls und bis zuletzt ein Anhänger der Idee eines jüdischen Staates in Palästina. Professor Hechler war beherrscht von dem Gedanken, daß das Reich des Messias kommen werde, wenn Palästina von Juden besiedelt sein wird. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts trat er als ein der englischen Botschaft in Wien zugeteilter Hofkaplan in Beziehungen zu Theodor Herzl, kurz nachdem Herzl sein Buch „Der Judenstaat“ veröffentlicht hatte und an den Aufbau der zionistischen Weltorganisation ge-