Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 5 (30.1.1931)
- Date
- 1931-01-30
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Das Jüdische Echo Nr. 5 Die amerikanischen Einwanderungsquoten um 90 Prozent gekürzt Washington, 23. Januar. (JTA.) Der Einwanderungsausschuß des Repräsentantenhauses hat den Antrag Staatssekretärs Sthnons, die Einwanderungsquoten für die nächsten zwei Jahre auf 10 Prozent ihres jetzigen Ausmaßes herabzusetzen, angenommen. Eine Reihe jüdischer Organisationen der Vereinigten Staaten, darunter das American Jewish Committee, der American Jewish Congress und HJAS, sowie der Bundesrat der christlichen Kirchen in Amerika, die christliche Vereinigung junger Männer und die Liga zum Schutz der Einwanderer haben hei Staatssekretär Stimson gegen jegliche Einwanderungsgesetzgebung, die „weitere Schranken gegen die Zulassung und Vereinigung von Eamilien amerikanischer Bürger oder in den Vereinigten Staaten ansässiger Ausländer errichten würde“, Vorstellungen erhoben. Die erwähnten Organisationen erklären in einem gemeinsamen Schreiben an Staatssekretär Stimson, die Errichtung derartiger Schranken wäre inhuman und „gegen unser nationales Eigeninteresse“ gerichtet, da „der im Lande ansässige Ausländer, der seine Familie hier hat, mit dem Lande stärker verbunden ist.“ Der dem Kongreß bei seiner Wiedereröffnung im vorigen Monat von Senator Reed, dem Vorsitzenden des Einwanderungsausschusses des Senats, und dem Abgeordneten Johnson, dem Obmann des Einwanderungsausschusses des Repräsentantenhauses, vorgelegte ursprüngliche Gesetzentwurf, sah die vollständige Einstellung der Einwanderung für die nächsten zwei Jahre als Mittel zur Bekämpfung der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten vor. Nach diesem Gesetzentwürfe hätten nur nahe Verwandte von Bürgern oder von Ausländern, die auf Grund einer gültigen Aufenthaltserlaubnis in den Vereinigten Staaten leben, zur Einwanderung zugelassen werden sollen. Staatssekretär Stimpson hat sich gegen den von Reed und Johnson eingebrach ten Entwurf ausgesprochen, weil durch ein solches Gesetz das Prinzip der Gliederung der Einwanderung nach nationaler Herkunft umgestoßen worden wäre. Das Verhältnis zwischen der Einwanderung aus Nord- und Westeuropa einerseits und der aus Süd- und Osteuropa anderseits wäre wesentlich geändert worden. Dies wird durch die von Stimpson vorgeschlagene und nunmehr vom Einwanderungsausschuß des Repräsentantenhauses akzeptierte Methode einer 90prozentigen Quotenreduktion vermieden. Die Sturmkatastrophe in Palästina Jerusalem, 23. Januar. (JTA.) Die Sturmkatastrophe, von der Palästina in den letzten Tagen heimgesucht wurde, hat im ganzen Lande schwere Schäden verursacht. Etwa 15' bis 20 Prozent der Orangenernte sind vernichtet. In Haifa wurden einzelne am Meeresufer gelegene Eisenbahndämme vollkommen unterspült und die Geleise zerstört. Der neu errichtete Wellenbrecher im Hafen von Haifa wurde stark beschädigt. Ein Angestellter des Haifaer Hospitals fand durch Berührung einer vom Sturm zerrissenen Hochspannungsleitung den Tod. Im Hafen von Jaffa sind 50’ Ausladeboote gesunken. Die Springflut überschwemmte die Quais und drang in zahlreiche Gebäude ein. Auch die Alllenby-Straße in Tel-Awiw war überschwemmt, die elektrische Beleuchtung unterbrochen. Auf dem Tiberias-See kenterte ein von fünf Chaluzim besetztes Boot. Zwei Insassen sind ertrunken, die übrigen konnten schwimmend das Ufer erreichen. Der Orkan wütete auch in anderen Küstengebieten des Mittelmeeres und hat u. a. im jüdischen Viertel von Tripolis großen Schaden angerichtet. Durch herabstürzende Trümmer eines vom Sturme abgerissenen Daches wurden zwei Juden getötet, einer schwer verletzt. Beisetzung Mohammed Alis ir. der Omar-Moschee Jerusalem, 23. Januar. (JTA.) Die Beisetzung des Führers der indischen Mohammedaner, Maulana Mohammed Ali, in der Omar-Moschee zu Jerusalem fand am Freitag, dem 23. Januar, statt. Der Leichnam Mohammed Alis ruht in einem Sarkophag, der die Form einer Moschee hat. Anläßlich der Feierlichkeiten, an denen Tausende von Mohammedanern aus ganz Palästina und den Nachbarländern teilnahmen, kam es zu Verbrüderungsszenen zwischen palästinensischen und indischen Moslems. Da die Herbstbestellung in Palästina zum großen Teile bereits beendet ist, waren zahlreiche Fellachen nach Jerusalem gekommen. Auf Anordnung des Großmufti waren die arabischen Arbeiter und Angestellten Jerusalems dienstfrei. Zahlreiche Deputationen aus verschiedenen mohammedanischen Ländern nahmen an der Bestattungsfeier teil. Dank den umfangreichen Sicherungsmaßnahmen der englischen Behörden ist es im allgemeinen nicht zu Ruhestörungen gekommen. Nur ein Auto mit jüdischen Insassen wurde mit Steinen beworfen. Chaluzimwanderung nach Palästina im Februar Jerusalem, 23. Februar. (JTA.) Die Exekutive der Jewish Agency gibt bekannt, daß im Monat Februar 291 Chaluzim die Einwanderung nach Palästina bewilligt wrorden ist. Diese Chaluzim werden sich den in den Kolonien bestehenden Arbeitergruppen anschließen. Außerdem werden 180 Einreiseerlaubnisse für Personen, für deren Unterhalt seitens ihrer in Palästina lebenden Verwandten garantiert wird, sowie 75 Zertifikate für Chaluzim aus Sowjetrußland ausgegeben werden. || Hl II Feuilleton_Hl ||||!j Wie der alte Mond sein Geschäft aufgab I)r. Ludwig Mond, der Valor des jetzt verstorbenen Chemie-Lords Melchell, war längst einer der reichsten Männer Englands. Aber in der Obersten Gasse in Kassel stand immer noch hinter dem Ladentisch in dem altmodischen kleinen Tuchladen sein alter Vater, Moritz Mond, und verkaufte den Bauern, die zum Markte kamen, Nanking und Kattun und Schirting und was damals so die Bauern brauchten. Immer wieder hatte der Sohn versucht, den mehr als siebzigjährigen Vater zu veranlassen, das Geschäft aufzugeben, aber der Alte hing an seinem Geschäft und außerdem war er stolz. Er „ließ sich nichts schenken“! Der Sohn mochte Geld scliikken, so viel er wollte. Jedesmal erhielt er es prompt und von einem nicht gerade zärtlichen Schreiben begleitet zurück. „Der alte Moritz Mond hat sich immer ganz gut ernährt und wird sich auf seine alten Tage nicht nachsagen lassen, daß er sich von seinem Sohn ernähren ließ“, schrieb er. Da war also nichts zu machen. Der alte Mann hätte bis an sein Lebensende hinter dem Ladentisch gestanden, wenn nicht eines Tages eine seltsame Sache passiert wäre. Ein