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Das jüdische Echo · 1931-01-23 · 4 (23.1.1931) · p. Seite 60

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
4 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 Das Jüdische Echo Nr. 4 Neue Ausgrabungen und Funde in Palästina Bericht Professor Sukeniks in der Deutschen Archäologischen Gesellschaft Berlin, 18. Januar. (JTA.) Prof. Sukenik, der Archäologe der Jerusalemer Universität, der seil einigen Wochen in Berlin weilt, berichtete in der Deutschen Archäologischen Gesellschaft über neue Gräberfunde in Palästina, die auf bisher unbekannte Beslattungsbräuche in der Epoche um Christi Geburt hinweisen. Seit längerer Zeit werden in Palästina Steinkisten gesammelt, zu klein, um als Sarkophage zu dienen. Jetzt erst ist ihre ehemalige Verwendung aufgeklärt: In den Familiengräbern, die in Höhlen oder in künstlichen Felslöchern angebracht wurden, fanden bald die neu hinzukommenden Leichen keinen freien Raum. So wurden diese zuerst in die länglichen Grablöcher gelegt, worauf man diese durch eine Steinplatte verschloß. War die Verwesung vollzogen, öffneten die Verwandten feierlich das Grab, überführten die Knochen in eine steinerne Gebeinkiste, wir wir deren jetzt zu Hunderten finden, und diese wurden endgültig in einem tiefer gelegenen Loch aufbewahrt. Diese Gebeinkisten oder Ossuarien haben flache, gewölbte oder giebelförmige Dächer oder sind fast immer durch im weißen Kalkstein geschnittene Ornamente verziert. Eine offenkundige „Kerbschnitt-Technik“, die darauf hinweist, daß vor Gebrauch der Kalksteinkisten ehemals hölzerne Kisten in Gebrauch waren. Viel ist aus den Inschriften zu ersehen. Da lesen wir in flüchtiger Kursivschrift jüdische und aramäische Namen, einige aus dem Geschlecht des Hohepriesters Gamaliel, auch Mitglieder des Sanhedrin werden genannt. Die Zeit dieser Steinkisten läßt sich mit Gewißheit feststellen, es handelt sich um das vorchristliche Jahrhundert und um die Periode nach Christi Geburt bis zur zweiten Zerstörung des Tempels (70 v. Chr.). Man hat also hier zuverlässige intime Zeugnisse aus der Zeit Jesus von Nazareth, es finden sich einige Namen, die nur im neuen Testament Vorkommen. Überaus stark wirkt die Inschrift einer Steinkiste: „Jeschua bar Jehoseph“ (Jesus, Sohn Josephs). Prof. Sukenik will nicht die Möglichkeit als naheliegend bezeichnet haben, daß es sich hier um die Gebeinkiste Christi handelt. Er knüpft daran nur die folgende Bemerkung: Der Name Jeschua ist an und für sich seilen und für die damalige Zeit nur wenig bezeugt. Hinzu kommt, daß dieser Jeschua als Sohn Josephs bezeichnet wird. Gewiß, der Name Joseph ist häufig, aber immerhin ist das Zusammentreffen ein seltsames. Das Ossuar selber ist von sehr einfacher Form und trägt nicht den reichen Schmuck, den viele andere aufweisen; es ist auch bei der Beschriftung kein Künstler hinzugezogen worden, wie das sonst üblich war, sondern die Schriftzüge sind ein wenig unbeholfen in einfacher Kursivschrift von den Angehörigen selber angebracht. Dies alles wie auch das Idiom der Niederschrift könnten gut auf den Menschen Jesus passen, aber eine Identifizierung wird immer unmöglich bleiben. Die gefundenen Knochen mehrerer dieser Ossuarien werden anthropologisch vermessen, dazu fehllen in Jerusalem die Mittel. Diese Arbeiten sollen in Berlin von Geheimrat Virchow ausgeführt werden. Prof. Sukenik glaubt, daß manches Erstaunliche über die damalige Rassenzusammensetzung des jüdischen Volkes herauskommen wird. Das Archäologische Institut des Deutschen Reiches wird noch in diesem Jahre das ganze Material Sukeniks veröffentlichen. Prof. Scliubart wird manche schwer leserliche Inschrift noch entziffern. Jedenfalls haben diese Forschungen die Realitäten der Heiligen Schrift uns um vieles näher gerückt. Demnächst soll eine große Nekropole nahe bei Jerusalem ausgegraben werden, sie verspricht reiche Funde. Nach Feststellung der Ergebnisse sollen alle Gräber wieder auf immer verschlossen werden. Prof. Sukenik versicherte, daß nur zögernd und mit aller Pietät bei diesen Ausgrabungen und Forschungen vorgegangen wird. Die Mauern von Jericho werden ausgegraben London, 16. Januar. (JTA.) Der Liverpooler Universitätsprofessor John Garstang begab sich an der Spitze einer Expedition nach dem Jordan-Tal, um die Ursachen des Einsturzes der Mauern von Jericho festzustellen. Er erklärte Vertretern der Presse, daß durch Ausgrabungen feslgeslellt wurde, daß Jericho zwei Mauern umgeben haben. Der Einsturz muß von einer heftigen Feuersbrunst begleitet worden sein, da rauchgeschwärzte Steine und verkohlte Trümmer gefunden werden. Personalia Frau Rosa Marcus feierte am IS. Januar in München in voller Frische ihren 80. Geburtstag. Gemeinden- und Vereins-Echo Vorläufiges Ergebnis der Einschreibung an der Israelitischen Volksschule München 1. Klasse .33 2. Klasse .35 3. Klasse..39 4. Klasse .34 insgesamt 141 Ausspracheabend im Jüdischen Frauenbund Der Jüdische Frauenhund lud am 15. Januar seine Mitglieder und zahlreiche Gäste zu einem Ausspracheabend über das Thema „Die jüdische Frau im Beruf“ ein. In acht Kurzreferaten sollte einerseits den Mitgliedern des Frauenbundes ein Bild der Berufstätigkeit der jüdischen Frau vermittelt werden, anderseits den jungen, im Beruf stehenden Frauen, die Möglichkeit gegeben sein, durch Aussprache sieh selbst Klarheit über die Probleme ihrer Arbeit zu verschaffen. Von den acht Referentinnen schilderten vier das Arbeitsfeld einer kaufmännischen Angestellten, während von den vierg weiteren Referentinnen die Berufsfreuden und -leiden einer Krankenschwester, einer Sozialbeamlin, einer Hausangestellten und einer Religionslehrerin aufgezeigt wurden. An der Diskussion, die sehr lebhaft war, beteiligten sich drei Damen. In ihrem Schlußwort gab Frau Dr. Rahel Straus der Hoffnung Ausdruck, daß sich die berufstätigen jüdischen Frauen Münchens zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenfinden möchten, deren Ziel sein soll, durch gegenseitige Aussprache und Beratung die einzelnen Teilnehmer weiterzubringen. Es ist erfreulich, daß es dem Jüdischen Frauenbund durch diesen, allgemein befriedigenden Abend gelungen ist, die von ihm schon

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