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Das jüdische Echo · 1931-02-06 · 6 (6.2.1931) · p. Seite 90

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
6 (6.2.1931)
Date
1931-02-06
Page
Seite 90 (sequence 10)
Language
German
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90 Das Jüdische Echo Nr. 6 brandmarkt. Das Unterrichtsministerium legte ihm daraufhin nahe, auf seine Professur zu verzichten. Nach längerem Sträuben mußte sich Rohling schließlich dazu verstehen, seine akademische Würde niederzulegen. Er betätigte sich dann noch viele Jahre lang in der antisemitischen Bewegung Österreichs und Deutschlands. Ungeachtet der Ergebnisse des Prozesses gegen Dr. Bloch, die für Rohling vernichtend waren, liefern Rohlings Schriften bis heule den Antisemiten das „wissenschaftliche“ Rüstzeug gegen die Juden. Sein treuester Schüler in Deutschland ist der Leipziger „Hammers-Herausgeber Fritsch. Rohling war vor einer Reihe von Jahren in den Hintergrund getreten, er lebte in Salzburg und in Wien. In den letzten Jahren war er schwachsinnig geworden. Er starb in Not und Elend. Protestkundgebung der Internationalen Liga gegen den Antisemitismus in Paris Paris, 21. Januar. (JTA.) Die französische Abteilung der Internationalen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus veranstaltete eine Protestkundgebung gegen den internationalen Antisemismus, an der weit mehr als 4000 Personen teilnahmen. Den Vorsitz führte der bekannte Schriftsteller Bernard Lecache. Ansprachen hielten der ehemalige Ministerpräsident Edouard Herriot, die Deputierten Frossard und Marc Sangnier, der berühmte Schriftsteller Henri Barbusse, der Geistliche Vergäre als Vertreter der französischen Protestanten, der deutsche Schriftsteller Walther Mehring und, im Namen der französischen Juden, Grand Rabbin Israel Levi. Der Ehrenpräsident der Liga, Albert Einstein, sandte aus Amerika telegraphisch einen Gruß an die Versammlung, der mit großem Jubel aufgenommen wurde. Sämtliche Redner verdammten auf das Schwerste den Versuch des internationalen Antisemitismus, die Völker gegeneinander und alle gegen das Judentum zu hetzen. Besonders scharf wurde gegen die antisemitische Hetze in Rumänien und die Umtriebe der Nationalsozialisten in Deutschland protestiert. Die Redner appellierten an den Völkerbund, energische Maßnahmen gegen diese Bewegungen, die die Annäherung der Völker aneinander verhindern, den Frieden gefährden und neue Kriege vorbereiten, zu ergreifen. Großrabbiner Israel Levi wies insbesondere darauf hin, daß ein Staat wie Rumänien, der auf internationale Unterstützung durch die Finanzweit angewiesen ist, es sich nicht gestatten dürfe, der Barbarei des Antisemitismus in seinem Lande freien Spielraum zu gewähren. Walther Mehring gab den Rat, Deutschland durch Milderung der internationalen Lasten dazu zu verhelfen, die Arbeitslosigkeit und die Wirlschaflsnot zu lindern; dadurch würde dem Antisemitismus der Boden entzogen sejn. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in der gegen die judenfeindliche Bewegung in Algerien, und die antijüdischen Exzesse in Rumänien Stellung genommen wird. Die Entschließung enthält eine Botschaft an das deutsche Volk mit der Aufforderung, es möge seine Freiheit gegen Hitler verteidigen. Die Resolution schließt mit den Worten: „Es lebe die Annäherung der Völker! Es lebe der Frieden!“ Einzelne Royalisten versuchten, die Versammlung durch Zwischenrufe zu stören, sie wurden aber rasch aus dem Saale entfernt. Zweite Tagung der mitteleuropäischen Arbeitsgemeinschaft für jüdische Wandererfürsorge Prag, 30. Januar. (JTA.) Am 25. Januar begann in Prag die zweite Tagung der mitteleuropäischen Arbeitsgemeinschaft für jüdische Wanderfürsorge unter Beteiligung von Vertretern der jüdischen Gemeinden Berlin, Wien, München, Linz, des Obersten Rates der jüdischen Gemeinden in der CSR, der Kultusgemeindeverbände von Böhmen, Mähren und Schlesien und zahlreicher tschechoslowakischer Vertreter. Nach den Begrüßungen und Verlesungen von Zuslimmungskundgebungen aus Warschau und Budapest werden Justizrat Strauß (München), Oberinspektor Slonilz (Prag) und Reg.-Rat Dr. Wiesmeyer (Prag) ins Präsidium gewählt. Justizrat Strauß erstattete Bericht über die Fortschritte, die in der internationalen Regelung der Wanderfürsorge in den letzten Jahren zu verzeichnen sind. Adler-Rudel (Berlin) machte ausführliche Darlegungen über die Situation in jenen Ländern, aus denen früher mehr als 200' 000 Juden jährlich nach Amerika auswandern konnten, sowie über die Siedlungs- und Erwerbsverhältnisse der Juden. Dr. Kreutzberger (Berlin) berichtete über den organisatorischen Ausbau der Arbeitsgemeinschaft, über die Zusammenarbeit mit OSE-HIAS- EMIGDIREGT, sowie über die Möglichkeiten einer Auswanderung nach Ländern, in denen derzeit keine Arbeitslosigkeit herrscht. Er gab weiter Aufschlüsse über die Rückwanderung von Arbeitern aus jenen Ländern, in welchen sie während der ersten Nachkriegsjahre beim Wiederaufbau Erwerb gefunden haben. Es folgten Berichte über den Stand der Wanderfürsorge in Deutschland (Dr. Kreutzberger), Österreich (Engel), Tschechoslowakei (Slonitz). Die Ergebnisse der Beratung wurden in Resolutionen zusammengefaßt. Die Arbeitsgemeinschaft selbst erhält durch ein Statut eine feste Form. Die Arbeitsgemeinschaft soll ausgebaut werden und sich auch auf die übrigen europäischen Länder erstrecken. Die Prager Fürsorgezentrale wurde beauftragt, den Anschluß der slowakischen und karpathorussischen Gemeinden an die Arbeitsgemeinschaft in die Wege zu leiten. Die Verhandlungen mit den anderen Ländern wird die Berliner Zentrale führen. Ein jüdischer Soldat im Dienste zu Tode mißhandelt Warschau, 26. Januar. (JTA.) In einem Prozeß vor dem Warschauer Kreisgericht kam ein besonders krasser Fall von Mißhandlung eines jüdischen Soldaten im Dienste zur Verhandlung. Im Jahre 1928 wurde der Jude Schlome Ossowski trotz körperlicher Unlauglichkeit zum Militärdienst eingezogen. Obwohl Ossowski nach kurzer Zeit infolge der Strapazen des Dienstes erkrankte, wurde er von dem ihm unmittelbar Vorgesetzten Unteroffizier unter unglaublichen Mißhandlungen gezwungen, auch weiterhin die schwersten Übungen mitzumachen. Schließlich brach er zusammen und wurde ins Lazarett eingeliefert, wo er nach kurzer Zeit den Folgen der erlittenen Mißhandlungen erlag. Die militärärztliche Obduktion stellte bei dem Verstorbenen schwerste Verletzungen und ein fortgeschrittenes Lungenleiden fest. Die schuldigen Unteroffiziere waren von der Militärbehörde seinerzeit im Disziplinarwege mit unbedeutenden Strafen belegt worden. Die Mutter des Verstorbenen, Chaja Ossowski, hat nunmehr gegen die Unteroffiziere und die polnische Militärverwaltung eine Schadenersatzklage auf Erstattung von 38 000 Zloty angestrengt. Die einvernommenen Zeugen brachten erschütternde Einzelheiten aus der Leidensgeschichte des zu Tode mißhandelten jüdischen Soldaten zur Kenntnis des Gerichtes. Der Prozeß wurde vertagt.

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