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Das jüdische Echo · 1931-02-06 · 6 (6.2.1931) · p. Seite 85

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
6 (6.2.1931)
Date
1931-02-06
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 85 Bezüglich der Verhandlungen zwischen Regierung und Jewisli Agency sei festzustehen, daß die Regierung sich dem jüdischen Standpunkt nunmehr wesentlich genähert habe. Es dürfe erwartet werden, daß der erste Teil der Verhandlungen demnächst mit einem Erfolg für die jüdische Sache abgeschlossen werden würde. Im zweiten Teil der Verhandlungen werde insbesondere darauf hingewirkt werden müssen, daß in der Palästinaadministration gewisse Änderungen eintreten, die die weitere Entwicklung des Nationalheims verbürgen. Wichtig sei vor allem die Beendigung des inneren Kampfes in der Organisation. Die neue politische Lage lasse die Bildung einer großen Koalition auf dem nächsten Kongreß, die alle Gruppen mit Ausnahme von Britli Schalom und eines Teiles der Revisionisten umfassen könnte, als möglich und wünschenswert erscheinen. Vom zionistischen Patriotismus Weizmanns müsse verlangt werden, daß er auf eine Kandidatur auf dem nächsten Kongreß, die zum Zankapfel zwischen den Parteien werden würde, verzichte. Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine Diskusion, in der zunächst im Namen der Revisionisten Richard Lichtheim das Wort ergriff. Er erklärte, alle Gründe, die für eine Verschiebung des Kongresses sprechen, seien schon auf der Novembertagung des A.C. bekannt gewesen; trotzdem habe man sich damals entschlossen, den Kongreß im Februar abzuhalten. Die Radikalen hätten, insbesondere dadurch, daß Grünbaum sich bereit erklärte, in die Weizmann- Exekutive einzutreten, die Position der jetzigen Leitung gestärkt. Den Erfolgen bei den Verhandlungen zwischen Regierung und J.A. dürfe keine zu große Bedeutung beigemessen werden. Es könnten nur diplomatische Erfolge sein, die auf die Gestaltung der Lage in Palästina wenig Einfluß haben werden. — Den Ausführungen Lichtheims trat Alfred Berger scharf entgegen. Es sei merkwürdig, daß gerade die Revisionisten, die auf diplomatische Verhandlungen zuerst besonderen Wert gelegt haben, versuchen, einen eventuellen Verhandlungserfolg schon im voraus zu verkleinern. Der von den Revisionisten angedrohte Austritt aus der Zionistischen Organisation würde vielleicht eine gewisse Beruhigung herbeiführen. In seinem Schlußwort erklärte Dr. Goldmann, ein Eintritt Grünbaums in die jetzige Exekutive sei nie in Frage gekommen. Außerhalb des A.C.-Plenums geführte Verhandlungen über den Rücktritt der jetzigen und Bildung einer neuen Exekutive seien ergebnislos verlaufen. Während der Ausführungen Dr. Goldmanns erschien das Mitglied der Exekutive, J. Sprinzak, und wurde von der Versammlung lebhaft akklamiert. Die Radikalen Zionisten verharren in der Opposition, ziehen aber ihren Vertreter aus der Politischen Kommision nicht zurück Berlin, 2. Februar. (JTA.) Das Zentralkomitee der Vereinigung Radikaler Zionisten, das am 31. Januar und 1. Februar in Berlin tagte, hat das Verbleiben seines Vertreters in der Politischen Kommission beschlossen; gleichzeitig hat es in einer ausführlichen Resolution zu der innerzionistischen Situation Stellung genommen. In dieser Resolution wird der unveränderten oppositionellen Haltung der Radikalen gegenüber der jetzigen Exekutive erneut Ausdruck gegeben und ein grundsätzlicher Kurswechsel gegenüber dem Weizmann- System, sowie die Einsetzung einer neuen Leitung auf dem nächsten Kongreß gefordert. Der deutsche Misrachi und die A.C.-Beschlüsse — Lazarus Barth kehrt wahrscheinlich in die zionistische Exekutive zurück Berlin, 2. Februar. (JTA.) In der „Jüdischen Rundschau“ befaßt sich Dr. Oscar Wolfsberg, einer der prominentesten Führer der Misrachibewegung, mit dem Beschluß des A.C., den Kongreß zu verschieben, und dem im Zusammenhang mit diesem Beschluß erfolgten Austritt der misrachistischen Vertreter aus der zionistischen Weltexekutive. Dr. Wolfsberg erklärt, daß die deutschen Misrachisten ebenso wie die amerikanischen im Hinblick auf die gegenwärtige Finanzsituation mit dem A.C.-Beschiuß betreffend Verschiebung des Kongresses einverstanden sind. Wir lehnen, schreibt er, bei Abstimmung von Fragen, die mit den Prinzipien des Misrachi kaum etwas zu tun haben, den Fraktionszwang ab und halten so weitgehende Beschlüsse wie die Zurückziehung der misrachistischen Exekutivemitglieder nach Ablehnung des Vertagungsbeschlusses für vollkommen unmöglich. Rabbi Berlins Persönlichkeit und Leistungskraft genießt bei uns, trotz manchem Trennenden, Hochschätzung; seinen Schritt begreifen wir aus seiner Einstellung, obwohl wir ihn sehr bedauern. Aber e r konnte auf Grund persönlichster Überzeugung seine Demission vollziehen, was er ja auch bereits in einem früheren Stadium einmal getan hat. Daß aber eine ganze Fraktion, die noch nicht einmal von vornherein einheitlich zu der Frage der Kongreßverschiebung stand, unter dem Joch des Fraktionszwanges nicht nur gegen die Vertagung stimmt, sondern nach der Abstimmung, die gegen sie ausgefallen ist, ihre Mitglieder aus der Exekutive abberuft, das ist von höchster Gefahr und Bedenklichkeit. Es ist die Aufgabe und Funktion des deutschen Misrachi, dieser verhängnisvollen Entwicklung sich entgegenzustellen.... Das deutsche Zentralbüro des Misrachi hat in seiner überwiegenden Mehrheit die Überzeugung gewonnen, daß es Pflicht sei, Lazarus Barth um sein Verbleiben in der Exekutive zu bitten und damit für seine Person der Aufforderung des A.C. Folge zu leisten. Im Moment ist der Zusammenschluß aller Kräfte von höchster Bedeutung, und jede Bresche in der Mauer von Schaden. Je weiter die Reihe der Männer und Gruppen ist, die bereit sind, an der schweren Verantwortung mitzutragen, um so besser ist es für die Fortführung unserer großen, aber doch so schweren Arbeit. „Wir hoffen,“ schließt Dr. Wolfsberg, „daß die Stellungnahme des deutschen Misrachi auch im Weltmisrachi eine Einkehr verursachen wird, und hoffen insbesondere, daß unser Freund Lazarus Barth sich der Argumentation nicht verschließen wird, die von unserer Seite an ihn gelangt ist. Wenn die Annullierung seiner Demission auch vom gesamten Misrachi getragen sein und somit der Misrachi eine vorschnelle Entscheidung rückgängig machen würde, so wäre das für uns weniger eine Genugtuung als eine innere Freude.“ * Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen englischer Regierung und Jewish Agency London, 1. Februar. (JTA.) Die Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der Jewish Agency dürften noch im Laufe dieser Woche wieder aufgenommen werden. Die Mitglieder der vom Aktionskomitee im November 1930 eingesetzten politischen Kommission wurden telegraphisch nach London berufen. Neuyork, 28. Januar. (JTA.) „New York Times“ meldet aus London, daß die britische Re-

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