Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 5 (30.1.1931)
- Date
- 1931-01-30
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103087-9176157--11471-9083542- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5 Das Jüdische Echo 71 Kampagne nach den Vereinigten Staaten begeben werde. Es sei noch keine Entscheidung über die Frage getroffen worden, ob die Verhandlungen mit der Regierung während des Aufenthaltes Dr. Weizmanns in Amerika unterbrochen oder trotz seiner Abwesenheit fortgeführt und erst nach seiner Rückkehr abgeschlosesn werden sollen. Sokolow kam sodann auf die Verschiebung des Kongreßtermins zu sprechen und erklärte, der Zionistenkongreß sei nicht Selbstzweck, sondern nur eines der Mittel zum wirklichen Zwecke, nämlich zum Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina. Große Teile der Zionistischen Organisation hätten darauf gedrängt, daß der Kongreßtermin verschoben werde, indem sie darauf hinwiesen, daß die Abhaltung des Kongresses den Palästina-Drive in Amerika schädigen würde. Ein weiterer Grund für die Aufhebung des ursprünglichen . Beschlusses des Aktions-Komitees, den Kongreß im Februar abzuhalten, lag darin, daß die Führer der amerikanischen Nichtzionisten erklärt hatten, es würde ihnen nicht möglich sein, an einer Tagung des Councils der Jewish Agency Anfang März teilzunehmen. Dr. Felix Rosenblüth erklärte, das eben bekannt gewordene völlig unbefriedigende Ergebnis der gemeinsamen jüdischen Kampagne in Amerika während der Monate November und Dezember 1930 habe gezeigt, daß der Palästina-Drive unverzüglich in Angriff genommen werden muß. Die Demission der misrachistischen Mitglieder der zionistischen Exekutive sei auf Meinungsverschiedenheiten in der Frage des Kongreßtermins zurückzuführen. Der Misrachi hätte darauf bestanden, daß der Kongreß im Februar abgehalten und daß die Palästinakampagne erst nach seiner Beendigung eröffnet werden soll. Die misrachistischen Mitglieder der Exekutive hätten vorläufig noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob sie weiter in der zionistischen Exekutive verbleiben werden oder nicht. Joseph Sprinzak legte die Grundzüge eines Plans dar, der die Aufbringung von einer Million Pfund für Kolonisationsarbeit in Palästina im Laufe dieses Jahres vorsieht. Nach dem Plan soll ein Jüdischer Verband zur Förderung der Palästinakolonisation mit einer Million Mitglieder geschaffen werden, von denen jedes einen Beitrag von einem Pfund leistet. Dadurch würden einerseits die notwendigen Mittel für eine Kolonisationsarbeit großen Maßstabs beschafft und andererseits die jüdischen Massen im Interesse des Palästinaaufbaus mobilisiert werden. Sprinzak erklärte, die palästinensische Arbeiterschaft habe diesen Plan, von dessen Verwirklichung sie sich außerordentlich viel verspreche, mit großer Begeisterung aufgenommen. Die Amerika-Delegation Der Delegation, die sich laut Beschluß des A.C. nach Amerika begeben wird, werden neben Weizmann, wie die JTA. erfährt, noch die folgenden Persönlichkeiten angehören: Direktor Oscar Wassermann, Lady Erleigh (Tochter von Lord Melchett und Schwiegertochter von Marquis of Reading), James de Rothschild und zwei Arbeiterführer. Der Parteienkampf um die Verschiebung des Zionistenkonglresses in der Londoner A.C.-Tagung Berlin, 26. Januar. (JTA.) Das zur Teilnahme an der Sitzung der Hauptliga für das arbeitende Palästina in Berlin weilende Mitglied des Zionistischen Aktions-Komitees, Dr. Jakob Hellmann, Chefredakteur der Rigaer Tageszeitung „Frirnorgn“, machte dem JTA-Vertreter Mitteilung über den während der letzten Londoner A.C.- Tagung vor sich gegangenen Parteienkampf um die Frage der Verschiebung des Zionistenkongresses. Dr. Hellmann wies darauf hin, daß in verschiedenen Zeitungen unwahre Legenden über die Vorgänge in der vertraulichen A.C.-Tagung erschienen waren, und bedauerte es, daß die Verhandlungen über Kongreßfrage und Finanzlage nicht in breitester Öffentlichkeit vor sing gingen; es wäre so eine schädliche Legendenbildung vermieden worden. Innerhalb des Misrachi waren die Meinungen über die Kongreßverschiebung geteilt. Charakteristisch ist die Erklärung von Lazarus Barth, daß er eigentlich mit der Verschiebung des Kongreßtermins einverstanden sei, aber nur infolge Beschlusses seiner Partei die Exekutive verlasse. Rabbi Brodt und Rabbi Rubinstein, sowie der Vertreter des Hapoel Hamisrachi sprachen sich für die Verschiebung aus, und auch die nichtanwesenden amerikanischen Misrachi-Vertreter im A.C., Rabbi Teitelbaum und G. Bublik, ferner die Vertreter des deutschen Misrachi und des Hapoel Hamisrachi in Palästina forderten in Telegrammen dringend die Verschiebung des Kongresses. Farbstein war keinerlei Gegenargumenten zugänglich und erklärte, daß im Falle der Kongreßverschiebung der Misrachi jede Verantwortung für die Tätigkeit der Leitung ablehnen müsse. Anders verhielten sich die Radikalen. Im Verlaufe der Verhandlungen ließ sich J. Grünbaum davon überzeugen, daß ein Kongreß im Winter als stärkstes Hindernis für die bevorstehende Geldaktion sich auswirken würde. Es kommt hinzu, daß der erste Teil der Verhandlungen mit der Regierung mancherlei Korrekturen bedarf, während der zweite, kritische Teil noch garnicht angefangen hat. Die Finanzlage ist katastrophal, und sogar der palästinensische Jischuw ist gegen einen Kongreß im Winter. Wenn Grünbaum nicht selbst für die Kongreßverschiebung gestimmt hat, so nur darum, weil er dem Misrachi in Polen keine Waffe in seinem Kampf gegen die Radikalen bieten wollte. Die Radikalen waren eine Zeitlang sogar bereit, einen Vertreter in die Exekutive zu entsenden; Weizmann bemühte sich sehr, Grünbaum zum Eintritt in die Exekutive zu bewegen. Im letzten Augenblick aber traf aus Polen die Nachricht ein, daß der polnische Zionismus die kontinuierliche Arbeit Grünbaums im Lande selbst nicht entbehren könne; ein Eintritt Grünbaums in die Exekutive würde aber die Verlegung seines Wohnsitzes nach London zur Bedingung haben. Grünbaum trat somit in die Exekutive nicht ein, aber Dr. Nahum Goldmann blieb weiter Mitglied der Politischen Kommission, gleichzeitig beschloß das A.C., den polnischen Zionisten gleich den Zionisten Amerikas und Palästinas eine spezielle Vertreterschaft in der Kommission einzuräumen, wobei stillschweigend angenommen wurde, daß Grünbaum seine Organisation in der Politischen Kommission vertreten wird. Der Kongreß, schloß Dr. Hellmann, wird Ende Mai, spätestens 15. Juni abgehalten werden. Da bis jetzt bereits 400 000 Schekalim verkauft worden sind, ist zu hoffen, daß bis zum Kongreß 800 000, bei fleißiger Arbeit vielleicht gar eine Million Schekalim abgesetzt sein werden, wodurch der Kongreß an Autorität gewinnen wird. Erklärung der revisionistischen Weltunion zur politischen Lage im Zionismus London, 25. Januar. (JTA.) Die Weltunion der Zionisten-Revisionisten in London veröffent-