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Das jüdische Echo · 1931-01-23 · 4 (23.1.1931) · p. Seite 59

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
4 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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Nr 4 Das Jüdische Echo 59 bringe, zu den jüdischen Mitgliedern der Kommission gehöre. Weder habe die hebräische Universität, deren Kanzler l)r. Magnes ist, irgend eine Beziehung zu landwirtschaftlichen Problemen, noch sei Dr. Magnes Repräsentant irgend einer Kolonisationskörperschaft, Die Regierung habe sich bei der Ernennung der Kommissionsmitglieder offenbar von politischen Gesichtspunkten leiten lassen, aber auch in politischer Beziehung repräsentiere Dr. Magnes nicht die jüdische Öffentlichkeit, die seine Ernennung nicht billigen könne und erstaunt darüber sei, daß man Dr. Magnes ernannt hat, während ein Mann wie Dr. Wilkansky, ein führender Sachverständiger auf dem Gebiete jüdischer und arabischer Landwirtschaft in Palästina, übergangen wurde. Auch „Doar Hayom“ kritisiert die Ernennung Dr. Magnes und erklärt, seine Berufung' in die Kommission sei das Ergebnis langer Verhandlungen zwischen der Exekutive der Jewish Agency und der Palästina- Regierung. Das Direktorium der hebräischen Universität hat auf diese Angriffe eine Entgegnung veröffentlicht, in der erklärt wird, Dr. Magnes sei in seiner Eigenschaft als Rektor der Hebräischen Universität eingeladen worden, in die Kommission einzulreten. Diese Einladung sei mit Rücksicht darauf erfolgt, daß die Universität mehrere Abteilungen besitzt, die sich mit theoretischer Forschung und praktischen Untersuchungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft befassen. Feuilleton Sabbatai Zewi, der Messias von Ismir Ein Buch von Josef Kastein Sabbatai Zcwi gehört zu den Gestalten der jüdischen Geschichte, die immer wieder mit besonderer Gewalt Phantasie und Forschung anregen. Warum gerade er? Steht denn Sabbatai Zewi in der Reihe der Großen, die das Geschehen in eine bestimmte Richtung vorwärtsgetrieben haben und deren Wirken für spätere Zeiten maßgebend geblieben ist? Man wird mit Nein antworten müssen; denn weder auf geistig-religiösem noch auf politischem Gebiete hat Sabbatais Leben irgendwie das Geschick des jüdischen Volkes auf die Dauer bestimmt. Doch warum hat man ihn dann nicht vergessen, als seine Episode zu Ende gespielt war, wie man eben eine Episodenfigur abtut? Warum hat Grätz in seinem Geschichtswerke dem falschen Messias, gegen den er eifert und dessen Bewegung er als einen kläglichen Rückfall im Aufstiegsprozeß des Judentums verurteilt, mehr Raum widmen müssen als der in die Zukunft weisenden Gestalt des gleichzeitigen Spinoza? Und warum fesselt uns heute Kasleins Buch (Ernst Rowohlt Verlag, Berlin), das den Messias von Ismir (Smyrna) behandelt, vielleicht stärker als die Biographie irgendeines der größten, entscheidenden Genies der jüdischen und der universalen Geschichte? Zunächst ist es das an Sabbalais Persönlichkeit haftende Geheimnis, das unseren Blick anzieht und festhält. Man fragt sich, wie dieser Mann seine Tätigkeit, seine Sendung und Wirkung aufgefaßt haben muß, und weiterhin, wie er imstande war, einen solchen Brand unter seinen Zeitgenossen zu entfachen. Die Frage, ob Sabbatai ein gewissenloser Betrüger gewesen ist oder nicht, und die Frage, ob die jüdischen Massen, die zu ihm aufsahen, nichts als Opfer einer Verführung gewesen sind oder nicht, — diese beiden Fragen machen das Problem Sabbatai Zewi aus. Und je mehr sich einem cier Stoff eröffnet, desto bedeutsamer wird die zweite Frage; Sabbatai selbst tritt in den Hintergrund, und als Held jener Ereignisse des 17. Jahrhunderts erscheint das jüdische Volk, aus dessen äußerer und innerer Verfassung heraus alles — auch der scheinbare Held, der sich indes nur als Exponent erwiesen hat — verstanden werden muß. Wie ein Drama zieht vor Kasteins Leser das Schicksal des Helden, des jüdischen Volkes vorbei, ein Drama mit einer Nebenhandlung, dem Schicksal Sabbatai Zewis. Gewiß gehören Haupt- und Nebenhandlung zusammen, und der Messias ist aus der messianischen Bewegung nicht herauszulösen; aber das jüdische Volk ist Träger der Haupthandlung, weil aus ihm all die Kräfte entsprungen sind, die die Bewegung um Sabbatai und die Bewegung in ihm hervorgerufen haben, Kastein schildert den Messias als einen Lügner, aber als einen, der wie alle anderen im Banne des Zeitgeistes selbst tief an seine Lüge glaubt, und den das Echo, das er findet, zunächst immer zuversichtlicher macht. Doch als sich Fehlschläge zeigen, wird er unsicher und muß sich in Pose und Verrat retten. Aber bis zu seinem Ende gibt er seinen Anspruch als Messias nicht auf und hält durch seine Boten die Hoffnungen wach. Dies ist die innere Entwicklung Sabbatais, wie sie Kastein zeichnet, neben den äußeren Ereignissen seines Lebens von seiner Jugend an als Sohn des Kaufmanns in Smyrna, der alle seine geschäftlichen Erfolge der Frömmigkeit seines Sohnes zu verdanken glaubt, über sein erstes Auftreten als Auserwählter, indem er den vollen Gottesnamen ausspricht, seine Verbannung, seinen Aufstieg und seine Triumphe bis zu seiner Gefangennahme durch den Sultan, seinem Übertritt zum Islam und seinem Tode im Kerker. Umgeben und begründet aber hat Kastein das Einzelschicksal des Messias mit dem Schicksal des Judentums jener Epoche. Es gibt kaum eine so packende, eindringliche Schilderung der Geisteslage des damaligen Judentums wie die Kapitel bei Kastein, in denen er zeigt, wie auf der Grundlage des jüdischen Mittelalters mit seinem Rabbinismus und seiner Kabbala die Zeit allmählich heranreift, wie die fürchterlichen Judenverfolgungen in Polen das Maß der Leiden und der Erlösersehnsucht vollmachen, wie die Bewegung ihren Führer findet und sich über die ganze jüdische Welt ausbreitet, um schließlich, doch erst lange nach dem Tode Sabbatais, zu enden. Kaslein hat sich als würdiger Bearbeiter dieser fruchtlosen und darum tragischen Epoche jüdischer Geschichte erwiesen, einer Epoche, in der das jüdische Volk trotz aller Leiden der Zerstreuung noch nicht den Glauben an seine Einheit und Einzigkeit und die Hoffnung auf seine Erlösung verloren hat. Und Sabbatai Zewi? Warum konnte er nicht wirklicher Führer dieser leidenschaftlichen Bewegung und Erfiiller der großen Hoffnungen sein? Diese Frage beantwortet Ivastein in seinem Schlußkapitel, das er „Sinngebung des Geschehens“ überschreibt. Sabbatai war ein zu kleiner Mensch, darum kein echter Führer. Es fehlte ihm die Kraft der Hingabe an die Bewegung der Gläubigen,er konnte nur immer sich bejahen und wollte nur sich getragen sehen. Deshalb mußte er fallen lind nach ihm die Bewegung, die eines größeren Führers würdig gewesen wäre. E. E. * * *

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