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Das jüdische Echo · 1931-01-23 · 4 (23.1.1931) · p. Seite 54

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
4 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Das Jüdische Echo Nr. 4 Der zionistischen Bewegung schloß sich Nalium Sokolow bald nach dem Auftreten Herzls an. Er gehörte auch bereits zu den Teilnehmern am ersten Zionistenkongreß. Nach Herzls Tode wurde er 1905 Generalsekretär der Zionistischen Organisation in Köln unter David Wolffsolms Führung und redigierte dort einige Zeit das zionistische Zentralorgan „Die Welt“, sowie das von ihm begründete hebräische Zentralorgan der Zionistischen Organisation „Ha’ olarn“. 1909 begleitete er David Wolffsohn in einer politischen Mission nach Konstantinopel. Seitdem trat er innerhalb der zionistischen Bewegung und Organisation auf dem Gebiete der Politik, der Propaganda und der Kutlurarbeit immer mehr in den Vordergrund und wurde auf dem zehnten Zionistenkongreß in Basel 1911 zusammen mit Prof. Otto Warburg, Dr. Sclunarjahu Levin und Dr. Arthur Hantke in das engere Aktionskomitee der Zionistischen Organisation gewählt. Er siedelte damals nach Berlin über und blieb hier als Mitglied der Leitung der Zionistischen Organisation bis zum Beginn des Weltkrieges. Während dessen Verlauf verlegte Sokolow seinen Wohnsitz von Berlin nach London, wo er fortan gemeinsam mit Dr. Weizmann und Dr. Tschlenow eine großzügige politische Tätigkeit für die Einbeziehung der zionistischen Palätsina-Forderungen in die englische Politik entfaltete und so an der Erlangung der Balfour-Deklaration mitwirkte. Seit dieser Zeit ist Nahum Sokolow an allen politischen Aktionen des Zionismus führend beteiligt. Er verhandelte während des Weltkrieges mit vielen führenden politischen Persönlichkeiten Europas über die Fragen des Zionismus, und es gelang ihm, bei den Regierungen Frankreichs und Italiens die Zustimmung zur Balfour-Deklaration zu erlangen. Sokolow hat ferner wiederholte Verhandlungen mit dem Vatikan geführt und wurde 1917 vom Papste Benedict XV. empfangen, dem er die Ziele der zionistischen Bewegung darlegte. Während der Friedensverhandlungen in Versailles wurde Sokolow Präsident des Comite des Delelgations Juives und wirkte bei der Anerkennung der jüdischen Minderheitsrechte in den verschiedenen Friedensverträgen mit. Ebenso ist die Zustimmung des amerikanischen Parlaments zur Gründung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina sowie die wiederholten Sympathieerklärungen vieler Regierungen darunter der von Polen, Rumänien und Südafrika, für die Politik des Zionismus auf Sokolows politische Tätigkeit zurückzuführen. Auf der Londoner Jahreskonferenz im Jahre 1920 sowie auf den ihr folgenden Zionistenkongressen wurde Sokolow zum Präsidenten der Zionistischen Executive, bei der der Gründung der erweiterten Jewish Agency im Jahre 1929 auch in deren Executive gewählt und im September 1930 vom Administrative Committee der Jewish Avency zu deren Ehren-Vizevorsitzenden ernannt. Er ist ferner seit 1921 Präsident aller Zioni.sienkongresse gewesen. Neben seiner politischen und journalistischen Tätigkeit hat Nahum Sokolow auch eine ausgedehnte literarisch-wissenschaftliche Tätigkeit entfaltet. Er schrieb u. a.: „Sin’at olarn l’am olam“ (eine Geschichte des Antisemitismus; Warschau 1882); „Zaddik w’niss gaw“ (eine historische Novelle; Warschau 1882); „Erez chemda“ (eine Geographie Palästinas; Warschau 1885); er gab die Jahrbücher „Haassif“ und „Sefer sikkaron“ (ein biographisches Lexikon zeitgenössischer jüdischer Schriftsteller; Warschau 1889) heraus. Seine neuesten literarischen Werke sind „Baruch Spinoza us ’manno“ (London 1929) und „H. ani hakibbuzi“ (New York 1930). Besondere Erwähnung verdient seine in 2 Bänden erschienene „History of Zionism“ (London 1919), in der er zum erstenmal ■ den Versuch einer historischen Darstellung des zionistischen Gedankens gemacht hat. Sokolow hat endlich eine große Reihe wichtiger Werke der europäischen Literatur ins Hebräische übersetzt, darunter Herzls „Altneuland“ sowie die Geschichte der jüdischen Literatur von Gustav Karpeles. Die Verehrung, die Nahum Sokolow in den jüdischen Massen, insbesondere in Osteuropa, Amerika und Südafrika, als Politiker, Volksredner, Schriftsteller und Journalist genießt, ist fast ohne Beispiel. Seine Verdienste um die Ausbreitung des zionistischen Gedankens und dessen Anerkennung in der nichtjüdischen Welt bleiben unvergänglich. Jahresversammlung des deutschen Komitees Pro-Palästina Die deutsche Regierung und das Auswärtige Amt sprechen ihre Sympathie für das jüdische Palästinawerk als ein Werk menschlicher Wohlfahrt und Gesittung aus. Berlin, 20. Januar. (JTA.) Am 19. Januar fand unter Vorsitz von Graf Bernslorff im Kaiserhof die 4. Jahresversammlung des Deutschen Komitees Pro Palästina statt, an der etwa 60 Mitglieder des Komitees teilnahmen, darunter die Herren Ministerialdirektor Dr. Ruppel, Geheimrat Prof. Dr. Sellin, Freiherr von Rechenberg, Ministerialdirektor Dr. Badt, Regierungspräsident Dr. Haussmann, Rabbiner Dr. Baeck, Direktor Oscar Wassermann, Regierungsprädent Dr. Herbst, Arnold Zweig, Regierungspräsident Jaenicke, Ministerialrat Dr. Fuchs, Prof. Koigen, Dr. Grabowsky, Willy Dreyfuß u. a. m. Vom Auswärtigen Amt war Ministerialdirektor Dr. Dieckhoff erschienen, ferner die Legationsräte Prof. Sobernheim und Dr. Grobba. Graf Bernstorff verlas ein Begrüßungsschreiben des Preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun, sowie das folgende Schreiben des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, Herrn von Bülow „Die Deutsche Regierung und das Auswärtige Amt haben ihre Sympathie für die Ziele und Bestrebungen Ihres Komitees wiederholt ausgesprochen. Insbesondere hat auch mein Amtsvorgänger mehrfach zum Ausdruck gebracht, daß wir mit Ihnen das Aufbauwerk in Palästina als ein hervorragendes Mittel für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Orients, für die Ausbreitung deutscher Wirtschaftsbeziehungen und für die Versöhnung der Völker betrachten. Es ist zu hoffen, daß die Schwierigkeiten verschiedener Art, die das Tempo im Fortschritt des Palästinawerkes gehemmt haben, überwunden werden können; eine kluge und besonnene Führung wird das Werk weiterleiten als ein Werk menschlicher Wohlfahrt und Gesittung, dem die Sympathien weiter Kreise in Deutschland sicher sind. Leider verhindert, an Ihrer Jahresversammlung tcilzunelimen, wünsche ich dem Deutschen Komitee Pro Palästina unter Führung seines bewährten Präsidenten Graf Bernslorff die besten Erfolge zu seiner weiteren Tätigkeit. gez. Bülow.“ Nach Erstattung des Jahresberichtes durch den Vorsitzenden, beschloß die Versammlung auf Antrag des Präsidenten einstimmig, den Preußischen Kultusminister Dr. Grimme und Ministerialdirektor Dr. Ruppel, das deutsche Mitglied der Mandatskom-

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