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Das jüdische Echo · 1931-02-06 · 6 (6.2.1931) · p. Seite 89

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
6 (6.2.1931)
Date
1931-02-06
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 89 ist aber zu 50 Prozent jüdischer Herkunft! Wie vermag es daher ein Mann von Charakter mit Manneswürde zu vereinbaren, heute dem mit Hakenkreuz geschmückten Geßlerhut seine Reverenz zu erweisen.“ „Schmeißt die Juden raus!“ Berlin, 1. Februar. (JTA.) Die „Frankfurter Zeitung“ schreibt: „Schmeißt die Juden raus!“, so hatten zielbewußte Schreier bei der Berliner Reichsgründungsfeier im Sportpalast gerufen. Die Deutschnationalen versammelten an diesem Abend ihre rein-arischen Mannschaften, es sprachen Hugenberg und Hofprediger Doehring, die Begeisterung war groß, kein marxistischer Bazillus war anwesend, kein römischer und, selbstverständlich, kein jüdischer. Und doch: die Versammlung war nicht völlig judenrein. Man weiß, wie sies machen: hintenherum drängeln sie sich ein. Diesmal versuchten sie das Gehirn des Herrn Doehring. Es passierte ihm, daß er im Hochgefühl seiner Rede zur Verherrlichung Wilhelm II. mit prachtvollem Pathos deklamierte: „Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab, Viel Schwerter klirren und blitzen; Dann steig’ ich gewappnet hervor aus dem Grab, Den Kaiser, den Kaiser zu schützen.“ Die Hörer waren begeistert. Heine lächelte im Olymp. Der fluchwürdige Bazillus hatte wieder einmal sein Werk getan und in diesem Falle eine ganze Versammlung infiziert. Aus der jüdischen Welt Die 98. Friedhofsschändung Berlin, 29. Januar. (JTA.) Am vergangenen Sonntag wurde auf dem jüdischen Friedhof zu Klein-Krotzenburg eine grobe Schändung festgeslellt. Sieben Grabsteine sind umgestürzt und einer davon ist schwer beschädigt worden. Da nicht anzunehmen ist, daß eine einzelne Person eine solche Tat vollbracht haben kann, müssen wohl mehrere Täter in Frage kommen, die die sehr hohe Friedhofsmauer überklettert und das Zerstörungswerk vollbracht haben. Es läßt sich nicht einmal mehr genau feststellen, wann die Tat geschah. Vor einigen Jahren ist im Friedhof zu Kleinkrotzenburg ein ähnlicher Frevel vorgekommen. Damals stellte sich heraus, daß die Tat von Schulkindern verübt worden war. Die Polizei ist um die Aufklärung der neuen Schändung eifrig bemüht. Völkische Synagogenstürmer mit Gefängnis bestraft Berlin, 29. Januar. (JTA.) Das Schöffengericht in Essen verhandelte gegen fünf völkische Jünglinge, die im Oktober 1939 während eines Morgengottesdienstes in einer Essener Synagoge im Gänsemarsch in die Synagoge eindrangen, durch Lärm eine Unterbrechung des Gottesdienstes erzwangen und den Lehrer Buchheim, der sie aus dem Betraum wies, so mißhandelten, daß er vier Wochen krank darniederlag. Der Kantor wurde gleichfalls erheblich verletzt. Unter fortgesetzten Rufen: „Juda, verrecke!“ — während einer der Eindringlinge sein Messer an den steinernen Treppenstufen wetzte — verließen die Rowdys das Gotteshaus. Das Gericht verurteilte den Haupttäter zu fünf, einen anderen zu vier und die drei übrigen Angeklagten zu je zwei Monaten Gefängnis. In der Urteilsbegründung bezeichnete der Vorsitzende die Täter als „Lümmels“. 14 Leutershauser Juden verklagen den „Stürmer- Redakteur Holz Berlin, 39. Januar. (JTA.) Unter der Überschrift „Die Kipperjuden von Leutershausen“ brachte der „Stürmer“ in Nürnberg einen Artikel, in dem er über die Juden des kleinen fränkischen Städtchens Leutershausen ungeheuerliche Beschimpfungen ausgoß; er nannte sie „Bauernschlächter und Frauenschächter“, „Eine Bande gaunerisch aussehender Menschen“. Die betreffende Nummer des „Stürmer“ wurde durch Sturmtrupps in Leutershausen und Umgebung von Haus zu Haus verteilt. In der ganzen Gegend wurde eine solche Stimmung gegen die Juden erregt, daß sie sich kaum mehr aus dem Haus trauen konnten. In dieser Sache haben vierzehn jüdische Einwohner von Leutershausen gegen Holz Beleidigungsklage angestrengt. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu vierzehn Tagen Gefängnis. Holz legte Berufung ein, das Landgericht erklärte aber seinen Wahrheitsbeweis als mißlungen. Gleichwohl rechnete es ihm als Milderungsgrund an, daß er irregeführt worden sei und aus fanatischer Überzeugung handle, und legte ihm statt einer Freiheitsstrafe eine Geldstrafe von 990 M. auf. Das Gericht sah eine Kollektivbeleidigung als vorliegend an, zu deren Verfolgung jeder Jude von Leutershausen berechtigt war. August Rohling, der Nestor der deutschen Antisemiten, gestorben Der entlarvte Urheber zahlreicher antisemitischer Fälschungen W ien, 27. Januar. (JTA.) Im Alter von 92 Jahren verstarb heute in Wien Professor August Rohling, der älteste unter den Führern des Antisemitismus in Deutschland, wohl der erste, der es unternahm, den Antisemitismus „wissenschaftlich“ zu fundieren und so Ideal und Vorbild aller antisemitischen Fälscher von heute geworden ist. August Rohling wurde 1839» in Neukirchen geboren, wurde später Theologieprofessor an der Universität Münster und 1881 an die Prager deutsche Universität berufen. Schon in Münster begann er eine hetzerische antisemitische Tätigkeit. 1871 ließ er dort seinen berüchtigt gewordenen „Talmudjuden“ erscheinen. Die Schrift wurde in Zehntausenden von Exemplaren verbreitet, ein Neudruck erschien 1924». Der „Talmudjude“ ist ein Pamphlet, das den Nachweis erbringen will, daß „der Jude von Religions wegen die Andersgläubigen physisch und moralisch, heimlich oder offen zu verderben befugt ist“. Der vor einigen Jahren verstorbene einstige Abgeordnete des österreichischen Reichstags Dr. Josef Bloch, damals Rabbiner in der Wiener Vorstadtgemeinde Florisdorf, stellte öffentlich die Behauptung auf, daß Rohling nicht in der Lage ist, auch nur eine Seite des Talmuds zu übersetzen und daß er die Gerichte durch falsche Angaben hinlergangen habe. Im Verlaufe der von ihm gegen Bloch angestrengten Prozesse erklärte sich Rohling bereit, vor dem Gerichtshof in Lemberg zu beeiden, daß die jüdische Religion den Ritualmord kenne. Bloch veröffentlichte in der Tagespresse Erklärungen, in denen er Rohling des Meineids und der Lüge bezichtigte. Es kam daraufhin wieder zu einem Prozeß, in dem die angesehensten Orientalisten, wie Noeldeke, Wünsche, Franz Delitzsch, gegen Rohling als Gutachter auftraten und ihm Ignoranz und bewußte Fälschungen nachwiesen. Unmittelbar vor der Schlußverhandlung des durch zwei Jahre sich hinziehenden Prozesses trat Rohling von der Anklage zurück und war damit vor aller Welt als Ignorant und Meineidiger ge-

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