Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 4 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Das Jüdische Echo Nr. 4 kovic in seinem Referat über den Bericht der Mandatskommission die Frage des Zeitpunktes der Beratung des Weißbuches durch den Völkerbundsrat aufwerfen wird. Sollte der Rat beschließen, eine Beratung über das Weißbuch auf die Tagesordnung der im Mai stattfindenden nächsten Völkerbundratstagung zu setzen, so wird die Einberufung einer außerordentlichen Tagung der Mandatskommission erfolgen müssen. Der umfangreiche Bericht der Klagemauer-Kommission, der, wie bereits gemeldet, beim Völkerbundssekretariat noch nicht eingetroffen ist, wird im Verlauf der gegenwärtigen Tagung dem Völkerbundsrat von der britischen Regierung nicht offiziell vorgelegt werden. Doch wird von der britischen Delegation beim Völkerbund der Plan erwogen, den Bericht der Klagemauer-Kommission inoffiziell bei den Ratsmitgliedern zirkulieren zu lassen. Ein endgültiger Beschluß über diesen Plan liegt noch nicht vor. Die jüdische Immigration nach Frankreich durch neue Verordnungen gefährdet Paris, 5. Januar. (JTA.) Die französische Regierung bereitet neue Verordnungen über Einwanderung, Niederlassung und Arbeitsberechtigung in Frankreich vor, durch die fast alle Juden, die innerhalb der letzten fünf Jahre in Frankreich eingewandert sind, schwer betroffen werden würden. Die Einführung der neuen Bestimmungen, die im Hinblick auf die im Laufe des Monats Dezember auf das Dreifache gestiegene Arbeitslosenziffer notwendig erscheinen, ist auf das Drängen der Radikalen Partei, die im allgemeinen den Ausländern freundlich gegenübersteht, zurückzuführen. Nach den neuen Verordnungen sollen Ausländer, die weniger als 5 Jahre in Frankreich ansässig sind, keine Arbeitserlaubnis erhalten. Ausländern, die im Besitz einer Arbeitserlaubnis sind, soll der Übergang zu einem neuen Beruf nicht erlaubt werden, die Grenzen Frankreichs sollen für alle Ausländer mit Ausnahme von Touristen gesperrt, ausländische Personen, die nicht im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung sind, oder eine solche auf illegalem Wege erlangt haben, ausgewiesen werden. Sollten diese Verordnungen in Kraft treten, so würde hierdurch nicht nur jede weitere jüdische Einwanderung nach Frankreich, wohin in letzter Zeit wöchentlich etwa tausend Juden aus Polen gekommen sind, unterbunden werden, sondern es wäre auch ein großer Teil der ausländischen Juden in Frankreich gezwungen, das Land wieder zu verlassen. Das Testament Lucien Wolfs London, 9. Jan. (JTA.) Soeben wurde der Inhalt des Testaments Lucien Wolfs der Öffentlichkeit bekanntgegeben. Lucien Wolf hat ein Vermögen von etwa 4000 Pfund hinterlassen, von dem ein Viertel seiner Witwe, der Rest seinen Kindern zufällt. Seine wertvolle jüdische Bibliothek und diverse Aufzeichnungen, darunter das Tagebuch über seine anläßlich der Friedenskonferenz im Jahre 1919 mit versqhiedenen Staaten geführten Verhandlungen zum Zwecke der Durchsetzung von Minderheitsrechten für die Juden hat Lucien Wolf der Jüdischen Historischen Gesellschaft in England, deren Präsident er war, die gesamten auf die Jewish Colonisation Association (JGA) und des Joint Foreign Commitee Bezug habenden Dokumente und Korrespondenzen diesen beiden Organisationen hinterlassen Nathan Straus’ Bestattung Neuvork, 13. Januar. (JTA.) Dienstag, den 13. Januar wurde Nathan Straus in der Gruft der Familie Straus in Cyprus Hills bestattet. An dem Trauergottesdienst, der im Tempel Emanu-El stattfand, nahmen viele Tausende, darunter hervorragende nichtjüdische Persönlichkeiten, teil. Die Straßen rings um den Tempel waren von einer dichten Menschenmenge erfüllt, die zur Trauerfeier nicht mehr Einlaß finden konnte. Die Trauerrede hielt Rabbiner Stephen Wise, der insbesondere die Verdienste des Verstorbenen um den Palästina-Aufbau hervorhob. 100 000 Ausländer in Amerika von Ausweisung bedroht Washington, 8. Januar. (JTA.) Im amerikanischen Senat erklärte der neue Staatssekretär für Arbeit und Einwanderung Doak auf verschiedene Anfragen, daß derzeit in den Vereinigten Staaten 400 000 Ausländer ohne gültige Aufenthaltsbewilligung leben. Von diesen könnten etwa 100000 nach den Bestimmungen des Einwanderungsgesetzes ausgewiesen werden. Das Immigrationskomitee des Repräsentantenhauses hat eine Subkommission mit der Ausarbeitung eines Entwurfes für ein neues Einwanderungsgesetz beauftragt. Dem neuen Gesetz, durch das die Johnson Einwanderungsbill ersetzt werden soll, soll der Vorschlag des Staatssekretärs Stimson, die gegenwärtige Immigrationsquote unter Aufrechterhaltung des Prinzips der Einteilung nach Herkunftsländern auf ein Zehntel der bisherigen Höhe zu reduzieren, zugrunde gelegt werden. Eröffnung der neuen Assefath Haniwcharim am 4. Februar Jerusalem, 13. Januar. (JTA.) Der Waad Leumi hat die erste Sitzung der neugewählten jüdischen Nationalversammlung von Palästina (Assefath haniwcharim) für den 4. Februar einberufen. Dieser Beschluß kam gegen den Willen des abtretenden Vorsitzenden des Waad Leumi, Pinchas Ruthenberg, zustande, der im Hinblick auf die ernste Lage das sofortige Zusammentreten der neuen Assefath gefordert hatte. In bewegten Worten hat Pinchas Ruthenberg dem Waad Leumi in dessen letzter Sitzung seinen Dank für die Unterstützung, die er während seiner Amtsdauer bei den Mitgliedern des Nationalrates gefunden habe, ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der neu zu wählende Nationalrat dasselbe Verantwortungsgefühl an den Tag legen werde, wie der bisherige. Die hebräische Tageszeitung „Haarez“ spricht die Hoffnung aus, daß Ruthenberg trotz seines förmlichen Ausscheidens aus dem Waad Leumi diesem auch weiterhin seine Kräfte widmen wird. Scharfe Kritik an der Ernennung Dr. Magnes zum Mitglied der landwirtschaftlichen Regierungskommission Jerusalem, 16.Januar. (JTA.) Das Organ der Arbeiterpartei ,,Dawar“ nimmt in einem längeren Artikel zu der Ernennung der Kommission für landwirtschaftliche Entwicklung durch die Palästina-Regierung Stellung. Das Blatt bedauert die Ernennung des Rektors der Hebräischen Universität, Dr. J. L. Magnes, zum Mitglied dieser Kommission und erklärt, es habe den Anschein, als wolle die Regierung Dr. Magnes in den Vordergrund schieben und ihm künstlich eine Position sichern. Es sei verwunderlich, daß Dr. Magnes, der keine Qualifikation für wirtschaftliche, soziale und technische Aufgaben mit-